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Schweinekrise in Deutschland

Schweinehalter im ASP-Gebiet: Nur ein paar Mitarbeiter sind geblieben

Mastschwein Schwein
am Montag, 04.10.2021 - 07:58 (2 Kommentare)

Die Schweinehalter im ASP-Gebiet trifft die aktuelle Krise schwer. agrarheute hat mit einem betroffenen Landwirt gesprochen.

Die deutsche Schweinehaltung befindet sich in einer der schlimmsten Krisen. Seit Wochen befinden sich die Preise im freien Fall. Mit der Corona-Pandemie ist der Außer-Haus-Konsum in der Gastronomie zeitweise vollkommen eingebrochen: Die Lager sind voll, die Preise für aktuelle Schlachtschweine sinken. Ein weiterer Schlag für die Schweinehaltung war der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Teilen Brandenburgs und Sachsens vor gut einem Jahr. Die Schweinehalter hier trifft die Absatzkrise doppelt hart.

Lieferstoff kurz nach coronabedingtem Schweinestau

Bernd Starick

Davon betroffen ist auch Bernd Starick. Er leitet einen Agrargenossenschaft im Landkreis Spree-Neiße. „Wir lagen mit unserer Schweinemastanlage im ersten Restriktionsgebiet. Eine Zeitlang nach dem ersten ASP-Ausbruch war unser Betrieb gesperrt. Wir durften keine Schweine liefern“, berichtete er im Gespräch mit agrarheute.

„Der Lieferstopp kam zu einer Zeit, in der der coronabedingte Schweinestau noch nicht vollkommen abgebaut war. Das, was andere Schweinehalter jetzt erleben, – Absatzprobleme und Schweinestau auf den Betrieben – haben wir im letzten Jahr nach dem Ausbruch der ASP bereits erlebt. Damals haben wir uns dazu entschlossen, die Schweineproduktion erst einmal herunterzufahren. Einige Ställe stehen mittlerweile ganz leer“, berichtet der Betriebsleiter. „Unseren Sauenbestand haben wir von 2.000 Tiere auf 200 abgestockt. Das Verkaufen der Mastschweine macht im Grunde nur noch für die regionale Vermarktung Sinn“, sagt er.

Schlachtreife Schweine können nicht vermarktet werden

Rund um den Betrieb in der ASP-Kernzone gibt es immer wieder Funde von infizierten Wildschweinen. Mit der aktuellen Preiskrise habe sich das Absatzproblem für viele Schweinehalter in der Region noch einmal drastisch verschärft, sagt Bernd Starick.

„Ich erhalte regelmäßig Anfragen von Schweinehaltern, die 500 bis 600 schlachtreife Schweine vor sich herschieben und meine leeren Ställe nutzen wollen, um die Tiere unterzubringen. Die Vermarktung ist zum Teil vollkommen zum Erliegen gekommen.“ Für die älteren schlachtreifen Schweine erhielten die Schweinehalter nur noch den Auszahlungspreis für Sauen. „Der liegt derzeit bei rund 60 Cent – das ist weit weg von jeder Wirtschaftlichkeit“, sagt Bernd Starick.

Die Hälfte der deutschen Schweinehalter will die Tierhaltung aufgeben

Für seinen Betrieb tut es ihm besonders für die langjährigen Mitarbeiter leid. „Wir hatten 25 Mitarbeiter in der Schweinehaltung, davon sind nur noch ein paar geblieben. Wir haben versucht, alles so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, doch es schmerzt. Ich kenne unseren Betrieb nur mit der Schweinehaltung. Sie war ein wesentlicher Teil unserer Agrargenossenschaft. Doch die aktuelle Situation führt dazu, dass wir kein Geld mehr in die Schweinehaltung investieren werden“, fasst der Betriebsleiter zusammen.

So wie ihm geht es auch anderen Schweinehaltern in ganz Deutschland. Laut einer Umfrage der ISN wollen etwa die Hälfte aller deutschen Schweinehalter in naher Zukunft aussteigen. Es fehlt an Planungssicherheit, Perspektiven und vor allem an Rückhalt aus der Politik. „Das ist ein sehr trauriges Bild“, sagt Bernd Starick.

„Als Schweinehalter fühlt man sich von der Politik allein gelassen. Ja, wir müssen in der Landwirtschaft etwas ändern, aber wir brauchen auch die Perspektive und vor allem die Erlöse dafür.“

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