Login
Stalltechnik

Ratgeber: Die richtige Beleuchtung im Schweinestall

Schweinestall
Symbolbild © agrarfoto
von , am
15.06.2017

Die Beleuchtung im Stall muss einerseits tierwohlgerecht und andererseits ökonomisch sein. DLG-Empfehlungen zur optimalen Lichtintensität und Photoperiode in der Schweinehaltung.

Licht beeinflusst das Schwein über zwei biologische Mechanismen: Die visuelle Wahrnehmung und die Lichtwirkung auf die Physiologie der Tiere. Beide Aspekte haben Einfluss auf das Wohlbefinden und die Produktionsleistung des Tieres. Der gesetzliche Mindeststandard für die Beleuchtung von Schweineställen ist in der TierSchNutztV unter § 22 und § 26 geregelt. Darüber hinaus sind die Anforderungen an die die Arbeitssicherheit und den Arbeitskomfort zu beachten.

Mindeststandards für die Beleuchtung

Laut TierSchNutztV müssen Stallneubauten über tageslichteinfallende Flächen verfügen, die über 3 % der Stallgrundfläche entsprechen. Ist dies aus bautechnischen Gründen nicht machbar, muss dem Tier künstliche Beleuchtung von 80 lx über mindestens 8 h/Tag im Aufenthaltsbereich zur Verfügung stehen.

Die Photoperiode muss dem Tagesrhythmus angepasst sein und jedes Tier soll ungefähr von der gleichen Lichtmenge erreicht werden. Die restliche Zeit soll nur so viel Licht vorhanden sein, wie die Schweine zur Orientierung brauchen (TierSchNutztV, 2016). Nach EU-Richtlinie 208/120/EG müssen Schweine für 8 h/Tag unter mindestens 40 lx gehalten werden.

Tipps zur optimalen Beleuchtung

  • Beim Menschen ist die Farbwiedergabe entscheidend für die rechtzeitige Wahrnehmung von Tiersignalen. Daher sollten nur Leuchten verwendet werden, die einen Farbwiedergabeindex größer als Ra 80 besitzen.
  • Die Farbtemperatur sollte nach Möglichkeit während der Tierbehandlung auf > 5.300 K eingestellt sein.
  • Die Lichtintensität ist den gesetzlichen Mindestanforderungen von 80 lx über 8 h/Tag anzupassen.
  • Die Bucht sollte in verschiedene Beleuchtungsbereiche aufgeteilt werden.
  • Konstante 80 lx oder eine Erhöhung der Lichtintensität hat eher einen negativen Effekt auf das Tierwohl.
  • Außerhalb der 8 h/Tag kann für Lichtprogramme die Beleuchtungsintensität auf 40 lx reduziert werden, da dies für die Schweine ausreichend ist, um zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden.
  • Während der Nachtruhe ist kein Licht erforderlich, da Schweine sich anhand des Geruches und nicht von visuellen Reizen orientieren.
  • Die Behandlungsbereiche hinter der Sau sollten zusätzlich mit Lampen ausgestattet sein, die während der Behandlungsphase die Beleuchtung auf > 200 lx erhöhen.
  • Für Kontrollarbeiten sind 50 lx ausreichend.
  • Fensterflächen haben vermutlich durch den starken Lichteinfall (> 2.500 lx) einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden der Schweine. Direkte Sonneneinstrahlung sollte daher vermieden werden.
  • Die Photoperiode sollte im Deck- und Wartebereich konstant auf 8 – 12 h Licht/Tag geschaltet werden. Durch längere Tage konnten keine Verbesserungen der Tierleistung oder des Wohlbefindens festgestellt werden.
  • Zum Abferkelbereich gibt es hingegen divergierende Aussagen. Hier ist ein Langtag (LT) (14 – 16 h Licht/Tag) aufgrund der gesteigerten Ferkelaktivität zu empfehlen. Jungsauen erreichen unter Kurztag (KT) (< 8 – 12 h Licht/Tag) die Geschlechtsreife früher, daher ist dies für die Jungsauenaufzucht optimal.
  • Im Flat Deck und in der Mast ist ein kontrollierter LT (14 – 16 h Licht/Tag) zu empfehlen. In Versuchen konnte durch den LT die Geschlechtsreife der Eber hinausgezögert und dadurch die Aggression unter den Tieren gesenkt werden. Des Weiteren wurden signifikant höhere Tageszunahmen bei kontrollierter im Vergleich zu unkontrollierter Beleuchtung festgestellt.
  • In allen Produktionsbereichen hat der unkontrollierte Lichteinfall durch Fensterflächen vermutlich Auswirkungen auf das Tag- und Nachtempfinden der Tiere. Daher sollte der zu erwartende Lichteinfall durch Fensterflächen auf das Beleuchtungsprogramm abgestimmt sein.

Energiekosten gering halten

Die Beleuchtung ist mit bis zu 9 % der Energiekosten ein nicht zu unterschätzender Faktor (KTBL, 2014). Je nach Einsatzgebiet sind unterschiedliche Leuchten Typen zu empfehlen.

  • Die Flächenbeleuchtung im Tagesprogramm, 80 lx über 8 h/Tag bzw. 2.920 h/Jahr
  • Die Kontrollleuchte (zu Kontroll- und Wartungsarbeiten)
  • Die Stimulationsleuchte im Deckzentrum

Da Kontrollleuchten nur wenige Minuten am Tag leuchten, ist in diesem Fall der Anschaffungspreis der limitierende Faktor. Die Stromkosten bei 30 Minuten Leuchtdauer am Tag (183 h/Jahr) belaufen sich auf 0,16 Euro/m² (664 W/m²) je Jahr. Aufgrund des günstigen Anschaffungspreis von ca. 20,00 Euro belaufen sich die Kosten je m²/80 lx auf 0,41 Euro/Jahr. Daher ist in diesem Fall die Standard Leuchtstoffröhre (58 W) zu empfehlen. Ab 600 Betriebsstunden pro Jahr lohnt sich die Investition in hochwertige LED-Leuchten.

In vielen Fällen, wie z. B. bei der Stimulationsbeleuchtung im Deckzentrum, besteht für den Landwirt die Möglichkeit, mit einer geringeren Lichtmenge auszukommen. Daher kann die Leuchtstoffröhre eins zu eins gegen eine LED-Röhre ausgewechselt werden. Dabei ist der Return on Investment nach 4.494,38 Betriebsstunden möglich (8 h/Tag; 1,5 Jahre).

Mit Material von DLG-Merkblatt

Im Abferkelstall: So fühlen sich Sau und Ferkel wohl

Auch interessant