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Aus der Wirtschaft

Schwein: Schwächerer Export drückt die Preise

© Benshot/fotolia
von , am
04.12.2012

Die Exporte von Schweinefleisch aus der Europäischen Union haben in der zweiten Jahreshälfte an Dynamik verloren. Für Januar bis September verfehlte die Exportmenge erstmals den Vorjahreswert. Dies gilt jedoch nicht für Deutschland.

Schwein im Schweintransporter
© Benshot - Fotolia.com
Das Exportvolumen des größten EU-Exporteures (Deutschland) übertrifft den Vorjahreswert um rund sechs Prozent (%) und steuert mehr als ein Viertel zu den EU-Gesamtausfuhren bei.
 
Zuletzt standen die Schweinepreise auch wegen der rückläufigen Ausfuhren unter Druck. Allerdings muss der Markt im letzten Quartal des Jahres ohnehin das größte Angebot des Jahres verkraften und die Preise geben auch ohne schwächeren Export nach.

Mehr nach China, weniger nach Russland

In den ersten neun Monaten des Jahres haben die Länder der europäischen Union 2,33 Millionen Tonnen (Mio. t) Schweinefleisch in Drittländer exportiert. Das waren etwa zwei Prozent weniger als im letzten Jahr.
 
Dabei macht sich unter anderem der kleinere Absatz nach Russland in den Bilanzen bemerkbar. Zwar ging etwa ein Viertel der gesamten Exporte nach Russland, jedoch war die Exportmenge in den ersten neun Monaten des Jahres fast zehn Prozent kleiner als vor einem Jahr.
 
Auf Position zwei unter den wichtigsten Absatzmärkten liegt seit diesem Jahr China. In das Reich der Mitte gingen nicht nur fast ein Fünftel aller Exporte sondern der Zuwachs der Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr lag auch bei über 50 %. Dagegen hat sich der Import Hongkongs etwa um ein Drittel auf einen Anteil von zwölf Prozent an allen Exporten verringert. Zusammen nehmen China und Honkong mit 0,7 Mio. t indessen 30 % aller EU Importe auf.

Starkes Wachstum Richtung Ukraine

Fast stabil geblieben sind im Vorjahresvergleich die Exporte nach Japan. Etwa sieben Prozent aller EU-Ausfuhren haben derzeit Japan zum Ziel. Dagegen sind die Ausfuhren nach Südkorea kräftig eingebrochen und verfehlen den Vorjahreswert um rund 30 %. Grund ist hier die Erholung der eigenen Bestände und Produktion von den Folgen einer MKS-bedingten Bestandsreduzierung.
 
Mit zu den stärksten Wachstumsmärkten im Export gehören in diesem Jahr die Ukraine und Weißrussland. In Richtung Ukraine wachsen die Exporte um 53 % und nach Weißrussland um 18 %. Auf beide Länder entfallen allerdings nur fünf beziehungsweise sechs Prozent der Gesamtausfuhren.

Deutschland exportiert mehr

© EU-Kommission
Nach Ländern betrachtet steht Deutschland als Exporteur jedoch weiterhin recht gut da. Im Vorjahresvergleich sind die Ausfuhren in den ersten neun Monaten des Jahres nochmals um sechs Prozent auf 0,6 Mio. t gewachsen. Damit liegt der Anteil der deutschen Ausfuhren an den Gesamtexporten bei gut 25 %.
 
Gleichzeitig hat Deutschland seinen Vorsprung als größter EU-Exporteur gegenüber Dänemark ausgebaut. Die dänischen Ausfuhren sind nämlich um acht Prozent auf 0,44 Mio. t geschrumpft.
 
Auf Position drei der wichtigsten Exporteure folgt Spanien, mit Ausfuhren von 0,26 Mio. t und eine Zuwachs von 17 % gegenüber dem Vorjahr. Ähnlich dynamisch mit 18 % sind die polnischen Exporte auf 0,23 Mio. t geklettert. Dagegen haben die Niederlande mit -20 % und auch Frankreich mit Minus zwölf Prozent kräftig Marktanteile im Export eingebüßt und rangieren mit jeweils 0,17 auf Position fünf und sechs der wichtigsten EU-Exporteure.

Weiterer Preisrückgang erwartet

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Ende Oktober gerieten die Schweinepreise in der EU unter Druck. Ursache hierfür waren zum einen die sich verschlechternden Exportmöglichkeiten. Zum anderen dürfte für den Preisdruck jedoch auch die saisonübliche Zunahme der Angebots- und Schlachtmenge im letzten Quartal des Jahres gewesen sein.
 
In der Gesamt-EU wird die Produktion (Schlachtung) von der Kommission im vierten Quartal 2012 um vier bis neun Prozent größer eingeschätzt als in den ersten drei Quartalen des Jahres 2012. Auch in Deutschland wird im letzten Quartal 2012 rund vier bis sechs Prozent mehr Schweinefleisch erzeugt als in den beiden ersten Quartalen 2012 und 1,5 % mehr als im dritten Quartal.
 
Hinzu kommt noch, dass auch der Konsum am EU-Binnenmarkt angesichts hoher Verbraucherpreise eher schrumpft und der Verbrauch die rückläufigen Exporte damit nicht ausgleichen kann. Am Terminmarkt erwartet man vor diesem Hintergrund derzeit einen weiteren scharfen Rückgang der Preise bis auf etwa 1,65 Euro je Kilo im Januar 2013. Angesicht der hohen Futterkosten wäre diese Entwicklung für die Wirtschaftlichkeit in der Schweinproduktion fatal.
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