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Ferkelkastration

Praxisversuch zeigt: Improvac-Eber rentieren sich

Improvac Spritze
am Donnerstag, 04.06.2020 - 10:35 (Jetzt kommentieren)

Ein Praxisversuch aus Schleswig-Holstein hat die Mast- und Schlachtleistung von immunokastrierten Ebern untersucht. Das sind die Ergebnisse.

Ab dem kommenden Jahr ist das betäubungslose Kastrieren von männlichen Ferkeln nicht mehr zulässig. Bis dahin müssen sich Schweinehalter für eine der zur Verfügung stehenden Alternativen – Betäubung mit Inhalationsnarkose oder Injektionsnarkose durch den Tierarzt, Jungebermast und Impfung gegen Ebergeruch mittels Improvac –  entschieden haben.

Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein führt Praxisversuch durch

Das Verfahren der sogenannten Immunokastration wird in der Lebensmittelkette Schweinefleisch aus unterschiedlichen Gründen kontrovers diskutiert. Nach wie vor gibt es Vorbehalte bei vielen Schlachtern und Abnehmern.

Um sich ein besseres Bild über die Leistungsfähigkeit der Alternativen machen zu können, müssen entsprechende Daten unter hiesigen Markt- und Produktionsbedingungen verfügbar sein. Das Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein hat daher in einem ihrer Mitgliedsbetriebe einen Praxisversuch durchgeführt. Unter Praxisbedingungen der Mast und Vermarktung sollten Informationen zur Mast- und Schlachtleistung gewonnen werden. 

Versuchsaufbau: So wurden die immunokastrierten Eber geprüft

In einem konventionellen Mastbetrieb wurden rund 1.200 Mastferkel – 516 weibliche Ferkel, 307 Kastrate, 196 Eberferkel und 197 Immunokastrate – in zwei Lieferpartien im Abstand von einer Woche aufgestallt. 

Alle Tiere wurden beim Aufstallen gewogen. 87,1% der Schweine wurden direkt aus der Bucht, in die sie eingestallt worden waren, zur Schlachtung verladen; 9,8% der Schweine wurden aus betriebsorganisatorischen Gründen im Gewichtsbereich von 108 bis 117 kg vor der Schlachtung in andere Buchten umgestallt.

Die Tiere wurden dreiphasig mit einer betrieblichen Eigenmischung aus Gerste, Weizen, Sojaschrot, Mineralstoffen und Molke gefüttert. Die fertige Mischung hatte einen Trockensubstanzgehalt von 23,5 Prozent. Grundlage der täglich kontrollierten und bei Bedarf angepassten Futterzuteilung waren folgende Phasen:

  • Vormast 30 bis 60 kg (13,3 MJ ME/kg,17,1% Rohprotein)
  • Mittelmast 60 bis 95 kg (13,3 MJ ME/kg, 14,6% Rohprotein)
  • Endmast (13,3 MJ ME/kg, 13,0% Rohprotein).

Die Futterkurve (maximal 40 MJ ME/ Tier/Tag) zielte auf Tageszunahmen von 950 g ab.

Erste Improvac-Impfung: 7 bis 14 Tage nach dem Einstallen

Die erste Impfung der immunokastrierten Eber erfolgte gemäß der Vorgaben des Herstellers 7 beziehungsweise 14 Tage nach dem Einstallen. Die zweite Impfung wurde 4 Wochen vor dem Schlachten durchgeführt.

Die Schweine wurden an zehn Terminen an einem Schlachthof in Norddeutschland geschlachtet. Alle Schlachtkörper wurden mit dem Auto-FOM-3-Gerät klassifiziert und vor Anlieferung mit einem Schlagstempel eindeutig gekennzeichnet. Alle nicht chirurgisch kastrierten Schweine wurden am Schlachtband einer Geruchsprobe unterzogen. Geruchsauffälligkeiten wurden dabei nicht festgestellt. Die Schlachtdaten aller Einzeltiere sind aus dem IQ-Agrar Portal abgerufen worden.

