Login
Mast

Ratgeber: Boden im Schweinestall korrekt verlegen

von , am
13.04.2015

Für eine artgerechte Haltung von Schweinen spielt der Stallboden eine große Rolle. Vollspalten, Teilspalten? Wie ist der Boden beschaffen? Ist für Hygiene und Komfort gesorgt? Das Wichtigste finden Sie hier.

Nicht viel Bewegung gab es bei den Preisen in der letzten Juliwoche. © Mühlhausen/landpixel
Aus praktischer Sicht sollte der Stallboden ausreichend drainieren. Wie es in dem KTBL-Fachartikel "Anforderungen an den Stallboden" heißt, sollte der Stallboden dem Tier zudem ausreichende Trittsicherheit garantieren, eine physiologische Klauenhornabnutzung gewährleisten und Liegekomfort bieten.
 
Dabei ist zu beachten, dass die verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Bedürfnisse haben:
  • Für Saugferkel darf der Bodenbelag nicht zu rau sein, da sie sich sonst verletzen können.
  • Muttersauen brauchen einen griffigen Boden, um in den Abferkelbuchten leicht aufzustehen bzw. sich problemlos ablegen zu können.

Stallboden: Sauberkeit beim Verlegen, ständige Kontrolle

Bodeneigenschaften:Keine Graten oder scharfe Kanten sowie eine fachgerechte Verlegung der Böden ohne Stolperfallen sind Grundvoraussetzungen, wie es in dem KTBL-Fachartikel heißt. Zudem sind ein entsprechendes Wärmeleitungsvermögen der Liegefläche und des Kotganges, Maßhaltigkeit, Kantenfestigkeit und Niveaugleichheit sowie ein gesetzlich vorgeschriebenes Verhältnis zwischen Balken- und Spaltenbreite bei maximaler Auftrittsfläche einzuhalten.
 
Oberfläche: Generell wird die Haltung auf Flächen mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften empfohlen. Letztendlich kann der zur Verfügung gestellte Boden immer nur einen Kompromiss darstellen. Ist der Boden zu rau, werden die Klauen zu stark abgenutzt. Ist der Boden zu glatt, können die Tiere ausgleiten und sich Zerrungen zuziehen. Die Klauen werden auf glatten Böden nur ungenügend abgerieben und werden so zu lang. Die so entstehenden Stallklauen verursachen schmerzhafte Fehlstellungen und können zu verringerten Leistungen führen.
Bodenart: Allgemein kann gesagt werden, dass die Haltung auf Vollspaltenboden mehr und auch stärkere Verletzungen verursacht als die Haltung auf plan befestigten Böden oder Teilspaltenböden. Teilspaltenböden sind in der Praxis jedoch meist alt und teilweise beschädig. Dabei sind Spaltenböden aus Kunststoff weniger schadensträchtig als Spaltenböden aus Beton. Durch ein sorgfältiges Management können Verletzungen minimiert oder sogar verhindert werden.
 
Kontrolle: Alle vorhandenen Böden sollten regelmäßig auf Unebenheiten, Risse, Kanten, Grate und Lücken untersucht und eventuelle Unregelmäßigkeiten behoben werden.

Regelmäßige Kontrolle der Schweineklauen

Bei der tierbezogenen Prüfung von Stallfußböden sollten die Klauen vor und nach der Aufstallung bei zeitgleicher Mitbeurteilung einiger Kontrolltiere beurteilt werden. Beim gehäuften Auftreten von Verletzungen gilt es, die Quelle auszumachen. So können neben nicht korrekten Stallboden auch
  • eine zu hohe Besatzdichte,
  • erhöhte Feuchtigkeit im Stall,
  • fehlerhafte Klauenform und Gliedmaßenstellung,
  • die genetische Disposition und
  • das Alter ursächlich sein.
Ebenso können Lahmheiten auch aus einer ungenügenden Klauenabnutzung/-pflege resultieren. Eine rationierte Fütterung führt zu vermehrter Aktivität während der Fütterungszeit, was Verletzungsgefahren mit sich bringt.

Einfluss der Bodenmaterialien auf das Tierverhalten

Funktionsbereiche: Einige Systeme bieten den Schweinen Mikroklimazonen für unterschiedliche Aktivitäten und unterstützen (steuern) somit zusätzlich das Verhalten der Tiere bezüglich der Annahme bestimmter funktionsgebundener Areale oder Fußbodenqualitäten. In Tiefstreuhaltungen sollte sich die gesamte Fläche in einem trockenen und sauberen Zustand befinden, da Schweine auch in durchgängig eingestreuten Haltungsbuchten ihren Kot- und Liegeplatz voneinander trennen. Gegenüber den einstreulosen Teil- und Vollspaltenbodenvarianten ergeben sich hier erhöhte Flächen- und Hygieneansprüche. Eine Zwischenstellung nehmen plan befestigte Fußböden ein, da die voneinander strukturell abgetrennten und regelmäßig zu beräumenden Kotflächen keine oder sehr geringe Einstreumengen und somit einen geringeren Platzanspruch bedingen.
 
Die Haltung auf Teilspaltenböden bedingt wiederum einen erhöhten Platzanspruch gegenüber der Vollspaltenvariante, da Schweine den plan befestigten Liegeplatz sauber halten und dieser das gleichzeitige Liegen ermöglichen sollte. Hohe Stalltemperaturen erfordern zusätzlichen Platzbedarf, da Schweine mit zunehmender Stalltemperatur in gestreckter Seitenlage ohne gegenseitigen Körperkontakt liegen.

Hygiene und Komfort des Stallbodens beachten

Komfort: Neben den thermoregulatorischen Aufgaben bei extremen Temperaturen sollten Stallfußböden auch den Ansprüchen der Tiere nach Komfort und geringem Verletzungsrisiko (Rutschfestigkeit) genügen. Das Verletzungsrisiko ist im Allgemeinen auf plan befestigten Böden geringer. Eingestreute Böden bieten physischen und thermischen Komfort und regen die Schweine zu Erkundungsaktivitäten an. Andererseits können eingestreute Verfahren die Hygiene beeinträchtigen, das übermäßige Klauenwachstum fördern und bei hohen Stalltemperaturen zu thermoregulatorischen Problemen führen.
 
Hygiene: Größe, Konstruktion und Selbstreinigungsvermögen von Spaltenböden richten sich nach der Größe der Klauen und der Belegdichte. Aus arbeitswirtschaftlichen und Hygienegründen haben sich daher Spaltenböden in der Praxis etabliert, auf denen die Schweine durch ihre Aktivität die Exkremente über die Spalten entsorgen und somit akzeptable Hygieneverhältnisse ermöglichen. Eine adäquate Buchtengröße bzw. Kotfläche ist in jedem Fall notwendig. Haben die Tiere zuviel Platz, wird der Kot nicht ausreichend durch den Tiertritt durch die Spalten getreten. Haben die Tiere zu wenig Platz, ist es ihnen nicht möglich, Funktionsbereiche auszubilden. Die Tieransprüche lassen sich leichter bei einer Haltung in sozial stabilen Gruppen realisieren.

Hofreport: Abferkelung bei der AG Ländeken

Auch interessant