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Niedersachsen

Ringelschwanzprämie: Deutlich mehr Anträge als im letzten Jahr

Ringelschwanz vom Schwein
© Karl Lugmayer/fotolia
von am
04.01.2018

Schweinehalter in Niedersachsen wollen für deutlich mehr Schweine als im letzten Jahr die sogenannte Ringelschwanzprämie für intakte Ringelschwänze in Anspruch nehmen.

Niedersachsens Schweinehalter haben rund 201.000 Mastschweine für die aktuelle Auszahlungsrunde der umstrittenen Ringelschwanzprämie angemeldet – deutlich mehr als im letzten Jahr, in dem das Geld für lediglich 59.200 Tiere gezahlt wurde. Das berichtet die Braunschweiger Zeitung und beruft sich dabei auf dpa-Informationen aus dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium.

16,50 Euro pro intakten Schwanz

Bei der noch von Niedersachsens früherem grünen Agrarminister Christian Meyer eingeführten Prämie bekommen Landwirte EU-Mittel, wenn sie auf das Kürzen der Schwänze in ihren Ställen verzichten und mindestens 70 Prozent der Tiere des angemeldeten Bestands unverletzt bleiben. Pro Mastschwein mit intaktem Schwanz werden 16,50 Euro gezahlt, pro Ferkel fünf Euro.

Nach den vorläufigen Zahlen haben beim zweiten Durchgang von 124 kontrollierten Betrieben nur vier Höfe die Erfolgsquote von 70 Prozent intakter Schwänze nicht erreicht. Beim ersten im Dezember 2015 gestarteten Durchgang gab es 86 erfolgreiche Betriebe, neun bekamen keine Prämie. Bei den erfolgreichen Betrieben waren damals im Schnitt 93 Prozent der Ringelschwänze intakt. Dieser Wert verringerte sich im aktuellen Durchgang auf 89 Prozent.

Ringelschwanzprämie auf dem Prüfstand

Ob es die Prämie auch in Zukunft geben wird, ist allerdings noch unklar. Die neue niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hatte angekündigt, die Ringelschwanzprämie auf den Prüfstand zu stellen. Das routinemäßige Kürzen der Schwänze ist EU-weit zwar schon seit Jahren verboten. Laut Tierschutzgesetz ist das Kupieren des letzten Schwanzdrittels jedoch erlaubt, um schwere Verletzungen infolge von Schwanzbeißen zu verhindern.

Kritiker der Prämie bemängeln, dass es in allen Haltungsformen zum Schwanzbeißen kommt. Die Ursachen seien komplex und noch nicht völlig erforscht. Auch eine 70-prozentige Erfolgsquote bedeute, dass bis zu 30 Prozent der Tiere teils schwere Verletzungen erleiden müssen, die es bei einem Kupieren der Schwänze nicht gebe.

