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Aus der Wirtschaft

Schlachtbranche auf Konsolidierungskurs

© Mühlhausen/landpixel
von , am
29.03.2014

Das Wachstum bei den führenden Schlachtkonzernen war im vergangenen Jahr gebremst. Während Vion seine Schlachtzahlen leicht steigerte, gingen beim Branchenprimus Tönnies die Schlachtzahlen zurück.

Werksgebäude des Unternehmens Tönnies
Platz 5: Unter die Top 5 der weltweit größten Schlachtunternehmen hat es die deutsche Firma Tönnies mit rund 18 Millionen geschlachteten Schweinen im Jahr 2016 geschafft. © Werkbild
Die vier größten Unternehmen haben zusammen einen Marktanteil von fast 60 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die großen Wachstumsschritte bei den Schlachtzahlen ausgeblieben. Selbst beim Primus Tönnies gab es keine Steigerung der Schlachtungen in Deutschland. Ein Novum in der Tönnies-Geschichte. Investiert wurde dennoch kräftig: In Dänemark wurden die Kapazitäten ausgebaut und in Deutschland wurde insbesondere in die Erweiterung der Geschäftsfelder investiert.
 
So baut Tönnies aktuell das europaweit größte und modernste Werk zur Heparinherstellung. Das geht aus dem aktuellen Schlachthofranking der Interessensgemeinschaft deutscher Schweinehalter (ISN) hervor.
 

Vion konnte Marktanteile zurückgewinnen

Bei Vion konnten zumindest teilweise die Marktanteile, die 2012 verloren gingen, zurückgewonnen werden. In 2013 machte Vion ansonsten in erster Linie mit sogenannten Restrukturierungen von sich reden. Die wirtschaftlichen Probleme des Konzerns sind offenkundig, immerhin wies der Geschäftsbericht in 2012 ein Minus von 830 Mio. Euro aus. Als direkte Folge wurde unter anderem die Ingredients-Sparte verkauft, um an "frisches Geld" zu kommen. Zudem wurden unrentable Standorte, wie Minden, Kasel-Golzig, Weimar und jüngst Lingen, geschlossen.
 
Relativ unspektakulär verlief das Jahr 2013 bei Westfleisch. Diese konnte die Schlachtungen leicht auf 7,41 Mio. Schweine steigern. Nicht so Danish Crown in Essen/Oldenburg. Hier gingen bereits im dritten Jahr in Folge die Schlachtungen zurück und zwar auf 2,74 Mio. Schweine. Keine Erfolgsgeschichte - hatte der ehemalige Besitzer D&S Fleisch doch bereits annähernd 3,6 Mio. Tiere geschlachtet.
 

Mittelstand setzt auf Regionalität

Der Mittelstand hat sich im vergangenen Jahr recht uneinheitlich entwickelt. Vogler (Rang 5) konnte an den Erfolg im Vorjahr anknüpfen und mit 2,3 Mio. die Anzahl der geschlachteten Schweine noch einmal um 13,9 Prozent steigern. Die Müller Gruppe in Birkenfeld konnte die Steigerung der Schweineschlachtungen mit 1,63 Mio. Stück in 2013 gut behaupten. Für das Jahr 2014 erhofft man insbesondere mit dem Argument "Regionalität" gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zu punkten. Hierfür wurde eigens ein Rohstoffkonzept "Süddeutsches Schweinefleisch" entwickelt.
 
Auch bei Böseler Goldschmaus mit Sitz in Garrel steht das Thema Regionalität hoch im Kurs. Durch eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen regionalen Einzelhändlern schafften es die Niedersachsen im diesjährigen Ranking mit 1,53 Mio. geschlachteten Schweinen auf Rang 7.
 
Nur knapp behaupten konnte sich Tummel in Schöppingen mit 1,53 Mio. Schlachtschweinen am Haken. Hier läuft noch immer das Kartellverfahren um die Übernahme durch Tönnies. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht.
 
Nach dem deutlichen Zugewinn in 2012 hatte BMR in Garrel in 2013 wieder einen deutlichen Rückgang zu verbuchen. Hier kamen nur noch 1,4 Mio. Schweine zur Schlachtung, was einem Minus von immerhin 11,4 Prozent entspricht. Damit rutschte BMR um zwei Plätze ab auf Rang 9.
 
Die Schlachtzahlen bei Simon in Wittlich zeigten eine feste Entwicklung mit 0,96 Mio. Schlachtungen. Damit rangiert Simon weiterhin auf Rang 10.
 

Investition in neue Geschäftsfelder

Vion hat es trotz wirtschaftlicher Probleme geschafft, die Schlachtzahlen wieder zu steigern. Ob es sich hier tatsächlich um eine Trendwende handelt, wird sich noch erweisen müssen. "Im Sinne des Wettbewerbs ist dies zunächst jedenfalls eine erfreuliche Entwicklung", kommentiert ISN-Marktexperte Matthias Quaing die Ergebnisse.
 
"Auffällig ist, dass die erfolgreichen Unternehmen im vergangenen Jahr verstärkt in die Verarbeitungstiefe bzw. in neue Geschäftsfelder, investiert haben. Neben der Effizienzsteigerung wird in der Steigerung der Wertschöpfung sicherlich eine zentrale Herausforderung für die Zukunft liegen. Schließlich ist Markt für Schweine begrenzt, eine wesentliche Erhöhung der Schweinebestände in Deutschland derzeit nicht in Sicht", so Quaing weiter. "Sollten der Ankündigung Taten folgen und mit dem italienischen Schlachtkonzern Bresaole Pini ein weiterer "Global Player" auf den deutschen Markt vorrücken, wird das den Wettbewerb noch einmal anheizen", ist sich Quaing sicher.
 
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