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Schweinegülle in bares Geld verwandeln

© landpixel
von , am
06.03.2015

Ein Traum könnte wahr werden. Wissenschaftler sind dabei, Gülle in hochwertige Mineraldünger zu verwandeln. Sollten sie erfolgreich sein, würde sich für Landwirte ein neue Einkommensquelle auftun.

Die Wissenschaftler der Universität Hohenheim testen neuartige Düngeprodukte aus den Nährstoffen von Gülle. "Wir wollen die Nährstoffe aus der Gülle zurückgewinnen und Dünger daraus herstellen", erklärt Prof. Dr. Iris Lewandowski, Leiterin eines Teilprojektes von "BioEcoSIM" an der Universität Hohenheim. Wenn die Versuche erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden, dann sind die Landwirte in der Lage, die anfallende Gülle direkt mit diesen Pilotanlagen bei sich in den Betrieben aufzubereiten. Dadurch sparen sie nicht nur Geld für den Zukauf von Mineraldünger, der Verkauf von Biokohle und Mineraldünger bietet ihnen auch die Möglichkeit zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften.

Phosphatdünger als Gülle

"Das neue Verfahren bringt eine ganze Reihe an Vorteilen", sagt die Wissenschaftlerin: "So kann beispielsweise der Phosphor aus der Gülle, der Gewässer zum Kippen bringen kann, als Phosphatdünger gezielt auf den Äckern verwendet werden, wo er gebraucht wird. Wenn alles klappt, könnte man durch die Rückgewinnung theoretisch den gesamten Phosphorbedarf für die Düngerherstellung decken und wäre somit unabhängiger von Importen.

Stickstoffdünger aus Gülle

Neben Phosphatdünger soll auch ein Stickstoffdünger aus der Gülle hergestellt werden. Stickstoff ist der wichtigste Nährstoff in der Landwirtschaft, weil er unverzichtbar für die Ertragsbildung der Kulturpflanzen ist. Bisher wird Stickstoffdünger über das Haber-Bosch-Verfahren hergestellt, wofür allerdings sehr viel Energie erforderlich ist. Die Wissenschaftler erhoffen sich neben Dünger auch Biokohle aus der Gülle gewinnen zu können.

Vielversprechende Ergebnisse:

Im ersten Schritt haben die Hohenheimer Wissenschaftler die ersten Probender Dünger und Biokohle bereits auf Nährstoffgehalte sowie Rückstände von
Schwermetallen und Antibiotika untersucht. Im nächsten Schritt wurde im Gewächshaus die Wirkung der neuen Dünger mit der von herkömmlichem Mineraldünger verglichen. Als Versuchspflanzen dienten Gerste und Ackerbohne.
 
"Unsere ersten Ergebnisse sind vielversprechend“, erläutert Andrea Ehmann: "Wir haben herausgefunden, dass das Wachstum von Gerste- und Kresse-Keimlingen durch die neuen
Dünger nicht gehemmt wird. Außerdem haben wir teilweise sogar eine
bessere Düngewirkung als bei herkömmlichem Dünger beobachtet. Bis zum
Frühjahr 2015 kann hoffentlich genügend hergestellt werden, um die neuen
Dünger auch auf dem Feld an Weizen und Mais zu testen."
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