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Mit dem Hoftierarzt unterwegs

Pilzgifte im Futter: Wenn Mykotoxine Sauen krank machen

Schweinehalter scannen Sauen per Ultraschall
am Mittwoch, 03.06.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

In zwei Ferkelerzeugerbetrieben kam es bei den Jungsauen zu Fruchtbarkeitsproblemen wie Umrauschen. In der Diagnostik wurden eindeutig Mykotoxine als Ursache nachgewiesen.

Das Umrauschen ist das häufigste Symptom für Fruchtbarkeitsprobleme der Sauen. Man kann davon ausgehen, dass etwa ein Drittel aller Fruchtbarkeitsstörungen auf diverse virale und bakterielle Infektionserreger zurückzuführen sind. Rund zwei Drittel haben nicht infektiöse Ursachen. Neben Managementfehlern sind es nicht selten Mykotoxine, die zu einer erfolglosen Belegung führen.

Hier spielen speziell die Fusarientoxine Zearalenon (ZEA) und Deoxynivalenol (DON) eine Rolle, wie sich in den folgenden Praxisfällen herausstellte.

Mykotoxine: Erhöhte Umrauschraten bei Jungsauen

Im ersten Betrieb mit 200 Sauen kam es zu erhöhten Umrauschquoten von 36 Prozent bei den Jungsauen. Bei den Altsauen lag die Quote mit 8,8 Prozent im Normalbereich. Die Umrauschtage waren bei zwei Drittel der Jungsauen regelmäßig, was zunächst auf einen Managementfehler hindeutete. Deshalb wurde eine sonografische Eierstockdiagnostik zum Belegen durchgeführt, um den optimalen Besamungstermin zu ermitteln. Hierbei wurde der Landwirt in seinem Handeln bestätigt, sodass ein Managementfehler ausgeschlossen werden konnte.

In der Folge wurde von drei Schlachtsauen, die als typische Problemtiere galten, der Geschlechtstrakt samt Harnblase am Schlachthof gewonnen und zu einem Untersuchungsinstitut weitergeleitet. Hier zeigte sich eine verstärkte Durchblutung (Hyperämie) der Gebärmutter mit Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe (Ödematisierung). Die Gewichte der Gebärmutter überstiegen 1.000 g; normal bei Jungsauen sind 400 bis 600 g. Es zeigte sich das Bild einer vermehrten Sekretion der Uterindrüsen, wie es für eine Zearalenonvergiftung typisch ist.

Mykotoxine: Ausbleibende Rausche bei Remontetieren

In einem anderen Praxisfall beklagte ein Ferkelerzeuger mit angeschlossener Mast bei seinen Eigenremonten eine gehäuft ausbleibende Rausche bis zu einem Lebensalter von 300 Tagen und oftmals auch darüber hinaus. Zudem rauschten belegte Jungsauen häufig um, sodass deren Abferkelquote dramatisch sank.

Weil die Tiere klinisch unauffällig und gut konditioniert waren, wurden zunächst Gebärmutter und Eierstöcke bei betroffenen Jungsauen mit einem bildgebenden Ultraschallgerät untersucht. Dabei fielen sehr geringe Durchmesser der Gebärmutter sowie fehlende Funktionskörper (Follikel, Gelbkörper) am Eierstock auf. Bei einem Schlachtcheck konnte bereits auf den ersten Blick eine Unterentwicklung des weiblichen Geschlechtstrakts (Hypoplasie der Gebärmutter und der Eierstöcke) festgestellt werden. Die Organgewichte waren mit 170 g deutlich zu niedrig.

In der weiteren Diagnostik wurden im Futter und in der Gallenflüssigkeit erhöhte DON-Gehalte nachgewiesen. Das Mykotoxin DON (Deoxynivalenol) schädigt gezielt die Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut, tötet Embryonen ab, schädigt die Leber und beeinträchtigt somit komplexe Stoffwechselprozesse. Jungsauen sind hiervon stärker betroffen als Altsauen.

Mit Mykotoxinbindern im Futter Fruchtbarkeitsproblemen vorbeugen

Die beiden Fälle zeigen, dass Mykotoxine bevorzugt bei Jungsauen Fruchtbarkeitsstörungen auslösen können. Wie lässt sich dem begegnen beziehungsweise vorbeugen? In beiden Betrieben führte der dauerhafte Einsatz eines Mykotoxinbinders im Futter zu einer deutlichen Verbesserung. Die Umrauschquoten und Abferkelraten bei den Jungsauen pegelten sich wieder auf ein normales Niveau ein.

Mehr über die beiden Praxisfälle und wie wichtig es ist, bereits im Vorfeld mit einer Reihe von Vermeidungsstrategien Schäden durch Mykotoxine vorzubeugen, lesen Sie im Beitrag „Wenn Mykotoxine im Spiel sind" in der Juni-Ausgabe 2020 von agrarheute Schwein ab Seite 38.

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