Login
Tiergesundheit

PRRS: Frühe Impfung bietet Schutz

Ferkel in einer Abferkelbucht
am
17.05.2019

PRRS sorgt für Ausfälle im Stall und bereitet Sekundärinfektionen den Weg. Dr. Jörg Tenhündfeld, Tierärztliche Praxis Vetland
Dr. Tenhündfeld & Kollegen (Vreden) erläutert, wie eine wirkungsvolle Impfung aussieht.

1. Die Impfung gegen PRRS ist sinnvoll

PRRS steht für das porzine reproduktive und respiratorische Syndrom. Obwohl per Definition oftmals die Fruchtbarkeit sowie die Atemwege betroffen sind, schränkt das Virus die Leistungsfähigkeit des Immunsystems insgesamt durch Vermehrung in den Abwehrzellen mit anschließender Zerstörung dieser ein.

Dadurch kommt es oft zu bakteriellen Sekundärerkrankungen. Antibiotika helfen nicht primär gegen das Virus, sondern gegen die ­Folgeerkrankungen. Zusammen mit Mykoplasmen und den Circoviren stehen PRRS-Viren (PRRSV) deshalb nach wie vor bei der Erstellung von Impfprogrammen für Ferkelerzeuger an erster Stelle.

Auch das gemeinsame Agieren von PRRS und Influenza stellt immer wieder eine toxische Kombination dar. Gerade in schweinedichten Regionen sind viele Betriebe PRRSV-positiv. Sie impfen die Sauen fast grundsätzlich und die Ferkel in einem zunehmenden Maß, damit die Tiere entsprechend gesund ins Flatdeck und in die Mast starten.
 

2. PRRS ist schwer ausrottbar

Bei entsprechender Gesundlage eines ­Betriebs – möglichst 10 km im Radius keine Schweinehaltung – sollte immer über die Ausmerzung des Virus nachgedacht werden. In schweinedichten Region ist dies aber fast nicht möglich. Es kann zwar eine PRRSV-Freiheit erreicht, jedoch oft nicht aufrechtgehalten werden.

Bekämpfungsziel in solchen Regionen ist das Beherrschen des Virus im Bestand durch die Impfung von Sauen und Ferkeln. Ebenso wichtig ist aber auch hier, dass durch Hygiene- und Managementmaßnahmen eine Übertragung des Virus zwischen den Produktionseinheiten und Altersgruppen so gut wie eben möglich verhindert wird.

3. Dank regelmäßiger Impfung gute Immunität erreichen

Sauen werden im Rahmen einer Bestandsimpfung alle drei bis vier Monate oder reproduktionsorientiert nach der Geburt und Mitte der Trächtigkeit (6/60-Schema), Ferkel normalerweise in der dritten bis vierten Lebenswoche geimpft. Wenn möglich, sollte man unbedingt genügend Zeitabstand zur Infektion einhalten. Nur dann hat das Tier Zeit, eine ausreichende Immunität aufzubauen.

Folgende Kernfrage ist dabei zu stellen: Wann infizieren sich die Schweine mit dem PRRS-Feldvirus? Geschieht dies erst in der Mast, bereits in der Aufzucht oder gar unmittelbar nach der Geburt? Ist dies bekannt, kann das Impfkonzept entsprechend erstellt beziehungsweise angepasst werden.

4. Impfstoffwechsel in Erwägung ziehen

Eine Eigenart von PRRS-Viren ist, dass ­regelmäßig Genvariationen auftreten. ­Danach kann es zu Ausbrüchen kommen. Zunächst kann versucht werden, unter ­Zuhilfenahme gezielter Diagnostik das Impfschema hinsichtlich der Häufigkeit und der Zeitpunkte anzupassen. Alternativ kann aber je nach Verlauf auch ein ­direkter Impfstoffwechsel notwendig sein.

Besonders wichtig ist, dass ein PRRS-Impfstoffwechsel niemals in klinisch unauffälligen Betrieben vorgenommen werden sollte. Mitunter mag es zumindest theoretische Gründe für einen Wechsel geben, zum Beispiel neue Impfstoffe mit aktuelleren Impfviren. Aber es gibt keine verlässlichen Parameter, die eine Vorhersage auf die Infektionsdynamik und einen dann möglicherweise gebotenen Impfstoffwechsel erlauben.

Fazit ist: Schweinehalter mit stabilen Beständen sollten mit einem voreiligen Impfstoffwechsel vorsichtig sein, jedoch durch ­regelmäßige Untersuchungen stets ein ­waches Auge auf das vermeintlich „schlafende“ Virusgeschehen haben.

5. Neuer Impfstoff ab 1. Lebenstag zugelassen

Ein neuer Impfstoff gegen PRRS ist bereits ab dem ersten Lebenstag für Ferkel zugelassen. Das ermöglicht neue Strategien.So kann spätestens zum Absetzen ein belastbarer Impfschutz gegenüber PRRS erzielt werden. ­Erste Erfahrungen zeigen, dass mit der geringeren Feldviruslast weniger Atemwegs­erkrankungen und Streptokokkenprobleme im Flatdeck auftraten, wodurch der Einsatz von Antibiotika reduziert werden konnte.

Zudem kann die Impfung in den ersten Lebenstagen mit anderen, notwendigen Maßnahmen kombiniert werden. Das spart Zeit. Spannend ist die Frage, ob der Impfschutz bei einem so frühen Zeitpunkt der Gabe bis zur Endmast reicht. Dies scheint nach den ersten Erfahrungen zu klappen. Dennoch: Neue im Feld beweisen, um sichere Aussagen machen zu können.

Der neue Impfstoff kann beispielsweise in Betrieben eingesetzt werden, in denen bereits in der Saugferkelphase wiederkehrend frühe PRRSV-Infektionen, auch in Kombination mit Influenza, auftraten. Die Tiere wurden dann schon in der ersten Lebenswoche geimpft. Die ersten Ergebnisse hinsichtlich Verträglichkeit und Wirksamkeit sind positiv.

Auch interessant