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Ratgeber Energie: So sparen Sie in der Schweinehaltung

© landpixel
von , am
05.03.2015

Lüftungsanlagen verbrauchen den meisten Strom in der Schweinehaltung. Wie und wo Sie außerdem sparen können, erfahren Sie hier:

Das Projekt des russischen Unternehmens ist in vier Phasen aufgeteilt. Die erste Bauphase hat bereits begonnen. © landpixel
Grundsätzlich wird in unseren Schweineställen Energie in Form von Strom und Wärme benötigt. Wer keine eigene Kraft-Wärme-Kopplungsanlage hat, ist auf die Energieversorgungsunternehmer angewiesen.

Zum Ausgleich der Wärmeverluste durch das Stallgebäude, die Lüftung oder den Wärmebedarf in den Ferkelnestern ist eine Heizungsanlage unerlässlich. Die notwendige Heizleistung schwankt zwischen dem Bedarf im Sommer und dem Bedarf im Winter um mehr als den Faktor 1 : 10. Ein wirtschaftlicher Betrieb von nur einer Heizungsanlage ist damit nur schwierig darzustellen.
 
Unterschiedliche Bauformen und -ausführungen des Stallgebäudes sowie verschiedene Lüftungsanlagen führen zu unterschiedlichem Energieverbrauch. Auch Unterschiede im Management, wie etwa die Einschätzung der Luftqualität im Stall und damit die Einstellung der Lüftungsanlage spielen hier eine wesentliche Rolle. Der Verband der Landwirtschaftskammern hat in einer Broschüre aufgelistet, wie sich Energie in der Landwirtschaft einsparen lässt. Hier zeigen wir Ihnen die Poteniale in der Schweinehaltung:

Lüftungsanlage

Der Stromverbrauch der Lüftungsanlage ist mit einem Anteil von fast zwei Dritteln am Gesamtstromverbrauch beteiligt.
Zu erhöhtem Wärme- und Stromverbrauch führen
  • eine falsche Einstellung der Solltemperatur,
  • eine falsche Einstellung der notwendigen Mindestluftrate und
  • eine schlechte Abstimmung zwischen Heizung und Lüftung
Wird zum Beispiel die Luftrate um 20 Prozent erhöht, kann dies einen Mehrverbrauch von 1.000 Liter Heizöl bedeuten. Probleme entstehen hier in den unterschiedlichen Regelverhalten von Ventilatoren und Lüftungsbedarf. Außerdem ist in kaum einem Stall bekannt, wie hoch die aktuelle Luftrate tatsächlich ist. Die geförderte Luftmenge kann nur über einen Messventilator ermittelt werden.

Bei Zentralabsaugung oder bei großen Abteilen mit mehreren Lüftern je Abteil besteht die Möglichkeit über eine Gruppenschaltung der Ventilatoren den Regelbereich zu vergrößern, in dem einfach einzelne Ventilatoren zu- oder abgeschaltet werden. Häufig werden dabei besonders energiesparende Ventilatoren im Regelbereich mit Dauerläufern kombiniert.

Luftstrom

Weitere Ansatzpunkte zum Energiesparen sind
  • die Optimierung der Widerstände des Luftstroms in den Zu- und Abluftkanälen: Wichtig ist, dass bei der Planung einer Lüftungsanlage beachtet wird, dass der Gegendruck in einem Zu-/Abluftsystem mit steigender Luftgeschwindigkeit potenziell anwächst. Dies kann zu enormen Widerständen in den Anlagen führen. Die Folge davon sind sehr hohe Stromverbräuche.

  • die Sauberkeit der Lüftungsanlage: Durch Verschmutzung der Lüftungsanlage können sich Querschnitte verengen und Stellklappen schwergängig werden oder festsitzen. Jede zusätzliche Störung des freien Abluftaustrittes führt zu einer Erhöhung des Strömungswiderstandes und damit zu einer erhöhten Stromaufnahme der Ventilatoren.

  • die Art der Regelung: Bei Zentralabsaugungen bestimmen die Anzahl der notwendigen Umlenkungen und die vorliegenden Strömungsquerschnitte den Stromverbrauch der Anlage. Meist sind die Energiekosten für Zentralabsaugungen niedriger als bei Einzelabsaugungen.

  • der Einsatz von energiesparenden Ventilatoren. 

Regelung und Lüfter

  • Die Art der Regelung hat einen direkten Einfluß auf den Energiebedarf. So ist bei einer Traforegelung die Stromaufnahme um rund 10 bis 15 Prozent geringer als bei einer Phasenanschnittsteuerung.

  • Eine weitere Einsparung bedeutet der Einbau von Frequenzsteuerungen, oder der Einbau von Ventilatoren mit EC-Technik. Mit dieser Technik kann die Stromaufnahme im Regelbereich der Ventilatoren um mehr als 40 Prozent gesenkt werden. Entscheidend für die Auswahl des Ventilators ist neben der Stromaufnahme im Volllastbereich auch der Stromverbrauch im Regelbereich.

