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Aus der Wirtschaft

Schwein: Gute Marktversorgung begrenzt Preisanstieg

© landpixel
von , am
17.08.2013

In Deutschland wurden dieses Jahr mehr Schweine geschlachtet, der Absatz am Binnenmarkt und im Export läuft nicht so dynamisch, wie gewünscht. Das drückt die Preise.

Die Preise werden sich wohl erst zur Grillsaison erholen. © Markus Walti/pixelio.de
Die Produktion von Schweinfleisch in der EU schrumpft 2013 nach den Daten der EU-Kommission das zweite Jahr in Folge. Das die Schweinpreise in Deutschland und Europa davon nicht wirklich profitieren konnten, hat verschiedene Ursachen.
 
Zum einen wurden in Deutschland trotz eines rückläufigen Schweinebestandes dieses Jahr mehr Schweine geschlachtet. Zum anderen hat sich der Absatz am Binnenmarkt sowie im Export offenbar nicht so dynamisch entwickelt, wie dies für höhere Preise nötig gewesen wäre.

Druck auf den Binnenmarkt war groß

Nach den Daten der EU-Kommission steht im laufenden Kalenderjahr einer Gesamtproduktion von knapp 22,1 Millionen Tonnen (Mio. t) Schweinefleisch ein Verbrauch von 20,1 Mio. t gegenüber. Um zu einem einigermaßen ausgeglichenen Markt zu kommen, müssen also rund zwei Millionen Tonnen Schweinefleisch in Drittländer exportiert werden, denn der europäische Selbstversorgungsgrad liegt bei 110 Prozent (%).

Rückläufige Preise und hohe Kosten

Diese Entwicklung lässt sich ganz klar an den Preisen ablesen, die mit dem Ausbleiben der Grillsaison im Frühjahr stagnierten und im Mai völlig gegen den saisonal üblichen Trend nachgaben. Erst im Juli war mit dem werdenden Wetter auch eine Erholung der Preise möglich.
 
Für die Schweinemäster kommt erschwerend hinzu, dass die Futterkosten nicht in dem Umfang zurückgegangen sind, wie zum Beginn des Jahres erhofft.
 
Nach den Erhebungen der EU-Kommission sind die europäischen Schweinepreise von ihrem letzten Hoch im September 2012 bis Mai 2013 zwar um 15 % gefallen. Die Futterkosten blieben jedoch fast unverändert hoch und brachten keine Entlastung von der Kostenseite.

Deutsche Produktion über dem Vorjahr

Für die EU geht die Kommission auf Basis der Viehzählung und der ermittelten Schlachtzahlen von einem Rückgang der Produktion im dritten Quartal von immerhin 3,3 % aus und im vierten Quartal soll die Erzeugung noch um 2,4 % schrumpfen.
 
In Deutschland wurden jedoch (trotz rückläufiger Schweinebestände) in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres zwei Prozent mehr Schweine geschlachtet als im letzten Jahr. Außerdem waren die Schweine im Schnitt auch noch schwerer als 2012, so dass der Fleischanfall noch größer war.
 
Dies war eigentlich so nicht erwartet worden. Die Kommission war in der ersten Jahreshälfte noch von einem Rückgang der deutschen Schlachtung ausgegangen.

Preise zeigen wieder nach unten

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Ohne den von der EU-Kommission für die nächsten beiden Quartale erwarteten kräftigen Rückgang der Produktion in der EU und in Deutschland könnte der Druck auf die Schweinpreise wieder zunehmen.
 
Am Terminmarkt rechnet man damit, dass die Preise bis Oktober auf 1,70 Euro fallen. Die Kommission hat auf Basis der Produktionsdaten für das dritte Quartal 2013 einen Schweinepreise von knapp 1,82 geschätzt und für das letzte Quartal immerhin noch Erlöse von 1,77 Euro/t prognostiziert. Vieles wird sicherlich auch von der weiteren Entwicklung der Exporte und der Exportbedingungen insbesondere auch nach Russland abhängen.
 
 
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