Mit Material von Braunschweiger Zeitung

Tierwohl-Siegel und ihre Kriterien im Überblick

Neuland Siegel
Neuland: Haltung auf Einstreu; Spaltenböden oder Gitterroste sind nicht erlaubt, ganzjähriger Auslauf ins Freie, mehr Tageslicht im Stall, ausschließlich heimische und gentechnikfreie Futtermittel, Antibiotika in der Fütterung sind verboten, Bestandsobergrenze bei Schweinen: 150 Sauen und 950 Mastplätze, Schwanzkürzen und Abschleifen der Zähne ist verboten, Ferkelkastration nur unter Betäubung © Neuland
Tierschutzlabel Einstiegstufe
Tierschutzlabel Einstiegstufe: Platzangebot: 45 % mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben; 1,1 Quadratmeter pro Tier, , Bodenbeschaffenheit, Liegebereich: perforierter Boden, in mindestens vier Buchten Komfortliegebereiche (verbindlicher Entwicklungsplan für neue Betriebe), Beschäftigungsmaterial: Stroh oder vergleichbares organisches Material (auch Pellet-Automaten), Ferkelkastration nur unter Betäubung, Klima: Luftkühlung oder Wasservernebelung (Hochdruck), , Bestandsobergrenze: 3.000 Schweinemastplätze, Transportdauer: maximal 4 Stunden © Deutscher Tierschutzbund
Tierschutzlabel Premiumstufe
Tierschutzlabel Premiumstufe: Platzangebot: circa doppeltes Platzangebot als gesetzlich vorgeschrieben, Bodenbeschaffenheit, Liegebereich: perforierter Aktivitätsbereich, planbefestigter und eingestreuter Liegebereich, Beschäftigungsmaterial: Stroh oder vergleichbares Material, Verschiedene Temperaturzonen: Auslauf (individuelle Ausnahmen für Offenfrontstall), Bestandsobergrenze: 2.000 Schweinemastplätzem, Transportdauer: maximal 4 Stunden, Ferkelkastration nur unter Betäubung © Deutscher Tierschutzbund
Vier Pfoten Label
Vier Pfoten Siegel: kupieren des Schwanzes verboten, abschleifen der Zähne verboten, Kastration nur möglich, wenn kein geeigneter Schlachthof für Eber zur Verfügung; sonst: Kastration nur unter Vollnarkose und Schmerznachbehandlung, planbefestigte, eingestreute Liegefläche, mehr Platz pro Tier im Vergleich zu konventioneller Haltung, Fenster/Tageslicht, gutes Stallklima: Belüftung/Kühlung oder Wasservernebelung, neue Stallungen: Außenklimastall, Transportdauer: maximal 4 Stunden Premiumstufe (zusätzlich): genaue Haltungsvorgaben für die Zucht integriert, z.B. freie Abferkelung, befestigter Auslauf verpflichtend, zusätzlich unbefestigter Auslauf oder Freilandhaltung (zumindest saisonal) © Vier Pfoten
Staatliches Tierwohllabel
Staatliches Tierwohllabel: Die Markteinführung des staatlichen Tierwohllabels ist 2019 geplant. Es soll ebenfalls mehrstufig sein. Noch gibt es keinen konkreten Kriterienkatalog. Dieser soll laut Bundesminister Schmidt bis Ostern erarbeitet werden. Diese Punkte soll es beinhalten: mehr Platzangebot, Buchtenstrukturierung (ausreichend Platz, um Liege- und Aktivitätsbereich zu trennen), längere Säugephase (Dauer der Säugezeit), nicht-kurative Eingriffe (Schwänzekupieren), Tiergesundheitsindex (Teilnahme an Erfassungssystemen), kürzere Transportdauer, Schlachtdauer (bessere Kontrolle von Betäubungen) © BMEL
Initiative Tierwohl
Die Initiative Tierwohl hat kein eigenes Label. Es handelt sich um eine Brancheninitiative für mehr Tierwohl. Der Lebensmitteleinzelhandel zahlt derzeit 4 Cent pro Kilo Fleisch in einen Fond ein, aus dem Landwirte für das Erfüllen bestimmter Haltungskriterien entlohnt werden. Pflichtkriterien in der Schweinemast sind: Teilnahme am Antibiotikamonitoring, Teilnahme am indexierten Schlachtbefunddatenprogramm, 10 % mehr Platz, zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial, Durchführung eines Stallklimacheck ein Mal pro Jahr, Durchführung eines Tränkewassercheck ein Mal pro Jahr, Tageslicht: Jedes Abteil muss Tageslichteinfall haben. Die lichtdurchlässige Außenfläche muss im Durchschnitt des Betriebes mindestens 1,5 Prozent der Abteil-Grundflächen betragen. Für das einzelne Abteil ist eine Unterschreitung der lichtdurchlässigen Fläche von maximal 20 Prozent zulässig. © Initiative Tierwohl
Labelübersicht für die Schweinemast
Labelübersicht für die Schweinemast © BMEL
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