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Panorama

Schweden: Vorreiter in Sachen Tierwohl

Sauen-im-Stroh-Schweden
am Dienstag, 25.02.2020 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Langschwanz, freies Abferkeln, Einstreu: In Schweden gelten deutlich höhere Tierwohlstandards als hierzulande. Doch lässt sich dies so einfach auf Deutschland übertragen? Wir waren vor Ort.

Schon der Blick auf einige Zahlen ist interessant: So wird in Schweden mit 2,6 Mio. erzeugten Schweinen pro Jahr nur ein Zehntel der deutschen Produktion erreicht. Stehen hierzulande etwa 1,3 Mio. Sauen in den Ställen, sind es in Schweden lediglich 112.000. Das zeigt sich auch bei der Zahl der Betriebe: Gibt es in Deutschland noch rund 21.600 (davon 7.400 mit Sauen), liegt die Zahl in Schweden bei 1.100, davon 780 Betriebe mit Sauen.

Mit Eintritt in die EU Produktion eingebrochen

Die schwedische Schweinebranche hatte mit dem Eintritt in die EU im Jahr 1995 schwere Einbußen hinnehmen müssen. Da die Produktionskosten deutlich höher waren als in den übrigen europäischen Ländern, brach die Produktion in wenigen Jahren stark ein. Von einem Selbstversorgungsgrad von annähernd 100 fiel er über 15 Jahre auf nur noch 70 Prozent ab. Statt 330.000 t wurden nur noch 230.000 t Schweinefleisch produziert. Im gleichen Zeitraum erhöhte
sich der Import um 100.000 t.

Im Jahr 2014 erreichte der Niedergang der Produktion einen Höhepunkt. Daraufhin folgte eine konzertierte Aktion aller an der Schweineproduktion Beteiligten in Schweden. Neben den Landwirten waren das auch die Behörden und Verbände, die ihre Kräfte bündelten. Seit dieser Zeit steigen die Schweinezahlen wieder. Ein zentraler Punkt ist die Bewerbung von Fleisch aus schwedischer Herkunft. Das Verbraucherinteresse wurde zunehmend geweckt und das etwas teurere Fleisch findet wieder den Weg zum Konsumenten.

Kupierverbot und Verbot von Vollspaltenböden

Die tierschutzrechtlichen Vorgaben sind in Schweden Vergleich zu Deutschland deutlich schärfer. Zentrale Punkte sind das absolute Kupierverbot, das Verbot von Vollspaltenböden und die Vorgabe, Einstreumaterial zu nutzen. All dies verteuert die Produktion erheblich – trägt allerdings auch zum Gelingen der Haltung unkupierter Ferkel bei. Die Tiere können so ständig ihrem Wühlverhalten nachkommen und nehmen gleichzeitig faserhaltige Futtermittel auf. Hauptsächlich wird in Schweden mit Stroh eingestreut.

In den Abferkelbuchten sind keine Ferkelschutzkörbe vorhanden. Der Schutz der Ferkel wird durch Abweiser an der Wand gewährleistet. Die bei Versuchen in
Deutschland bei diesen Systemen immer wieder beobachteten hohen Ferkelverluste von häufig deutlich über 25 Prozent sind hier nicht zu finden. Landesweit liegen die Verluste zwischen 16 und 18 Prozent. Gründe hierfür könnten die deutlich ruhigeren Sauen sein.

Flüssigfütterung am Langtrog beugt Schwanzbeißen vor

Die Fütterungssysteme in Schweden entsprechen weitestgehend auch unseren Empfehlungen beim Halten von Langschwanztieren. Hauptsächlich werden Flüssigfütterungssysteme mit Langtrog und einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 genutzt, sodass alle Tiere gleichzeitig fressen können. Das erleichtert nicht nur die Tierkontrolle während der Fresszeiten. Es nimmt den Tieren gleichzeitig die Möglichkeit, beim Fressen von hinten an den Schwänzen zu knabbern, da auch die potenziellen Schwanzbeißer Hunger haben und am Trog stehen.

Ein Risikofaktor in der Ferkelaufzucht wird in Zukunft die Fütterung darstellen. Ab 2020 dürfen auch in Schweden die bislang üblichen hohen Zinkzulagen von bis zu 2kg/t Mischfutter nicht mehr zum Einsatz kommen. Für die Haltung von Langschwanztieren könnte dies eine gewisse Rolle spielen.

Mehr über die Schweinehaltung in Schweden und wie zwei Betriebe erfolgreich unter den dortigen Bedingungen wirtschaften, lesen Sie im Beitrag „So machen es die Schweden" in der Februar-Ausgabe 2020 von agrarheute Schwein ab Seite 28.

Mit Material von Dr. Manfred Weber

Schweinehaltung: So machen es die Schweden

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