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Ratgeber: Hygienetipps für den Schweinestall

© agrar-press
von , am
12.12.2014

Ein gesunder Tierbestand ist wichtig, um hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Wir haben für Sie Hygienetipps für den Schweinestall zusammengefasst.

Ein Zaun um das Betriebsgelände schützt vor fremden Besuchern und unerwünschten Keimen. © landpixel
Nur mit gesunden Schweinen macht die Arbeit Freude und lässt sich Geld verdienen. Und nur gesunde Schweine liefern ein hochwertiges Nahrungsmittel. Faktoren, wie Haltung, Fütterung und immunologische Vorbeuge sind klassische Ansatzpunkte für einen hohen Gesundheitsstatus.
 
Weniger präsent sind die bauhygienischen Erfordernisse als Fundament für gesunde Schweine. Johannes Hilgers vom  Rheinischer Erzeugerring für Mastschweine e.V. gibt hier konkrete Tipps aus der Praxis.

Einfriedung des Gebäudes

Alle bauhygienischen Maßnahmen haben zum Ziel, den Erregereintrag von außen in den Betrieb zu verhindern und die Erregeranreicherung und -ausbreitung innerhalb des Betriebes zu verhindern oder zu minimieren.
 
Unbefugte Besucher und Fahrzeuge, aber auch freilaufende Hunde und Spaziergänger sind auf dem Betriebsgelände passé. 80 Prozent aller Infektionen gelangen von außen in den Betrieb. Die Einfriedung des Gebäudes mit einem Zaun, der Menschen, Wildschweine, Füchse, Hunde und Katzen fernhält und die Sicherung durch ein verschließbares Tor zählen zu den effektivsten Mitteln, um den Schweinebestand vor Infektionen zu schützen. Tierarzt, Mechaniker und Futterlieferant wissen Bescheid oder werden vorab informiert, sich telefonisch zu melden oder am Tor zu klingeln.

Multiside-Produktion: Trennung der Haltungsstufen

Multiside-Produktion:  Übersetzt heißt der Begriff so viel wie Trennung der einzelnen Haltungsstufen, beginnend bei Geburt und Aufzucht bis hin zur Mast beziehungsweise Eingliederung in eine vorhandene Herde. Mit der örtlichen Trennung der Gebäude für die genannten drei Stufen der Schweineproduktion unter den jeweiligen betrieblichen Bedingungen - angestrebt wird der größtmögliche Abstand der einzelnen Stallgebäude - lässt sich die Erregerübertragung über Menschen, Schadnager, Geräte und die Luft verhindern. Dadurch können die späteren Mast- und Fruchtbarkeitsleistungen deutlich verbessert werden.
 
Durch die isolierte Aufzucht und Mast ist sichergestellt, dass sich die Schweine nur mit der Keimflora auseinandersetzen müssen, in die sie im Abferkelstall unvermeidbar hineingeboren wurden. Durch die strikte Trennung der einzelnen Stufen wird verhindert, dass sich die Tiere im Flatdeck oder im Maststall mit "Hauskeimen" infizieren. Der hohe Erregerdruck ist in Betrieben mit immer wiederkehrenden Gesundheitseinbrüchen einer der Hauptursachen für Leistungsminderung, gehäufte Erkrankungen und Verluste.
 
Multiside- Produktion kann je nach baulicher Voraussetzung zwei oder dreistufig erfolgen. Generell gilt: Je mehr Stufen unterschieden werden, desto besser der Hygienestatus.

Oberste Pflicht: Hygieneschleuse

Beim Betreten des Stalles ist eine Hygieneschleuse oberste Pflicht. So wird verhindert, dass Infektionserreger in den Bestand eingeschleppt werden. Wer in den Stall möchte, wäscht sich im vorderen Bereich seine Hände, legt Schmuck und Uhr ab, duscht, zieht stalleigene Kleidung an und setzt sich zum Schuhwechsel auf die Bank, die den direkten Weg in den Stall versperrt.
 

