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Getreideernte

Schweinehaltung: Futtergetreide nicht sofort verfüttern

Schwein auf Stroh
Jana Semenow, dlz agrarmagazin
am
01.08.2017

Frisch geerntetes Getreide führt zu Verdauungsproblemen und einem geringeren Futterverzehr in der Schweinehaltung. Das wird zumindest in der Praxis befürchtet. Um mögliche Risiken auszuschließen, sollten Tierhalter trocken gelagertes Getreide erst nach einigen Wochen verfüttern.

In der Schweinefütterung kommt frisches Futtergetreide erst nach einer Lagerung von mindestens vier bis sechs Wochen zum Einsatz. Bekanntermaßen durchläuft Getreide nach der Ernte noch einen gewissen Nachreifungsprozess und weist einen hohen Besatz an Oberflächenkeimen auf.

Innerhalb des Getreides findet eine Umlagerung von Wasser statt – das Getreide schwitzt. Stärke und Eiweiß durchlaufen hierbei einen "Alterungsprozess": Die Inhaltsstoffe werden langsamer abgebaut, was sich wiederrum günstig auf deren Verdaulichkeit im Tier auswirkt.

Untersuchungen bei Futtergetreide

In welchem Umfang die Futterakzeptanz wirklich abnimmt, darüber liegen keine exakten Versuchsergebnisse vor. Ebenso gibt es zur Mindestlagerungsdauer von frisch geerntetem Getreide wenige Untersuchungen am Tier. Ein Mastschweineversuch aus den 70er Jahren mit frischgeernteter Gerste führte zu keinen Problemen in der Tiergesundheit.

In einem neueren Versuch der bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft wurden frische, trocken geerntete Gerste- und Weizenpartien an Ferkel verfüttert. Gesundheitliche Probleme oder Leistungseinbußen wurden nicht festgestellt. Da es aber zu Startschwierigkeiten in den ersten drei Aufzuchtwochen in der Gruppe mit ausschließlicher Getreidefütterung kam, wird eine Mischung mit reinem Frischgetreide nicht empfohlen. Aus Sicherheitsgründen sollte der Anteil an erntefrischem Getreide (Gerste und Weizen) laut Versuchsansteller maximal 50 Prozent betragen.

Wichtig: Je jünger die Ferkel, umso weniger Getreide. Dies gilt jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Futterhygiene ständig kontrolliert wird.

Futtergetreide richtig lagern

Generell gilt laut Andrea Meyer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dass bei fachgerechter Trockenlagerung oder Säurekonservierung die möglichen Risiken bei direkter Verfütterung deutlich geringer sind. Enzym- beziehungsweise Stoffwechselaktivitäten von Bakterien und Pilzen auf dem Korn oder im Mahlgut sind aufgrund der Säureeinwirkung schneller inaktiviert, was eine unmittelbare Verfütterung ohne Probleme ermöglicht.

Tipps von Experten

Verdauungsprobleme in der Praxis führt die LWK Niedersachsen zumeist auf eine unsachgemäße Lagerung und Konservierung des Ernteguts zurück. Eine Nacherwärmung durch mikrobielle Stoffwechselaktivitäten kann hierbei entstehen. Um mögliche Risiken auszuschließen, sollte trocken gelagertes Getreide erst nach einigen Wochen verfüttert oder vorher mit einwandfreier älterer Ware verschnitten werden. Säurekonserviertes Getreide kann bereits nach wenigen Tagen eingesetzt werden, so die Expertin. Mögliche Beeinträchtigungen der Futteraufnahme infolge der Säuregasung seien hierbei nicht zu befürchten.

Mit Material von Landwirtschaftskammer Niedersachsen
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