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Update 3. September 2020

Schweinehalter in Sorge: QS will Importferkel nicht ausschließen

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am Donnerstag, 03.09.2020 - 13:30 (4 Kommentare)

Trotz der steigenden Anforderungen an deutsche Ferkelerzeuger möchte QS ausländische Ferkel nicht aus seinem Zertifizierungssystem ausschließen.

17. Juli 2020: QS kann auf Importferkel nicht verzichten

Obwohl die Anforderungen an deutsche Schweinehalter immer weiter steigen, kann das QS-Zertifizierungssystem nicht auf Importferkel verzichten.

Die Haltungsvorgaben in Deutschland gelten als besonders streng und sind mit den Vorgaben im Ausland oft nicht zu vergleichen. Als Zertifizierer könne man die rechtlichen Gegebenheiten allerdings nicht ändern. Es ist aber mit niederländischen Qualitätssystemen vereinbart, dass Ferkelerzeuger Schmerzmittel zur Wundheilung verabreichen müssen.

Deutsche Schweinehalter in Sorge

Auch im Hinblick auf das bevorstehende Verbot der betäubungslosen, chirurgischen Kastration und dem Bundesratsbeschluss zur Kastenstandhaltung vom 03. Juli 2020 wächst die Sorge der hiesigen Landwirte.

Ferkelerzeuger fordern, dass importierte Ferkel in Zertifizierungssystemen dieselben Vorgaben haben müssen wie deutsche Ferkel. Das sei laut QS zwar verständlich, würde aber weitere Probleme mit sich bringen. Ein kompletter Marktausschluss ausländischer Ferkel würde auch bedeuten, dass QS- Mäster nicht ausreichend Ferkel bekämen.

Laut QS wird der Strukturwandel der Sauenhalter schneller vorangehen. Die Konsequenzen für Schweinemäster sind noch nicht absehbar. Die Anzahl an Importferkeln könnte laut QS aber steigen.

Mit Material von AgE

Update 3. September 2020: Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein empört

Für das Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein stehen die Versuche der QS, die Position im Hinblick auf Importferkel zu rechtfertigen, konträr zu früheren Aussagen. Es missachte die gravierende Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit der Sauenhalter in Deutschland ab 2021.

In früheren Pressemitteilungen der QS habe zum Beispiel gestanden, dass ab dem 1. Januar 2019 für alle QS-Teilnehmer – im Im- und Ausland – die Vorgaben des deutschen Tierschutzgesetzes zur betäubungslosen Ferkelkastration gelten.

Import von Mastferkeln ist nicht neu

Das Netzwerk vertritt unter anderem folgende Ansichten:

  • Die Tatsache, dass Mastferkel importiert werden, sei nicht überraschend und neu.
  • Natürlich stehe es jedem frei, nicht-QS-fähige Ferkel nach Deutschland einzuführen.
  • Der Markt werde sicher schnell entscheiden, ob das QS-System die nachhaltige Bedeutung habe, die QS für sich in Anspruch nehme. Wenn es soweit sei, werde es zu Preisdifferenzierungen bei Ferkeln und Mastschweinen kommen. Diese werden Importeure veranlassen, darüber nachzudenken, wie man schnellst möglich QS-Bedingungen erfüllen kann.
  • Fakt sei, dass die bislang bekannten und angewandten Methoden der Lokalanästhesie im deutschen Rechtssystem nicht als „Schmerz ausschaltende“ Verfahren akzeptiert werden. Die diesbezüglich gegenteilige Aussage von QS – „Die CO2-Betäubung und die Lokalanästhesie mit
    Procain führen [...] zu einer gemäß dem Tierschutzgesetz geforderten wirksamen Schmerzausschaltung“ – ist so nicht korrekt. Es nütze auch nicht, eine vermeintliche Stellungnahme „einer Gruppe von Wissenschaftlern“ anzuführen.

Geradezu als Provokation versteht das Netzwerk Sätze wie: „QS tut alles, um die schwierige Situation für die deutschen Ferkelerzeuger zu verbessern, indem QS gleichwertige Methoden der Schmerzausschaltung oder Betäubung [...] verlangt.“ Die Methoden seien aber definitiv nicht gleichwertig, denn wenn sie gleichwertig wären, wären sie in Deutschland gesetzeskonform. Das seien sie aber nicht.

Verstoß gegen Wettbewerbsrecht?

Das Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein vertritt zudem die Meinung, dass erst zu beweisen wäre, ob ein Verhalten von QS im Sinne der deutschen Ferkelerzeuger gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoße. 

Das Netzwerk appelliert an den QS-Fachbeirat, zu reagieren und Maßnahmen zu ergreifen, die der Zukunft der heimischen Ferkelproduktion Rechnung tragen.

Mit Material von Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein

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