Tägliche Zunahmen und Futterverwertung: Improvac-Tiere übertrumpfen Kastrate

Insgesamt erreichten die Tiere ein sehr gutes Zunahmeniveau von deutlich mehr als 900 g/Tag in allen Tiergruppen. Nach den Ebern (966 g/Tag), schneiden die Immunokastrate mit 965 g g/Tag am zweitbesten in diesem Merkmal ab. Sie erzielen damit einen Vorsprung von 28 g/Tag zu den Kastraten. 

Bei den Ergebnissen muss allerdings berücksichtigt werden, dass es unter Praxisbedingungen nicht vollständig gelungen war, einheitliche Einstallgewichte in allen Versuchsgruppen einzuhalten. Das Startgewicht der Improvac-Tiere lag fast 5 kg unter dem der Börge. 

Auch bei der Futterverwertung erzielten die Immunokastrate gute Ergebnisse. Mit einem Niveau von 1:2,52 erreichten sie wieder Platz 2 hinter den Ebern und einen deutlichen Vorteil von 0,22 kg Futter je kg Zuwachs zu den Kastraten.

Schlachtleistung: Immunokastrate um 5,5 ct/kg besser bewertet als Kastrate

Zerlegung-Schweineschlachtung

Bei der Bewertung der Schlachtleistung wurden alle Tiere mit derselben Auto-FOM-3-Maske bewertet. In einem zweiten Schritt wurde die Bewertung der Eber noch mit der Ebermaske durchgeführt. Um bei den Schlachtgewichten die Unterschiede in der Ausschlachtung auszugleichen, wurden die Teilstücke Schinken, Lachs, Schulter und Bauch zusätzlich zu ihren absoluten Gewichten als prozentualer Anteil am Schlachtkörper dargestellt. Als schlachtgewichtsunabhäniger Vergleichsmaßstab des Schlachtkörpers wurde die Abweichung vom Basispreis (ct/kg Schlachtgewicht) bei Indexbewertung gewählt.

Die gegen Ebergeruch geimpften Tiere wiesen einen um rund 5,5 ct/kg besser bewerteten Schlachtkörper als die Kastrate auf.

Bei den Schlachtkörpern der männlichen Schweine zeigte sich folgende Reihenfolge: Eber, Immunokastrate, Kastrate. Der höhere Schlachtkörperwert der immunokastrierten Eber resultiert vor allem aus höheren Schulteranteilen und einem höheren Magerfleischanteil im Teilstück Bauch. Gegenüber den weiblichen Schlachtschweinen weisen die Immunokastrate etwas weniger Schinken- und Lachsanteile, gleichzeitig aber einen höheren Bauchanteil mit geringerem Magerfleischanteil auf. 

Mast von Immunokastraten wirtschaftlich interessant

Um die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens darzustellen, wurde der monetäre Einfluss der einzelnen Positionen pro Tier berechnet und als Differenz zwischen Immunokastraten und Kastraten dargestellt. Insgesamt hat der Mäster bei der Mast von Improvac-Tieren einen Nachteil von 0,36 Euro/Tier. Dabei wurde noch nicht mitgerechnet, dass alle Verfahren der chirurgischen Kastration spätestens ab 1. Januar 2021 tatsächliche Kosten verursachen werden. Damit muss die Bedeutung der Impfkosten relativiert werden.

Wenn diese Abzüge beziehungsweise Kosten in Ansatz gebracht werden, sind immunokastrierte Ferkel für den Mäster wirtschaftlich sehr interessant. Aber selbst, wenn dies nicht geschieht, ergeben sich nach den Berechnungen des Netzwerks Sauenhaltung für die Mast dieser Tiere keine deutlichen ökonomischen Nachteile. 

Mit Material von ISN

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