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Ratgeber: Tipps zur Aufzucht kleiner Ferkel

© landpixel
von , am
26.11.2014

Die Wurfzahlen moderner Hochleistungssauen sind deutlich gestiegen. Gleichzeitig sind die Geburtsgewichte gesunken. Ein angepasstes Herdenmanagement kann das Überleben kleiner Ferkel sichern. Wir geben Tipps zur erfolgreichen Ferkelaufzucht:

Ferkelaufzucht: Manche Sauenhalter verhelfen den Schwächsten zu einem Vorteil, indem sie die größeren Ferkel separieren. © Mühlhausen/landpixel
Die Wurfzahlen bei Hochleistungssauen, insbesondere dänischer Herkunft, sind spürbar angestiegen und weil die Reproduktionsorgane der Sauen nicht im selben Maße mitwachsen konnten, sind die durchschnittlichen Einzelferkelgewichte gesunken. Für das Überleben der kleinen Ferkel, die nicht selten unter einem Kilo wiegen, ist ein Herdenmanagement mit spezifischen Maßnahmen zur Aufzucht untergewichtiger Ferkel essentiell. Wir geben Tipps, wie Sie das Überleben kleiner Ferkel sicher stellen können.

Experten empfehlen Ferkelwache oder Abferkeldienst

In Betrieben mit Ferkelwache liegen im Schnitt die Überlebensraten etwas höher. Hier kann der diensthabende Tierbetreuer helfend eingreifen, wenn sich ein Neugeborenes schwer damit tut, zügig die Zitzen und/oder das Ferkelnest zu finden. Wo eine Rund-um-die- Uhr-Wache nicht zu gewährleisten und eine hormonelle Abferkelsynchronisation nicht gewünscht ist, empfehlen Experten zumindest einen Abferkeldienst in den Abendstunden zwischen Arbeitsende und etwa 22 Uhr. Sauen ferkeln bevorzugt in ruhigen Tagesperioden. Die Stille, die nach Feierabend in die Ställe einzieht, löst vermehrt Geburten aus, so dass bis zu 80 Prozent aller Abferkelungen betreut werden können, wenn zwischen 6 und 22 Uhr Personal zugegen ist.

Tierkontrolle und Trockenreiben

Der erste und für jedes Ferkel wichtigste Handgriff des Herdenbetreuers ist die Tierkontrolle, die mit einem kurzen Trockenreiben verbunden sein und an einer mütterlichen Zitze enden sollte. Das Abreiben dient dabei auch, aber nicht nur der Trocknung. Eigentlich noch wichtiger ist in diesem Zusammenhang die Anregung des Kreislaufes. Deshalb ist diese kurze Massage auch nicht durch mineralische oder organische Trockenpulver zu bewältigen, die noch vor wenigen Jahren als Alternative empfohlen wurden. Zwar sind die Kleinen nach dem Eintauchen in einen Pulvereimer ruckzuck trocken. Der "Rubbelreiz", den bei Wildtieren die Zunge der Mutter erzeugt und der gerade bei schwächelnden Neugeborenen Atmung und Herzschlag anregt, fehlt aber. Schon deshalb ist ein Papierhandtuch dem Puder vorzuziehen. Letzteres sollte bestenfalls zur Ergänzung dienen.

Trocknungspulver einsetzen

Trocknungspulver  haben meist ein beeindruckendes Wasserbindevermögen und halten so den Bereich hinter der ferkelnden Sau auch dann noch halbwegs trocken, wenn mit dem 12. oder 13. Ferkel bereits literweise Fruchtwasser geflossen ist. Das hilft den Jungtieren nicht nur, schneller abzutrocknen, wenn kein Mensch mit Papierhandtüchern in der Nähe ist. Es verhindert vor allem auch glitschige Böden und hilft den ferkelnden Sauen beim verletzungsfreien Aufstehen und Hinlegen. Und die Neugeborenen kommen in vielen Fällen deutlich schneller auf die Füße. Auch eine Handvoll im Ferkelnest sorgt für mehr Trockenheit und weniger Wärmeableitung. Zudem wird Erregern die Ausbreitung in dem trockeneren Milieu erschwert, was im direkten Umfeld der immunologisch noch weitgehend ungeschützten Neugeborenen nicht zu unterschätzen ist. Beimischungen von ätherischen Ölen und niedrige pH-Werte sollen ebenfalls keimabtötend wirken.

Große Ferkel aussortieren

Manche Sauenhalter verhelfen den Schwächsten im Wurf zu einem Vorteil, indem sie die größeren Ferkel nach einer gewissen Zeit einsammeln, in Wäschekörbe oder ähnliches verfrachten und ihnen so temporär den Zugang zum Euter verwehren. Diese Methode braucht aber ein gutes Auge und eine Portion Organisationstalent. Verschätzt sich der Tierbetreuer bei einem Ferkel, das zwar groß, aber nicht besonders fix ist, landet auch schnell ein Jungtier im Korb, das noch kein oder nur wenig Kolostrum aufgenommen hat und eigentlich selber zu den Ferkeln gehören würde, die eine Starthilfe brauchen. Wenn sich dann noch die verordnete Zwangspause zu lange ausdehnt, weil im Stall zeitweise besonders viel Abferkelbetrieb herrscht, kann es für den "Trödler" im Ferkelkorb ganz schön heikel werden. 

