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Tierwohl

Schwanzbeißen vermeiden

Schwein draußen mit Ringelschwanz
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Martina Hungerkamp, agrarheute
am
22.05.2018

Um das Risiko für Schwanzbeißen zu minimieren, kann sauberes und ausreichendes Trinkwasser wichtiger sein als Beschäftigungsmaterial. Warum lesen Sie hier.

Wir müssen nicht die komplette Haltungsumwelt der Schweine verändern. Um das Risiko von Schwanzbeißen zu minimieren, sind laut Mirjam Lechner folgende Dinge viel entscheidender:

  • Sauberes, frei verfügbares Trinkwasser in ausreichender Menge
  • Hygienisch einwandfreies Futter ohne Mykotoxine
  • Ein Raufaserangebot – und nicht irgendein so genanntes Beschäftigungsmaterial wie Gummiringe.

Das sahen auch die anderen Experten auf der Fortbildungsveranstaltung „Ausstieg aus dem Schwanzkupieren – Möglichkeiten und Wege“ in Bernburg so. Und, dass es kein einfacher, aber notwendiger Weg ist.

Langschwanz nicht um jeden Preis

Der intakte Ringelschwanz ist laut Dr. Marco König, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt, wahrscheinlich der Gold-Tierschutz-Indikator: „Wir sind nicht berechtig ein Stück vom Tier abzuschneiden, um Haltungsprobleme zu beheben.“

Prof. Dr. Thomas Blaha, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V stimmt ihm zu: „Wer denkt, kupieren ist doch der beste Tierschutz, der will sich nicht damit befassen.“ Zunächst müsse das Bewusstsein erlangt werden, dass es nicht in Ordnung ist, ein Körperteil abzuschneiden. „Es geht gar nicht um den Moment des Kupierens. Wir nehmen den Tieren die körperliche Integrität“, fasst der Tierarzt zusammen.

Schwanzbeißen: multifaktorielle Auslöser

Ein Ringelschwanz sei ein Zeichen für Wohlbefinden. Wird dies durch irgendwas gestört – alles kann Einfluss haben - kann es zu Schwanzbeißen kommen.

Wie bei einem Eimer passiert erstmal nichts. Aber irgendwann kann ein Tropfen den Eimer zum Überlaufen bringen: Wenn den Schweinen irgendetwas nicht behagt, haben sie laut Dr. Sabine Dippel, FLI, ein erhöhtes Bedürfnis, einen Ausweg zu finden. Und das ist wühlen, beziehungsweise beißen.

Untersuchungen würden zeigen, dass Täter, also Beißer, ebenso viel Stress haben wie die Opfertiere.

Langschwanz nicht flächendeckend

So fasste Dr. Manfred Weber, Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) die Ergebnisse seiner Versuche zum Langschwanz mit den Worten zusammen: „Ich kann im Moment nicht empfehlen, in heute üblichen konventionellen Stall flächendeckend Tiere mit langen Schwänzen zu halten.“ Wichtig sei es, einzelbetriebliche Lösungen gefunden werden. Dabei sei auch ein weiteres Kupieren der Schwänze als Option offen zu halten.

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