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Frei Schnauze

Sauenhalterin Nadine Henke hat Angst um die deutsche Ferkelerzeugung

Unter den deutschen Ferkelerzeugern rollt die Aufgabewelle unaufhaltsam weiter.
am Sonntag, 25.09.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

Während die Lebensmittelhändler größtenteils 5 x D fordern, geben gleichzeitig immer mehr Ferkelerzeuger auf. Eine Entwicklung, die Nadine Henke mit Sorge sieht, wie ihr Kommentar zeigt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor einiger Zeit hat mein Mann der BILD ein Interview zur Lage der Schweinebranche gegeben. In Vorbereitung auf dieses Gespräch baten wir die ISN um aktuelle Zahlen bezüglich Ferkelimporte und Exporte.

Nun beobachtet vor allem mein Mann den Ferkel- und Schlachtschweinemarkt äußerst intensiv. Mit Sorge sehen wir in die Zukunft, fordern doch unsere Lebensmitteleinzelhändler größtenteils 5 x D (geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Deutschland). Währenddessen rollt die Aufgabewelle bei den deutschen Ferkelerzeugern unaufhaltsam weiter.

5 x D beim Schwein: Ein frommer Wunsch

Gerade letzte Woche sind uns die Zahlen wieder ins Auge gefallen: Im Februar 2022 waren es 678.594 und im März 905.405 Ferkel, die aus dem Ausland zu uns kamen. Diese Tiere sollten nun zum großen Teil geschlachtet sein. Legt man die Ferkelimporte und die Schlachtzahlen nebeneinander, wird sehr deutlich, dass 5 x D ein frommer Wunsch bleibt. Die Ferkel sind schon jetzt schlichtweg nicht mehr da.

Rund 25 Prozent der insgesamt geschlachteten Schweine sind importierte Ferkel. Das hat sich nicht groß geändert, aber es werden insgesamt viel weniger Schweine geschlachtet, sodass der Rückgang der Schlachtzahlen überproportional Ferkel aus deutschen Herkünften betrifft. Zudem müssen wir bedenken, dass das erst der Anfang ist – die aktuellen Schlachtzahlen zeigen „nur“ die Aufgabewelle des letzten Herbsts.

Liebe Kollegeninnen und Kollegen, sehenden Auges wird derzeit die deutsche Ferkelerzeugung abgewickelt. Hinterher soll bitte niemand erschrocken sagen, er hätte das nicht gewusst. Der Malle-Party-Hit „Der Zug hat keine Bremse“ erhält für mich in diesem Jahr einen sehr bitteren Beigeschmack.

Kommentar

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