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Projektergebnisse

Ringelschwanz: Kupierverzicht nicht mit der Brechstange

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Uwe Bräunig, agrarheute
am
30.01.2018

Ein weiteres Projekt zum Kupierverzicht brachte ernüchternde Ergebnisse: Trotz vielfältiger Maßnahmen zur Vorbeuge des Schwanzbeißens blieben nur 28 Prozent der Schwänze von unkupierten Mastschweinen unversehrt.

Die dritte Phase der „NRW-Erklärung zum Verzicht auf das routinemäßige Kürzen des Schwanzes bei Schweinen“ ist abgeschlossen. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur 28,3 Prozent der Schwänze von insgesamt 4.200 unkupierten Schweinen blieben bis zum Mastende heil. Keiner der am Projekt teilnehmenden 49 Betriebe erreichte die Zielmarke von 95 Prozent, wie die ISN berichtet. 

Betriebe intensiv auf Kupierverzicht vorbereitet

Die Ergebnisse sind auch deshalb enttäuschend, weil die Schweinehalter umfangreich und intensiv auf den Kupierverzicht vorbereitet und begleitet wurden. So sind beispielsweise in allen Betrieben zuvor eine Schwachstellenanalyse (SchwiP) und gegebenenfalls weitere Checks und Korrekturmaßnahmen durchgeführt worden. Auch wurden generell verschiedene organische Beschäftigungsmaterialien und Wasser aus offenen Tränken angeboten, um nur einige Maßnahmen zu nennen.

Konkret hatten nach der Saugferkelphase noch 93,5 Prozent, nach der Ferkelaufzucht noch gut die Hälfte (50,9 Prozent) und am Ende der Mast noch 28,3 Prozent der Schweine einen heilen Ringelschwanz. Bei 69 Prozent der Tiere war ein Teil- und bei 0,4 Prozent ein Vollverlust des Schwanzes zum Mastende zu verzeichnen. Wie schon in den anderen und vorherigen Projekten war die Stärke des Schwanzbeißens in den Betrieben sehr unterschiedlich.

Schwanzbeißen hatte viele Ursachen

Ein positives Ergebnis gab es dennoch, wie die ISN betont: Die im Notfallkoffer vorgehaltenen Maßnahmen (meist Maßnahmen zur Ablenkung) zeigten in der Regel Wirkung, wenn es zum Schwanzbeißen gekommen war, sodass noch größere Schäden verhindert werden konnten.

Hinsichtlich der Ursachen für das Auftreten von Schwanzbeißen wurden in den Betrieben eine ganze Reihe von Faktoren ausgemacht. Oftmals waren es Störungen im Betriebsablauf, die vermutlich zum Schwanzbeißen geführt haben. Hier wurden beispielsweise das Futter, die Lüftungstechnik oder die Witterung als Störungsquelle genannt. Ganz vorne in der Rangliste der Ursachen waren Probleme im Bereich der Tiergesundheit. 

Kupierverzicht nicht von heute auf morgen

Für die ISN zeigen diese Ergebnisse, wie auch schon viele andere Untersuchungen zuvor: Der Weg zum Kupierverzicht ist lang und steinig und die Umsetzung eines Kupierverzichts mit der Brechstange wäre unverantwortlich. Besonders problematisch scheine es, dass Störquellen, die zum Schwanzbeißen führen können, nie gänzlich verhindert werden könnten. Trotzdem dürften die ernüchternden Ergebnisse nicht dazu führen, die Brocken nun hinzuwerfen und nicht weiter Erfahrungen zu sammeln.

Mit Material von ISN
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