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Tierwohl

Schweine automatisch mit Raufutter versorgen

Schweine bekommen gehäckseltes Stroh.
am Montag, 16.09.2019 - 14:50 (Jetzt kommentieren)

Schweine wollen ihr Futter suchen. Doch wie legt man Beschäftigungsfutter am Besten vor? Per Hand oder automatisch?

Schweine sind intelligenter als die meisten Hunde. Wen wundert´s, dass sie sich in einer reizarmen Umgebung langweilen. Schweine wollen zum Beispiel ihr Futter suchen. Futtersuche und -aufnahme zählen zu ihren Grundbedürfnissen. Können sie diese nicht ausreichend erfüllen, ist die Gefahr für Verhaltensauffälligkeiten groß.

Moderne Fütterungsverfahren in Verbindung mit der Vorlage von Futterkonzentraten (gemahlen, flüssig), so Dr. Eckhard Meyer vom Lehr- und Versuchsgut Köllitsch, können die Kaumotivation der Schweine und deren natürliches Bedürfnis zur Futtersuche nicht befriedigen.

Geeignete Faserfütterung ist Gesetz

Deshalb gibt es – zumindest für die Fütterung von Sauen – gesetzliche Vorgaben. In der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wird der Fokus verstärkt auf ein geeignetes Faserfutter gelegt: Trächtige Jungsauen und Sauen sind bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin mit Alleinfutter zu füttern, das mindestens einen Rohfasergehalt in der Trockenmasse von 8 Prozent (entspricht 7 Prozent bei 88 Prozent Trockensubstanz) aufweist. Alternativ muss die tägliche Aufnahme von mindestens 200 g Rohfaser je Tier gewährleistet sein.

Bei Aufzucht- oder Mastschweinen sind diesbezüglich keine konkreten Anforderungen genannt. Aber spätestens wenn es um Verhaltensauffälligkeiten, Tierwohl oder den Ringelschwanz geht, sollten Schweinehalter sich Gedanken über eine sogenannte zweite Futterstrecke für Beschäftigungsfutter machen. 

Von Hand mehr Tierkontrolle

Die Kernfrage ist, wie man Rohfaser oder besser Beschäftigungsfutter am einfachsten ins Abteil, in den Stall, bekommt.

Das einfachste „System“ ist sicher der rüstige Altenteiler, der ein- oder auch zweimal am Tag die Schubkarre durch den Stall schiebt und in jede Bucht eine Handvoll Beschäftigungsfutter wirft – eine qualitative Tierkontrolle inbegriffen, wie auch Eckhard Meyer findet. Aber auch der fitteste Altenteiler kommt möglicherweise mal auf die Idee, seinen (Un-)Ruhestand zu genießen und in Urlaub zu fahren. Was dann?

Welche Methode ist arbeitswirtschaftlich betrachtet – und für das Schwein – am sinnvollsten? Denn die Wahrheit ist auch: Handarbeit kann (sich) eigentlich keiner mehr leisten.

Automatisiert weniger Arbeit

Zum einen wären da Fütterungssysteme, die auch mit mehr Rohfaser in der Ration zurechtkommen. Es gibt Trocken- oder Multiphasenfütterungsanlagen, die Rohfaser, zum Beispiel in Form von Stroh oder Maissilage, bis in den Trog bringen. So lässt sich individuell der Rohfaseranteil erhöhen.

Zum anderen gibt es weitere Systeme, mit denen (teil-)automatisiert Rohfaser in den Stall gebracht werden kann. Vor allem in den skandinavischen Ländern finden sich Einstreuroboter, die aus dem Rinderbereich stammen und leicht abgewandelt werden. Mit ihnen lassen sich unterschiedliche Materialien, aber auch Rau- beziehungsweise Beschäftigungsfutter, automatisch in den Stall verteilen.

Stroh rieseln lassen

Andere Systeme bringen vor allem Stroh in Form von Quader- oder Rundballen vollautomatisch in den Stall ein. Dazu wird das Stroh zum Beispiel zunächst gemahlen. Danach erfolgt der Weitertransport über eine Schnecke an die Übergabeeinheit. Dabei wird der Staub abgesaugt und rausgefiltert. 

Möglichst wenig Staub im Stall sei unter Tiergesundheits- und Tierwohlaspekten eine Grundvoraussetzung, die an Bedeutung gewinnen werde.

Zweite Futterstrecke

Eckhard Meyer hat sich intensiv mit der sogenannten zweiten Futterstrecke beschäftigt. Seiner Meinung nach wäre der fitte Altenteiler beziehungsweise ein Mitarbeiter mit Schubkarre und Schaufel in der Hand beinahe die beste Lösung. „Das erhöht die Qualität der Tierbeobachtung im Gegensatz zu automatisierten Systemen.“

Eckhard Meyer stört sich auch daran, dass es eigentlich immer ausschließlich um Heu oder Stroh geht. „Schweine sind keine Strohfresser. Sie kauen das Material zwar, aber sie fressen es nicht.“ Das befriedige nur bedingt und interessiere die Tiere nicht nachhaltig. Besser sei alles, was an Bucheckern, Eicheln oder Waldboden erinnere, also zum Beispiel Grascobs, Luzernepellets, andere pelletierte, rohfaserreiche Ergänzungsfuttermittel oder Wühlerden.

Dazu braucht man nicht unbedingt eine aufwendige weitere Technik, die viel kostet. Viele Firmen, die sich mit Trockenfutterketten beschäftigen bieten Lösungen an. Die Frage ist, ob man die Raufuttergabe in die vorhandene Futterstrecke integrieren kann oder ob man wirklich eine zweite Futterstrecke benötigt. 

Beschäftigungsfutter: Nicht ständig, sondern gezielt

Man sollte sich auch fragen, wo ein solches System am sinnvollsten ist. „Einen Einsatzbereich sehe ich eindeutig in der Ferkelaufzucht. Dort gibt es am ehesten Probleme und dort sehe ich die größten positiven Effekte eines Beschäftigungsfutters“, sagt Eckhard Meyer.

Von Vorteil ist auch, wenn die Schweine nicht ständig Zugang zu großen Mengen an Beschäftigungsfutter haben. Das senkt die Attraktivität und fördert den vorzeitigen Verderb.

Optimal fällt das Futter in einen Trog. Für die Tiere wird es aber noch spannender, wenn sie das Futter am geschlossenen Fußboden „erarbeiten“ müssen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der September-Ausgabe von agrarheute Schwein.

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