Hofskizze zeigt Schwachstellen auf

Tierinfektionen lassen sich auch durch die geschickte Planung des Personen und Fahrzeugverkehrs auf dem Hof vermeiden. Bei der Planung wird der gesamte äußere Stallbereich erfasst, also alle Wege, Gänge und Hofflächen, die zur Versorgung der Tiere bei der täglichen Arbeit betreten werden. Durch klar erkennbare Abgrenzungen, wie Einfriedung entlang der Ställe, wird der innere Hofbereich vom Außenbereich getrennt. So sollte das Futtersilo so stehen, dass der Futtermittellieferant es auf einem um den Hof herumführenden Weg anfahren und gegebenenfalls mit einem Verlängerungsschlauch befüllen kann.
 
Im Idealfall fließen die Verkehrsströme, ohne dass sich die Wege von Fremdpersonen und Fremdfahrzeugen, wie Tierarzt, Viehtransport, Futtermittel, Spermalieferant und Post, kreuzen. 

Kontakte zwischen Tieren, Personen und Versorgungsverkehr vermeiden

Was für den Fremdverkehr auf dem Hofgelände gilt, trifft auch auf die betrieblichen Abläufe zwischen den einzelnen Stalleinheiten zu. Die Zuordnung der Ställe und Funktionseinheiten ist so zu gestalten, dass wechselseitige Kontakte im Tier, Personen und Versorgungsverkehr so gering wie möglich gehalten werden können. Das ist in der Praxis sicher nicht immer einfach, aber nicht unmöglich. Betriebe, die im geschlossenen System arbeiten, sollten direkten oder indirekten Kontakt zwischen Sauen und Mastschweinen auf der einen und Ferkelaufzuchtställen auf der anderen Seite minimieren.
 
In der pdf-Datei Hygienetipps für gesunde Tierbestände  finden Sie noch mehr Tipps zu folgenden Themen:

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Ferkel-Fütterung: Trockenfutterautomat versus Breiautomat

Schweinemast: 10 Tipps für mehr Tierwohl im Stall

Tipp 1: Großgruppen bieten folgende Vorteile: Der Platz pro Tier ist derselbe wie in Kleingruppen, aber jedes einzelne Schwein hat mehr Raum zur Verfügung, um sich frei zu bewegen. © Hungerkamp
Tipp 2: Ein automatisches Filterverfahren kann helfen, die Luft im Stall frisch zu halten. Lüftungsklappen sorgen für frische Luft und ein optimales Stallklima. © Hungerkamp
Tipp 3: Für einen komfortablen Boden sind Kunststoff-Elemente, die eine hygienische Oberfläche besitzen eine Lösung. Sie sollen robust und leicht zu reinigen sein. © Hungerkamp
Tipp 4: Kleine Mengen an Sonnenblumenkernhülsenkönnen als Einstreu verwendet werden. Die Mastschweine spielen, suhlen und liegen in der Einstreu. © Hungerkamp
Tipp 5: Je nach Lebendgewicht trinken die Mastschweine täglich 3 bis 10 Liter Wasser. Um die Zufuhr sicher zu gewährleisten, sollen genügend Tränken im Stall verteilt sein. © Hungerkamp
Tipp 6: Schweine sind neugierige Tiere und beschäftigen sich gerne. Zur Beschäftigung können bewegliche und veränderbare Materialien im Stall aufgehängt werden. © Hungerkamp
Tipp 7: Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit bietet das Raufutter - am besten Heu. Zirka 90 Prozent davon wird von den Schweinen aufgefressen. © Hungerkamp
Tipp 8: Eine Schweinedusche im Stall kann zum Abkühlen oder einfach zum Spielen dienen. Die Schweine lassen sich gerne besprühen. © Hungerkamp
Tipp 9: Ein einfacher Holzstamm kann den Schweinen als Scheuerbalken dienen. Die Schweine nagen sehr gerne am Holz, vor allem,wenn noch Rinde vorhanden ist. © Hungerkamp
Tipp 10: Eine Bade- und Suhlmöglichkeit im Stall weckt und befriedigt die neugier der Schweine. Die Schweine baden, spielen und suhlen sich sehr gerne in einer Wanne. © Hungerkamp
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