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Kannibalismus

Schwanzbeißen: Mögliche Ursachen und Vorbeugemaßnahmen

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am Donnerstag, 17.06.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Kannibalismus bei Schweinen sorgt für Schmerzen und Leistungsdepressionen. Er ist multifaktoriell. Aber was löst ihn aus und was können Schweinehalter dagegen unternehmen?

Kannibalismus ist das Schreckensszenario für jeden Schweinehalter. Man betritt ein Abteil und sieht blutige Schweine und angeknabberte Schwänze. Egal ob bio oder konventionell – kaum jemand kann von sich behaupten, davor sicher zu sein. Umso wichtiger ist es, zu verstehen und zu unterscheiden.

Es klingt so profan: Unter Kannibalismus versteht man das gegenseitige Benagen von Tieren einer Gruppe. Häufig geht es mit Verhaltensauffälligkeiten wie Schwanz-, Ohr- und Flankenbeißen bei den Tieren einher. Dabei verursachen die entstehenden Verletzungen oder nachfolgenden Entzündungen bei den betroffenen Tieren oft erhebliche Schmerzen und Leistungsdepressionen.

Zwei Arten von Kannibalismus

Das Auftreten von Kannibalismus gilt als ein multifaktorielles Geschehen. Dabei werden alle unterschiedlichen Formen mit Stress in Verbindung gebracht. Grundsätzlich richtig, aber sehr allgemeingültig ist, dass Schweine, die Stress empfinden, eine erhöhte Konzentration des Hormons Glucocorticoid und anderer Stresshormone wie Adrenalin aufweisen.

Neben verstärkter Unruhe führt dies zu einer Verengung der Blutgefäße, sodass man Verletzungen bei den Tieren nicht so schnell bemerkt. Daher sollten Stressfaktoren vermieden beziehungsweise minimiert werden.

Kannibalismus tritt aufgrund verschiedener Ursachen auf: Ein primärer Kannibalismus kann auf Veränderungen im Stoffwechsel der Tiere infolge einer aktivierten Immunabwehr zurückgeführt werden. Ein sekundärer Kannibalismus wird durch eine veränderte Magenphysiologie ausgelöst.

Oft werden beim Kannibalismus Gerinnungsstörungen mit Nekrosen und Blutungen mit aufgeführt. Sie müssen aber gesondert erklärt und betrachtet werden, selbst wenn sich die Fütterungsempfehlungen manchmal ähnlich sind.

So halten Sie primären Kannibalismus in Schach

Primärer Kannibalismus tritt immer dann auf, wenn die Tiere – unter veränderten Stoffwechselbedingungen – hohe Leistungen erbringen wollen. Mögliche Gegenmaßnahmen sind:

  • Die Körpertemperatur auch bei gesund aussehenden Tieren regelmäßig kontrollieren.
  • Beurteilung einer aktivierten Immunabwehr mit dem Leistungsniveau des Schweins, besonders im Hinblick auf Proteinansatz und Futterverwertung.
  • Stressfaktoren müssen abgestellt werden.
  • Lediglich beruhigend oder symptomisch wirkende Produkte erzielen keinen langfristigen Erfolg.
  • Mithilfe eines Futtermittelberater sollten Fütterungskonzepte mit folgenden Schwerpunkten entwickelt werden: Entlastung des Stoffwechsels in schwierigen Phasen und Ausgleich von möglichen Nährstoffdefiziten.
Mit Material von Stefan Niebur-Ossenbeck, B&K Mühlen

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