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Beschäftigungsmaterial

Schweinefütterung: Mehr Tierwohl dank Kamille-Stroh

Kamille
am
07.05.2019

Aus Kamille lässt sich weitaus mehr machen als nur Tee. Sie darf in keiner Haus- und Stallapotheke fehlen. Und auch das Stroh ist wertvoll für die Schweinehaltung. Das zeigt eine Praxiserhebung aus Thüringen.

Sie ist bekannt als Tee bei Magen- und Darmbeschwerden sowie für ihren angenehmen Geruch – Kamille ist wohl eines der bekanntesten Heilkräuter. Besonders die Blüten sind in vielen Hausund Stallapotheken unverzichtbar und finden auch in der modernen Tierhaltung Anwendung. Einige Sauenhalter bieten den Tee der Heilpflanze in der Abferkelbucht während der ersten Lebenstage der Jungtiere an. Er soll das Ausbilden einer gesunden Magenschleimhaut unterstützen. Zudem zeigen Langzeitstudien positive Effekte der Kamille bei Entzündungen der Haut, der Atemwege und des Verdauungstrakts sowie bei der Wundheilung.

 

Kamille als Nischenprodukt

Trotz dieser vielfältigen Einsatzbereiche ist Kamille ein Nischenprodukt. Thüringen gehört mit einer Anbaufläche von 1.125 ha im Jahr 2018 zu den Hauptanbauregionen für Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen in Deutschland. Auf mehr als der Hälfte dieser Fläche wird Kamille angebaut. Dennoch ist der Anbauumfang im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen sehr gering. Zudem werden in der Industrie häufig nur die Blüten der Heilpflanze verwendet, wohingegen das Stroh nur vereinzelt in der Pferdehaltung oder Kälberaufzucht eingesetzt wird.

Kamillestroh wird jedoch vor allem wegen des angenehmen Geruchs aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle geschätzt. Daher könnte es sich auch als Beifutter in der Ferkelaufzucht eignen. In einer Praxiserhebung der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft wurde die Wirkung in der Ferkelaufzucht untersucht.

Kamillestroh im Praxistest

Die Langzeitstudie wurde auf einem Betrieb in Ostthüringen durchgeführt, der sich auf die Schweinehaltung und den Anbau von Heil- und Arzneipflanzen spezialisiert hat. Auf rund 400 ha wird auf dem Betrieb Kamille angebaut. Daher wurde nach einer Nutzungsmöglichkeit des Strohs im eigenen Betrieb gesucht. Die Eigenschaften des Kamillestrohs legten die Nutzung als Grobfutter in der Ferkelaufzucht nahe. Um einen Vergleichswert zu schaffen, wurde es im Vergleich zu Weizenstroh untersucht.

Von September 2017 bis Juni 2018 wurden vier Wiederholungen der Untersuchung durchgeführt. Pro Abteilreihe standen 336 beziehungsweise 346 Tierplätze in je zwölf Buchten zur Verfügung, in denen jeweils 28 bis 29 Tiere untergebracht waren. Beim Einstallen und vor dem Verkauf wurden die Tiere buchtenweise gewogen. Während des Erhebung wurden Behandlungen und Veränderungen des Gesundheitszustands der Tiere, zum Beispiel in Form von Ohrrandnekrosen und Schwanzveränderungen, erfasst.

Kamillestroh wies keine Belastungen auf

Die Bewertung der Tiergesundheit zeigte, dass Ohrrandnekrosen nicht vollkommen verhindert werden konnten. Die Tierbehandlungen und die festgestellten Ohrrand- und Schwanznekrosen lagen jedoch auf einem niedrigen Niveau. Hier zeigte sich das insgesamt gute Haltungsmanagement des Betriebs. Bei der mikrobiologischen Untersuchung wurden im Weizenstroh geringe Mykotoxinbelastungen festgestellt, wohingegen im Kamillestroh keine Belastungen nachweisbar waren.

Das Kamillestroh wurde zudem von den Aufzuchtferkeln sehr gut aufgenommen. Der mittlere Verbrauch lag bei 2,4 g pro Tier und Tag. Beim Weizenstroh lag der Verbrauch dagegen im Mittel bei 1,9 g je Tier und Tag.
Der höhere Strohverbrauch in den Gruppen, die Kamillestroh erhielten, hatte etwas geringere Tageszunahmen bei diesen Tieren zur Folge. Dies lässt sich auf eine höhere Sättigung aufgrund der Strohaufnahme zurückführen. Insgesamt hat sich gezeigt, dass Kamillestroh sehr gut als Beschäftigungsmaterial für Ferkel geeignet ist.

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