Bei Wurfausgleich ist der Zeitpunkt entscheidend

Fast jeder Ferkelerzeuger greift heute auf einen mehr oder weniger obligatorischen Wurfausgleich zurück. Auch dafür bedarf es einiger Erfahrung. Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Das Umsetzen der Ferkel muss früh genug erfolgen, dass die Schwächsten im Wurf bei ihrer Entwicklung nicht zu viel Boden verlieren. Die Einbindung in eine neue Wurfgeschwistergruppe und die Gewöhnung an eine andere Sau ist zudem leichter, wenn die Ferkel noch sehr jung sind. Außerdem liegt nach spätestens 78 Stunden die Stammzitze jedes Ferkels fest. Nimmt man dann die kräftigsten Wurfgeschwister weg, wechseln die kleineren Ferkel nicht mehr von ihrer schlechteren Zitze zu der freigewordenen milchreichen.
 
Zu früh darf aber auch nicht umgesetzt werden, zunächst sollte möglichst jedes Ferkel genügend Kolostralmilch von seiner Mutter aufgenommen haben. Ein Umsetzen von Ferkeln innerhalb der ersten zwölf Lebensstunden darf deshalb nur eine Notaktion sein, wenn die Sau erkrankt oder verstirbt. Beim Wurfausgleich sollte man sich immer vor Augen halten, dass der "Mutterwechsel" einen erheblichen Stress für das Jungtier bedeutet. Aus diesem Grund sollten stets die größten und robustesten Tiere umgesetzt werden. Umgesetzte Ferkel sind dabei stets zu kennzeichnen und in der Folgezeit intensiver zu beobachten.

Umsetzen: Altsauen bevorzugen

Sollte es unumgänglich sein, Ferkel umzusetzen, die noch keine oder nicht genug Biestmilch aufgenommen haben, ist unbedingt darauf zu achten, dass die neue Sau vor nicht mehr als zwölf Stunden geworfen hat. Innerhalb dieser Zeit nimmt der Gehalt an Immunglobulinen im Kolostrum bereits dramatisch ab (auf etwa 50 % des Ausgangswertes), so dass die Neuankömmlinge trotz noch voll durchlässiger Darmwand immunonologisch nicht mehr ausreichend abgedeckt werden. Auch Jungsauen sollten in diesem Zusammenhang strikt gemieden werden, weil der Ig-Gehalt ihrer Biestmilch von vornherein niedriger liegt als der von Altsauen.

Anbieten von Zusatztränke

Ähnlich wie bei schwächeren Neugeborenen kann bei Umsetzferkeln ein zusätzlicher Startschuss per Drenching hilfreich sein. Die leichtverfügbare Energie und diverse Vitalstoffe in den Drenchflüssigkeiten verschaffen den Ferkeln kurzfristig mehr körperliche Leistungsfähigkeit und Durchsetzungskraft. Aber auch generell sind viele Ferkelhalter inzwischen zum Anbieten von Zusatztränke übergegangen. Das hat mehrere Vorteile: Ferkel mit wenig Durchsetzungsvermögen bekommen ohne Kampf um die mütterliche Zitze zusätzlich Milch, ihre dominanten Wurfgeschwister sind durch die "kleine Mahlzeit zwischendurch" länger gesättigt und damit weniger aggressiv und alle Ferkel lernen bereits ab den ersten Lebenstagen, dass Futter auch in Näpfen oder Trögen bereitstehen kann und nicht nur an der Zitzenleiste der Mutter.

Vorsicht bei Tränkezufütterung

Die Tränkezufütterung verschafft vor allem größeren und inhomogenen Würfen gleichmäßig gute Wachstumsbedingungen. Allerdings steigen damit nicht nur die Futterkosten, sondern auch der Arbeitsaufwand. Die Zusatzmilch muss für jede Mahlzeit frisch angemischt und der Trog bzw. die Milchschale penibel gereinigt werden. Bleiben Milchreste in der Tränkeeinrichtung, bilden sie einen idealen Nährboden für die Keimvermehrung. Wichtig ist, dass die Zusatztränke das bleibt, was ihr Name verspricht: Eine Ergänzung zur Muttermilch.
 
Qualitativ hochwertiges Tränkepulver bietet zwar ausgewogene Gehalte an Energie, Eiweiß, Vitaminen, Mengen- und Spurenelementen, die Immunstoffe der Muttermilch kann es jedoch nicht ersetzen. Das gilt natürlich vor allem für die Kolostralmilchphase, aber auch in der reifen Sauenmilch sind noch Eiweiße enthalten, die das Immunsystem der Ferkel unterstützen. Deshalb sind auch zugefütterte Ferkelgruppen tunlichst im Auge zu behalten, damit schwächere Tiere nicht auf die künstliche Milchquelle beschränkt bleiben. Deren Immunmanko könnte zu spät auffallen, da sie zunächst noch vital wirken und zunehmen. Einem Erregerangriff haben diese Ferkel jedoch fast nichts entgegenzusetzen.

Tipps für die erfolgreiche Ferkelaufzucht
  • Ferkelwache
  • Ferkelkontrolle
  • Trockenreiben
  • Trockenpulver einsetzen: Trocknung der Ferkel und der Buchtbodens
  • Große Ferkel kurzzeitig separieren
  • Drenschflüssigkeiten und Zusatztränke anbieten

 

Ratgeber: Trends in der Schweinehaltung

 
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