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Tierwohl

Wie schaffe ich eine bessere Buchtenstruktur im Schweinestall?

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am Mittwoch, 30.09.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Für unsere Tiere wollen wir das höchste Maß an Tierwohl. Welche Dinge sollte ein Schweinehalter in Bezug auf einen Neu- oder Umbau bedenken?

Nach dem Bundesratsbeschluss vom 03. Juli 2020 beschäftigen sich Tierhalter noch intensiver mit der Frage nach dem optimalen Tierwohl im Stall. Neben der genauen, regelmäßigen Tierbeobachtung wird es zunehmend wichtig, Tiersignale besser zu deuten und die passenden Rückschlüsse für das Betriebsmanagement zu ziehen. Wichtig ist hierbei auch, die Bedürfnisse an jede Jahreszeit anzupassen und bei möglichen Problemen direkt zu reagieren. Die sogenannten Funktionsbereiche von Schweinen werden immer weiter untersucht und geben uns Aufschluss über das natürliche Verhalten der Tiere.

Wie strukturiere ich meine Schweinebuchten?

Allgemein ist die Strukturierung der Buchten sehr betriebsindividuell. Der Landwirt sollte hier viel Wert auf die Bedürfnisse der Schweine legen und den Stress möglichst reduzieren. Die Mindestgröße der Buchten sollte bei Mastschweinen 25m² und in der Ferkelaufzucht bei 15m² liegen. Eingeschränkte Funktionsbereiche können Unwohlsein und Frust auslösen. Die Gefahr des Schwanzbeißen steigt. Grundsätzlich kann die Bucht in vier Bereiche geteilt werden, die für den Komfort der Tiere elementar wichtig sind:

  • Liegebereich
  • Fressbereich
  • Aktivitätsbereich
  • Kotbereich

Beim Strukturieren der Buchten sollte man außerdem bedenken, dass kleine Gruppen um die 20 Tiere zwar besser beobachtet werden können, der Spielraum bei der Strukturierung allerdings gering ist. Bei größeren Gruppen gilt genau das Gegenteil.

Das Verhalten der Schweine im Blick

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Beim Bau oder Umbau eines Stalls sollte man das Verhalten der Tiere genau im Blick behalten und die unterschiedlichen Bereiche im Stall gut durchdenken:

  • Sozialverhalten: Da Schweine ihre Aktivitäten schon von klein auf gerne gemeinsam ausführen, muss in jedem der einzelnen Bereiche genügend Platz verfügbar sein.
  • Ruheverhalten: Neben dem Platzbedarf ist in der Ruhephase auch der tiergerechte Untergrund entscheidend. Zudem sollte der Ruhebereich ruhig, geschlossen und frei von äußerlichen Störungen sein.
  • Aktivitätszeiten: Während die Tiere in der Mittags- und Abendzeit zur Ruhe kommen, sind sie Vor- und nachmittags sehr aktiv.
  • Nahrungsaufnahmeverhalten: Dies ist vor allem während der Aktivitätszeit ausgeprägt, daher muss ausreichend Fressplatz verfügbar sein. Während dieser Phase ist auch der Erkundungsdrang deutlich stärker.
  • Erkundungsverhalten: Wie viel Beschäftigungsmaterial steht zur Verfügung?
  • Komfortverhalten: Kann das Tier sich gut bewegen, pflegen und die Gliedmaßen von sich strecken? Zudem muss der Tierhalter das Stallklima stets im Blick behalten.
  • Ausscheidungsverhalten: Ist ein natürlicher Kotbereich vorhanden, der am besten in der Ecke liegt und trittsicher ist? Zudem sollte er am weitesten vom Liegebereich entfernt sein.
  • Fortbewegungsverhalten: Das Schwein hat genügend Platz, um sich zu bewegen und seinen natürlichen Bedürfnissen nachzukommen.

Was können Schweinehalter baulich beachten?

Durch die Verhaltensmuster der Tiere kann man auch im weiteren Verlauf darauf schließen, welche wichtigen baulichen Aspekte bei der Buchtenstrukturierung zu beachten sind:

  • Lüftung und Klima: Bei ausreichend Platz verlassen Schweine eigenständig die Bereiche mit ungünstigen Luftverhältnissen. Trotzdem sollte Zugluft im Schweinestall unbedingt vermieden werden. Die Luftführung kann der Landwirt vor dem Umbau durch Ausnebeln der Abteilung erkennen.
  • Licht: Optimale Lichtverhältnisse sind wichtig für die Tierbeobachtung und haben Einfluss auf die Leistung und das Wohlbefinden der Schweine. Die Lichtintensität darf daher nicht zu hoch sein. Auch in der Ruhephase bevorzugen die Tiere Dunkelheit.
  • Futter: Die Tiere müssen ohne Stress Futter aufnehmen können. Ein Tier-Fressplatzverhältnis von 1:1 ist daher anzustreben. Um Rangkämpfe zu vermeiden, sollte eine ausreichend große Trogfläche verfügbar sein.
  • Wasser: Die Wasseraufnahme im natürlichen Verhalten sollte gefördert werden. Saufen aus einer offenen Fläche mit zusätzlichen Nippeltränken runden ein optimales Angebot ab. Die Sauberkeit der Tränken muss hierbei regelmäßig überprüft werden. Es gilt: Maximal 12 Tiere pro Tränke.
  • Beschäftigung: Vor allem bei organischem Beschäftigungmaterial muss stets frisches Raufutter verfügbar sein. Am besten sind Futterraufen oder Spielzeug im Aktivitätsbereich der Bucht aufgehoben.

Eine aktuelle Version des DLG- Merkblatts "Buchten richtig strukturieren" finden Sie hier. 

Mit Material von DLG

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