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Sauenhaltung: Viele steigen aus

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von , am
09.05.2012

Brüssel - Viele EU-Länder, darunter auch Deutschland, hinken bei der Umsetzung der Gruppenhaltung hinterher. Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass viele Landwirte aus der Sauenhaltung aussteigen wollen.

© Mühlhausen/landpixel
Mindestens elf EU-Mitgliedstaaten dürften bis zum Jahreswechsel noch nicht vollständig auf die Gruppenhaltung von Sauen umgestellt haben. Das geht aus Zahlen hervor, die während des Agrarrats Ende April in Luxemburg kursierten. Die Bundesregierung meldete zwar nach Brüssel, dass die Vorgaben bis zum 31. Dezember 2012 zu 100 Prozent erfüllt sein werden. Allerdings gehört Deutschland gemeinsam mit Frankreich zu einer Gruppe von Mitgliedstaaten, die bei der Umsetzung offenbar besonders stark hinterherhinken.
 
Der Tischvorlage zufolge hatten hierzulande lediglich 31 Prozent der relevanten Betriebe auf die Gruppenhaltung umgestellt. Nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums sei dies allerdings der Stand vom Jahreswechsel 2011/12. Aktuellere Zahlen lagen in Berlin zuletzt nicht vor.

Umfrage: Die Mehrheit steigt aus

Unsere letzte Umfrage zum Thema Umstellung auf Sauengruppenhaltung spiegelt die Stimmung der Schweinehalter wieder. Sie zeigt deutlich, dass ein Großteil der Schweinehalter nicht mitziehen möchte oder kann. 60 Prozent, insgesamt 407 Leser, klickten die Antwort "ich steige aus der Schweinehaltung aus". Dies könnte einen erheblichen Strukturwandel bedeuten. Nur 20,5 Prozent (139 Stimmen) haben laut Umfrage bereits auf Gruppenhaltung umgestellt. Weniger als 20 Prozent (133 Stimmen) haben die teure Investition noch vor sich.
 
Nach der langen Talfahrt der Ferkelpreise haben viele Sauenhalter keine liquide Mittel zur Verfügung. Die Investition bringt außerdem keinen zusätzlichen Gewinn. Vielmehr können laut Landvolkverband bei vorhandener Stallkapazität in der Gruppenhaltung weniger Tiere gehalten werden. Dem Landvolkverband zufolge rechnen Experten für die Umrüstung eines Sauenplatzes mit Kosten zwischen 250 Euro und 400 Euro. Bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 250 Sauen kämen damit Investitionen in Höhe von 60.000 Euro bis 100.000 Euro zusammen.

Einige EU-Länder werden die Frist verfehlen

Laut letztem Stand haben in Frankreich 29 Prozent, in Belgien und Portugal weniger als 40 Prozent umgestellt. Für die Niederlanden schwanken die Angaben zwischen 53 und 77 Prozent, während sich der Anteil in Dänemark auf 75 Prozent beläuft. In Großbritannien, Schweden und Luxemburg werden Sauen bereits heute vollständig in Gemeinschaft gehalten.
 
EU-Gesundheitskommissar John Dalli hatte die EU-Agrarminister in Luxemburg nachdrücklich aufgefordert, die Anstrengungen zu verstärken, um die Umstellungsfrist einzuhalten. Voraussichtlich fünfzehn Prozent der italienischen Sauenhaltungsbetriebe werden die Frist zur Umsetzung der EU-Vorschriften verfehlen. Einen zweistelligen Rückstand erwarten auch die kleinen Erzeuger Lettland und Zypern, während die übrigen acht EU-Staaten von einem Anteil zwischen fünf bis sieben Prozent ausgehen, darunter Österreich, Polen und Spanien.

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