  • Die Dämmung des Stalls entscheidet über den Wärmebedarf. Im Allgemeinen wird auf eine gute Dämmung der Außenwände Wert gelegt. Im Verhältnis zum Wandanteil ist der Deckenanteil deutlich höher. Deshalb ist die Ausgestaltung der Decke und deren Dämmung von größerer Bedeutung.

  • Noch bedeutender sind die Wärmeverluste über die Lüftungsanlage. Immerhin werden 80 Prozent der Gesamtwärmeverluste durch die Lüftungsanlage verursacht. Vor Beginn der Heizperiode sollten Heizungs- und Lüftungsanlage überprüft werden. Auch der Fühler des Regelgerätes ist von der Staubkruste zu befreien.

  • Ganz wichtig ist der Abgleich des Fühlers mit einem geeichten Thermometer, um sicherzugehen, dass er die tatsächliche Raumtemperatur anzeigt. Auch die Anordnung des Fühlers im Raum sollte optimal sein.

Temperatur

Die Luftanwärmung im Zentralgang auf mehr als 10 °C ist aus folgenden Gründen kritisch zu beurteilen:
  • Bei den Endmastschweinen wird die Luftrate über die Minimumeinstellung hinaus hochgefahren, da die Eigenwärme der Tiere plus die Wärme aus der Zuluft die eingestellte Solltemperatur überschreiten. Damit wird teuer erwärmte Zuluft sofort wieder aus dem Abteil gefördert.

  • Im Abteil mit den leichtesten Tieren dagegen kann die Wärme gar nicht wirksam werden, weil die Luftraten zu gering sind.
Deshalb ist es immer richtig, die Wärme, die im Abteil benötigt wird, auch im Abteil zu erzeugen. Der Zentralgang ist der falsche Ort dafür. Trotzdem darf die Lufttemperatur im Zentralgang nicht unter den Gefrierpunkt absinken.

Gaskanonen

  • Zum Anwärmen des Zentralgangs werden häufig Gaskanonen oder Gasstrahler eingesetzt. Dabei besteht die Gefahr, dass der erwärmte Luftstrom durch die Zuluftöffnungen in den Dachraum entweicht. Sind die Zuluftöffnungen deckengleich eingebaut, kann die Warmluft an der Kaltluft vorbei in den Dachraum abfließen. Der Warmluftstrom der Gaskanone soll in gleicher Richtung wie die Zuluftströmung erfolgen. Erfolgt die Zuluft über Rieselkanäle, sollte der Warmluftstrom eine nach unten gerichtete Strömungsrichtung haben.

  • Beim Einsatz von Warmwasserheizungen führt die Anordnung der Heizkörper oder der Heizstränge direkt unter den Zuluftöffnungen ebenfalls zu Wärmeverlusten. Wichtig ist auch eine ausreichende Dämmung der Vor- und Rücklaufleitungen. Besonders bei langen Zentralgängen und bei weiten Wegen von der Heizungsanlage zum Stall können sonst sehr hohe Wärmeverluste auftreten.

Ferkelnest

  • In neuen Ferkelaufzuchtställen setzen sich Zonenheizungen mit Warmwasser durch. Unter Abdeckungen finden die Ferkel warme Liegezonen mit Temperaturen um 30 °C vor. Die Raumtemperatur bleibt kühler. Wichtig ist dabei, das Liegeverhalten der Ferkel sehr genau zu beobachten. Verlassen die Ferkel mit zunehmendem Alter die Liegezone, ist die Temperatur in diesem Bereich abzusenken. Denn sonst heizt die Zonenheizung die Raumluft so stark auf, dass die Lüftung oberhalb der Mindestluftrate läuft.

  • Im Abferkelstall tragen elektrische Infrarotstrahler erheblich zu überhöhten Energiekosten bei. Ein 150 Watt Strahler verbraucht am Tag 3,6 kWh Strom. Deshalb sollten Elektrostrahler nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie unbedingt notwendig sind. Auch der Einspareffekt von Sparschaltern ist nicht so hoch wie häufig vermutet. Zwar verringert sich die Leistungsaufnahme der Lampe, doch setzt die eingebaute Spule viel Strom direkt in Wärme um.

  • Aus diesem Grund haben sich für die Heizung der Ferkelnester Fußbodenheizungen durchgesetzt. Doch auch zwischen elektrisch oder mit Warmwasser betriebenen Ferkelnestheizungen bestehen erhebliche Unterschiede bei den anfallenden Energiekosten, da Wärme aus Strom immer kostenintensiver ist als Wärme von einer Warmwasserheizung.

Die ganze Broschüre 'Energieeffizienzverbesserung in der Landwirtschaft' finden Sie hier...


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