Login
Schwein

Schwanzkupieren bleibt 'Mittel der Wahl'

von , am
03.02.2010

Wageningen - In den Niederlanden haben Schweinehalter, die auf das Kupieren der Schwänze ihrer Ferkel verzichtet haben, damit insgesamt keine guten Erfahrungen gemacht.

© agrarfoto.com

Das geht aus einer Studie der Universität Wageningen zu diesem Tierschutzthema hervor, die sich auf eine Telefonumfrage bei gut 500 Schweinehaltern stützt. Dass Schwanzbeißen in ihren Herden nicht vorkommt, gaben rund 50 Prozent der Tierhalter mit abgesetzten Ferkeln, 44 Prozent der Mäster und 36 Prozent der Schweinehalter mit Jungsauen an.

Im Ökobetrieb hatten laut der Umfrage 53 Prozent der Ferkelhaltungen und 55 Prozent der Mastbetriebe keine Probleme mit beißenden Ferkeln. Betroffen vom Schwanzbeißen waren im Allgemeinen ein Prozent bis fünf Prozent der Tiere. Rund ein Drittel der konventionell wirtschaftenden Betriebe hat nach den Angaben schon einmal getestet, auf das Kupieren der Ferkelschwänze zu verzichten, damit aber sehr häufig schlechte Erfahrungen gemacht.

Einsatz von Spielmaterial soll helfen

So berichtete rund die Hälfte dieser Schweinehalter, die versucht hatten, ohne das Kupieren auszukommen, dass danach mehr als 20 Prozent der Tiere mit dem Schwanzbeißen begonnen hätten. Das Kupieren wird unter den konventionell wirtschaftenden Betriebshaltern denn auch als die wichtigste Prävention betrachtet. Wenig halten diese von Stroh oder anderer Einstreu als Ablenkungs- und Spielmaterial. Häufig werden auf diesen Höfen hingegen Ketten als Spielgerät für abgesetzte Ferkel und Masttiere eingesetzt, und zwar auf mehr als der Hälfte der Betriebe.

Risikofaktorenim Fokus

Für die konventionellen Schweinehalter ist der Ausstieg aus dem Schwanzkupieren laut den Ergebnissen der Studie noch keine Alternative, zumal lediglich acht Prozent der Befragten das Schwanzbeißen als Haupt-Tierschutzproblem auf den Höfen betrachten. Hintergrund der Erhebung ist das Ziel der niederländischen Regierung, innerhalb von 15 Jahren sämtliche Verstümmelungen im Schweinesektor zu verbieten, wie es in Großbritannien heute schon der Fall ist. Dieses Ziel soll schrittweise durchgesetzt werden. So arbeitet man an Forschungsprojekten zur Ebermast; die Ferkelkastration wird nur noch mit Betäubung durchgeführt, wobei die Nutzung von Kohlendioxyd dafür gerade auch in Deutschland kritisch gesehen wird.

Wirtschaftliche Einbußen

Einig sind sich konventionelle Landwirte und ihre Kollegen aus dem Ökolandbau laut der Umfrage aus den Niederlanden darin, dass das Stallklima, die Stallbelegung und ein nicht optimaler Gesundheitsstatus wichtige Risikofaktoren für das Schwanzbeißen sind. Neben Tierschutz- und Gesundheitsproblemen führt Schwanzbeißen im Stall laut der Studie zu wirtschaftlichen Einbußen bei den Schweinehaltern. (AgE)

Auch interessant