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Ratgeber: Trends in der Schweinehaltung (Teil 1)

© Krenn
von , am
17.11.2014

Schweineerzeuger müssen zukünftig noch stärker den Spagat zwischen mehr Tierwohl und Wirtschaftlichkeit schaffen. Wo der Trend in der Haltung hingeht und welche Systeme Sinn machen, erklärt der Nutztierexperte Dr. Hesse im Ratgeber-Video.

 
Für Schweineerzeuger war die Entscheidung nach der richtigen Investition selten so schwierig wie momentan. Politik und Öffentlichkeit fordern ein mehr an Tierwohl, gleichzeitig befinden sich die Preise für Ferkel und Schweine auf einem Tiefstand. Auf Nutztier-Messen wie der Eurotier 2014 präsentieren Stalltechnik-Hersteller eine Vielzahl von Innovationen in der Schweinehaltungs- und Fütterungstechnik - auch im Hinblick auf das brisante Thema Tierwohl.
 
Doch was macht Sinn, ist tiergerecht und gleichzeitig wirtschaftlich? Der Nutztierexperte Dr. Dirk Hesse ist unabhängiger Berater in Haltungsfragen und gibt im ersten Teil unserer Reihe "Trends bei der Schweinehaltung" Einblick in zukunftsweisene Lösungen im Schweinestall.
 
Im zweiten Teil geht es um Trends bei der Fütterungstechnik. (29. November 2014)

Offene Tränken können problematisch sein

Im Rahmen der Initiative Tierwohl des Lebensmitteleinzelhandels wird die Möglichkeit der Schweine, Wasser aus offener Fläche aufzunehmen, honoriert. Dafür bieten Hersteller unterschiedliche Tränkebauarten an. Das Problem bei offenen Tränkebecken ist jedoch die Möglichkeit der Verschmutzung. Denn laut Orientierungstrahmen zur hygienischen Qualität von Tränkwasser dürfen bestimmte Grenzwerte von Eintragsstoffen nicht überschritten werden. Vor allem bei Ferkeln kann eine erhöhte Keimbelastungen des Wassers zu Verdauungsstörungen und Durchfallproblemen führen.
 
In der Praxis bedeutet das, dass der Landwirt das Wasser in der Tränke stets im Blick behalten und gegebenenfalls mehrmals täglich wechseln muss. Zum leichten Entleeren bieten sich Kippbecken an. Wer angesichts der Wasserqualität auf Nummer Sicher gehen will, dem empfiehlt der Experte Hesse eine elektrochemische Wasseraufbereitung. Allerdings sind die Investitions- und Wartungskosten dieser Technik nicht unerheblich und werden laut Hesse nicht durch den Mehrerlös der Tierwohlinitiative gedeckt.

Trend zu organischem Beschäftigungsmaterial

In der Nutztierhaltungsverordnung wird gefordert, dass Schweine jederzeit Zugang zu gesundheitlich unbedenklichem Beschäftigungsmaterial haben. Der Trend geht momentan hin zu organischen Materialien. Bei Stroh oder Heu muss auf eine hohe Produktqualität geachtet werden, sonst besteht die Gefahr gesundheitlicher Beeinträchtigung wie durch Mykotoxine. Weniger bedenklich sind beispielsweise auf der Trennwand flexibel montiere Beißholzwippen.

Spaltenboden: Kombi für Ferkel und Mast

Der Trend geht laut Hesse hin zu Kombiböden für die Ferkelaufzucht und anschließende Mast. "Es kann betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, die Tiere nur noch abzusetzen und in einer Bucht zu halten." Allerdings gilt in Deutschland für Spaltenböden praktisch eine Nulltoleranz. Daher bieten die Hersteller für diesen Fall einen Boden mit 8 Zentimeter Auftrittsfläche und 14 Millimeter Schlitzweite.

Buchtstruktur für besseres Stallklima

Bei der zukunftsweisenden Stallbucht blickt der Haltungsexperte Hesse zum Nachbarn Dänemark. Hier hat sich ein Haltungssystem bewährt, bei der in der Bucht eine große geschlossene Fläche mit einer kleinen emittierenden Fläche verbaut sind, kombiniert mit einer Güllekühlung und einer Schiebeentmistung. Dieses System, so Hesse, verbessere die Luftqualität im Stall enorm. Allerdings befürchten immer noch viele deutsche Landwirte bei dieser Haltungsform eine zu starke Verschmutzung im Liegebereich. Wer jedoch seine Luftkühlungstechnik im Griff hat, werde damit keine Probleme habe, erklärt Hesse.

'Tierwohl'-Schweinemast kann sich lohnen

 
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