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Mast

Schweinehalter in der Preiskrise

© Mühlhausen/landpixel
von , am
26.07.2011

Vergangenen Freitag fielen die Schweinepreise je Kilo Schlachtgewicht um sieben Cent - bei im Vergleich zum Vorjahr 40 Prozent höheren Futterkosten. Preisabschläge, die Landwirte "tief ins Mark treffen".

Initiative Tierwohl: Von den 4.650 registrierten Landwirten können nur weniger als die Hälfte teilnehmen. © Mühlhausen/landpixel
Vergangenen Freitag lagen die Schweinefleischpreise für das Kilogramm Schlachtgewicht bei nur noch 1,53 Euro. "Die kontinuierlichen Preisabschläge beim Schweinefleisch treffen die baden-württembergischen Schweinehalter tief ins Mark. Selbst Spitzenbetriebe der Mast und der Ferkelerzeugung müssen immer häufiger und in lang anhaltenden Marktphasen zweistellige Verluste je Tier hinnehmen", erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes (LBV).

Der Bauernpräsident fordert die Schlachtunternehmen und den Lebensmitteleinzelhandel auf, die gestiegenen Produktionskosten an den Verbraucher weiterzugeben. "Das Preistief muss schnell überwunden werden. Jetzt sind klare Nachfrage- und Preisimpulse der Schlachtbranche und des Lebensmitteleinzelhandels notwendig, um endlich die Trendwende bei den Schlachtschweinepreisen einzuleiten. Damit würde auch der Ferkelmarkt an Stabilität gewinnen", erklärt Rukwied.

Erzeugerpreise schlagen sich auf Konjunkturbarometer nieder

Die Krise am Schweinemarkt schlägt sich auch im aktuellen Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes nieder. Der Konjunkturindex, der die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Landwirte zusammen­fasst, tendierte im Juni leicht nach unten.
 
Die Stimmungslage der deutschen Bauern hat sich auch durch die Erzeugerpreise auf dem Schweinemarkt verschlechtert. Fast unverändert negativ wirken ferner die gestiegenen Kosten für Betriebsmittel wie Energie, Dünge- und Futtermittel.

Auch Bioschweinehalter fordern deutliche Preisanhebung

Eine sofortige Anhebung der Preise für Bioschweine um 0,20 Euro auf 3,20 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) verlangt auch das Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland. Eine weitere Anpassung auf 3,40 Euro/kg SG habe zum 1. Januar 2012 zu erfolgen, forderte das Aktionsbündnis.
 
Es erinnerte daran, dass Anfang 2011 in zähen Verhandlungen und langen Sitzungen eine Erhöhung der Erzeugerpreise nur um 0,10 Euro auf etwa 3 Euro/kg SG habe durchgesetzt werden können, weil die Vermarkter schon bei dieser Erhöhung einen Rückgang der Umsätze voraussagt hätten und die Hoffnung auf bald wieder fallende Getreide- und Futtermittelpreise bestanden habe. Fakt sei aber, dass der Getreidepreis nicht gesunken und auch ein Rückgang nach der Ernte nicht zu erwarten sei.
 
Eine verhaltene oder gar verringerte Nachfrage nach Bioschweinefleisch sei ebenfalls nicht erkennbar - weder national noch europaweit. Im Gegenteil: Einzelne Abnehmer berichteten, dass sie binnen Jahresfrist ihre Verarbeitungsmengen verdoppeln wollten. Die Nachfrage übersteige weiterhin das Angebot. Neue Akteure am Markt könnten nicht ausreichend bedient werden. Bioschweine ließen sich prima verkaufen. "Nur wir als Erzeuger - die Ferkelprdozenten und die Mäster - verdienen kein Geld dabei", beklagte das Aktionsbündnis. Es sei alles anders gekommen, als es die Vermarkter prognostiziert hätten. Ihre Verluste seien nicht gekommen, ihre Umsätze nicht gesunken, und sie suchten händeringend nach billigen 3-Euro-Schweinen.

Betriebe bangen um Existenz

Die schlechten Betriebsergebnisse vergangener Jahre sowie die verheerenden Preissignale am Schweinemarkt haben bei vielen Landwirten zur Resignation geführt. "Der erneute Preisabschlag hat die ganze Sparte erschüttert", betont Rukwied.
 
Ein großer Teil der Ferkelerzeuger sehe derzeit keine Perspektive und denke über den Produktionsausstieg nach. Betroffene Mastschweinehalter erkennen keinen Anreiz mehr, den Betriebszweig weiter zu entwickeln.
 
Erst im Mai, in dem üblicherweise die Notierungen für Schlachtschweine steigenden Trend zeigen, mussten die Schweinemäster binnen zweier Wochen herbe Preisabschläge von zwölf Cent auf nur noch 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht hinnehmen. Bis Mitte Juli stiegen die Preise leicht auf 1,60 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Bei den Ferkelerzeugern zeigt der Preistrend seit Monaten nach unten. Der Preis sank inzwischen auf nur noch 37,50 je 25-kg-Ferkel. Vielen Betrieben droht nach den anhaltenden Preisrückgängen der Verlust ihrer Existenz.
 
 
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