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Aus der Wirtschaft

Schwein: Weltmarkt bleibt aufnahmefähig

© Mühlhausen/landpixel
von , am
27.11.2012

Die globale Produktion von Schweinefleisch wächst 2012 um rund zwei Prozent. Gleichzeitig nimmt der weltweite Handel mit Schweinefleisch um rund drei Prozent zu.

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Die Exportpreise sind aufgrund eines zwischenzeitlichen Angebotsschubs zuletzt etwas unter Druck geraten. Mittelfristig sind die Aussichten für feste Preise und eine stabile Marktentwicklung jedoch sehr gut.
 
Zu diesen Ergebnissen kommen die Fachleute der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in ihrer halbjährlichen Einschätzung zur globalen Marktentwicklung.

Kostenexplosion führt zu Bestandsabbau

Insbesondere in einigen maßgeblichen Exportländern, wie den USA und Kanada, führte der immense Anstieg der Futterkosten zu einer dramatischen Verschlechterung der Wirtschaftlichkeit und in der Folge zu einem kräftigen Abbau der Tierbestände.
 
Diese Entwicklung vergrößerte kurzfristig auch das Angebot (Schlachtung) an den jeweiligen lokalen Märkten, mit den entsprechenden Folgen für die Preise am Binnenmarkt und im Export.
 
In den USA sorgte der Preisrückgang jedoch nicht nur für einen Abbau der Schweinebestände und damit für einen Angebotszuwachs im Gesamtjahr 2012 von mehr als zwei Prozent. Gleichzeitig führte das größere Angebot auch zu einer Zunahme der Exporte um etwa drei Prozent auf den Rekordwert von 2,35 Millionen Tonnen (Mio. t).
 
Die kanadischen Ausfuhren wuchsen bei stagnierender Produktion sogar um fast fünf Prozent auf 1,2 Mio. t. Nach den den Berechnungen der FAO sind die USA damit vor der EU, Kanada und Brasilien die größte Exporteur.

Europäer exportieren etwas mehr

Für Europa beobachten die FAO-Experten einen Rückgang der Marktproduktion um knapp ein Prozent auf 23,1 Mio. t. Gründe dafür sind offenbar zum einen der Bestandsabbau infolge der Einführung der Gruppenhaltung bei Sauen und zum anderen natürlich auch die sehr hohen Futterkosten und der damit entstandene Margendruck. Im Export geht die FAO-Prognose von einem Zuwachs der EU-Ausfuhren um zwei Prozent auf 2,29 Mio. t aus.
 
Bei der Nummer vier unter den TOP-Exporteuren, Brasilien, wächst die Produktion im laufenden Jahr wegen der gestiegenen Produktionskosten nur leicht um ein Prozent. Gleichzeitig nimmt die brasilianische Ausfuhr von Schweinfleisch um drei Prozent auf 0,67 Mio. t zu. Grund hierfür ist neben der Erschließung neuer asiatischer Märkte (unter anderem Japan), auch die "Rückgewinnung des russischen Marktes" nach zahlreichen veterinärhygienisch begründeten Exportbeschränkungen.

China mit stabilen Importen

Das Produktions-, Verbrauchs- und Importwachstum am Schweinemarkt erfolgt ganz besonders in in Asien sowie in Russland und in Mexiko. Nach der FAO-Prognose erfolgen rund 90 % des Produktions- und Verbrauchswachstums in den asiatischen Ländern und die Hälfte aller globalen Exporte gehe in diese Länder. Eine entscheidende Rolle spielt dabei China.
 
Auf das Reich der Mitte entfallen nicht nur knapp 50 % der globalen Produktions- und Verbrauchsmenge sondern auch knapp ein Fünftel der weltweiten Handelsmenge (einschließlich Honkong) gehen ins Reich der Mitte. Dabei bleibt die erwartete Importmenge im Jahr 2012 relativ stabil.

Korea baut Produktion wieder auf

Einen Produktionssprung von 27 % auf 1,07 Millionen Tonnen verzeichnet im Jahr 2012 Süd-Korea. Grund für den außergewöhnlichen Zuwachs ist die Erholung von den Folgen der Bestandsdezimierung infolge eines massiven MKS-Ausbruchs. Im Ergebnis geht allerdings auch der Import um rund 20 % auf 0,52 Millionen Tonnen zurück. Und der Inlandsverbrauch nimmt wegen der besseren Verfügbarkeit und der rückläufigen Preise ebenfalls deutlich um sieben Prozent auf 1,6 Mio. t zu.
 
Weiter von den Folgen des Tsunamis erholen wird sich die Produktion Japans. Dennoch muss das Land mit 1,28 Mio. t rund die Hälfte seiner Verbrauchsmenge importieren und bleibt damit vor China und Russland der größte Importeuer von Schweinefleisch. 

Vietnam mit starkem Wachstum

Sehr starke Zuwächse weist die Produktion mit rund fünf Prozent in Vietnam auf. Mittlerweile ist das Land nach China der zweitgrößte Schweinfleischproduzent Asiens. Allerdings ist der Anteil am Welthandel - trotz der wachsenden Importe - weiterhin gering.
 
Deutliche Zuwächse bei den Einfuhren weist bei stabiler Produktion hingegen Mexiko auf. Der südliche Nachbar der USA importiert 2012 mit 0,59 Mio. t rund 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Russische Produktion wächst langsamer

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Für die Europäer besonders wichtig ist die Marktentwicklung in Russland. Hier geht die FAO von einem Wachstum der Produktion von zwei Prozent auf 2,48 Mio. t aus. Dabei hat sich das Produktionswachstum im Vergleich zum letzten Jahr (sieben Prozent) spürbar abgeschwächt. Grund sind die Auswirkungen des afrikanischen Schweinefiebers. Die Importmenge nimmt wegen des moderat wachsenden Verbrauchs leicht auf 0,97 Mio. t zu.
 
Ein wachsender Teil der russischen Importe dürfte künftig aus Weißrussland kommen. Das Land kann im Rahmen eines Freihandelsabkommens (Zollunion) zollfrei Fleisch und Milchprodukte nach Russland exportieren.
 
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