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Ringelschwanzprämie: ISN wirft Meyer Aktionismus vor

© Barbara Schneider/aboutpixel
von , am
21.06.2014

Damme/Hannover - Gestern kündigte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer die Einführung eine Prämie für unversehrte Ringelschwänze an. Die ISN sieht dies sehr kritisch.

In den Vereinigten Staaten sind seit vergangenem Jahr durch den PED-Virus 7 Millionen Ferkel verendet. © Mühlhausen/landpixel
In einer Pressemeldung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums war gestern die Rede von einer Prämie von bis zu 18 Euro je Schwein. Minister Meyer will dabei Fördermittel des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) anzapfen.
 
Eine Reaktion der ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands) ließ nicht lange auf sich warten. "Aus Sicht der ISN ist zunächst einmal Minister Meyers Erkenntnis positiv zu bewerten, dass das Thema Schwanzbeißen die Tierhalter vor große Probleme stellt. Ansonsten hätte er nicht eine Prämie in dieser Höhe ausgelobt", kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack die Ankündigung. "Das Angebot an die Schweinehalter hört sich auf den ersten Blick auch sehr verlockend an. Beim genauen Hinsehen ist das jedoch ein Trugschluss", so Staack weiter. "Verglichen mit dem Straßenverkehr kommt die Prämienauslobung vielmehr einer Aufforderung zum Rasen im Nebel gleich."

ISN: 'Meyer ignoriert Expertenwissen'

Unter dem Strich betreibe Meyer aus Sicht der ISN somit blanken Aktionismus. Expertenwissen werde ignoriert. Das schrittweise Vorgehen wäre aus Sicht vieler Experten der verantwortungsvollere und zielführendere Weg, denn Schwanzbeißen bei Schweinen könne  trotz aller Vorsicht, überall unverhofft vorkommen - und zwar unabhängig von der Haltungsform, der Betriebsgröße und Art der Bewirtschaftung. Die ISN glaubt, man werde mit der vom Minister angekündigten Prämie keine echte Lösung im Sinne des Tierschutzes finden.
 
Es gebe schlicht und ergreifend keine sicheren und allgemeingültigen Lösungen, um Schwanzbeißen zu vermeiden. Selbst in Meyers Wunsch­betrieben, wie z.B. bei Neuland und anderen vergleichbaren Programmen, sei das Schwanzbeißen bei Schweinen trotz Stroheinsatz ein großes und wiederkehrendes Problem.

Tierschutzplan vor dem Aus?

Die Prämie soll nur dann ausgezahlt werden, wenn vollständig auf das Kupieren im jeweiligen Tierbestand verzichtet werde. Zwar müssten mindestens 70 Prozent (%) der unkupierten Schwänze heil am Schlachthof ankommen. Bis zu 30 % der Schweine dürften schwere Schwanz­verletzungen durch gegenseitiges Beißen haben - sehe so Tierschutz im Sinne des ELER-Programms aus? Wirft die ISN die Frage auf und erläutert weiter, dass viele laufende Projekte u.a. im Rahmen des niedersächsischen Tierschutzplanes zeigten, dass selbst die unbefriedigende Erfolgsquote von 70 % ein hochgestecktes Ziel sei und vielfach nicht erreicht werde. Meyer führe den Tierschutzplan seines eigenen Hauses somit ad absurdum. Denn während hier fachlich an Lösungen gearbeitet werde, halte Meyer es nicht für nötig, die Ergebnisse der Projekte und Beratungen der Wissenschaftler und Fachleute abzuwarten. Stattdessen verdrehe der Minister wieder einmal die Fakten. Der Tierschutzplan schreibe nicht das Ende des Kupierens ab 2017 vor. Vielmehr sei dort festgelegt, dass bis dahin ein Leitfaden zur Reduzierung des Schwanzbeißerrisikos erstellt werden solle, um in der Konsequenz verantwortbar auf das Kupieren verzichten zu können.

Langsames Herantasten in NRW

Auch in NRW wurde kein fixes Datum zum Kupierausstieg vereinbart, wie Meyer behauptet, meint die ISN. Abgesehen davon: Wie wolle Meyer das Ganze kontrollieren? Allein mit dem Zählen der Schwänze sei es nicht getan.
 
In Richtung Kupierausstieg könne es nur einen Weg geben: Den mühsamen und langsamen Weg des betriebsindividuellen Herantastens - angefangen mit geringen Tierzahlen sowie begleitet durch die Beratung. Das zeigten alle abgeschlossenen und laufenden Untersuchungen zu dem Thema - und davon gebe es mittlerweile viele, so auch im Rahmen des niedersächsischen Tierschutzplans. Gerade in dieser Woche wurde auf einem Symposium des Düsseldorfer Agrarministeriums zum Thema Kupierverzicht unterstrichen, dass der Weg noch weit sei. Der Ausstieg könne ohne die Tierhalter nicht funktionieren. Das NRW-Schwesterministerium in Düsseldorf habe das scheinbar begriffen. Hier wolle man gemeinsam mit der Landwirtschaft und der Beratung Schritt für Schritt zu Lösungen kommen. Das langsame und stufenweise Vorgehen in NRW sei richtig - wohl wissend, dass auf dem Weg zum Ziel Kupierverzicht - bildlich gesprochen - möglicherweise die Fahrzeit in Abhängigkeit von der Verkehrssituation länger dauern kann.   
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