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Tierwohl

Schweinekrise: Auch Holger Hennies steigt aus Schweinehaltung aus

Dr. Holger Hennies, Präsident des niedersächsischen Landvolks, steigt aus der Schweinehaltung aus. Es rentiere sich einfach nicht mehr für seinen Betrieb.
am Dienstag, 04.10.2022 - 12:45 (1 Kommentar)

Deutschland steckt mitten in der Schweinekrise. Besonders betroffen sind vor allem auch die Schweinehalter, die sich für mehr Tierwohl einsetzen – so wie Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies aus Niedersachsen.

Vorallem Schweinehalter, die frühzeitig in einer besser Tierhaltung investiert haben, geraten in der aktuellen Schweinekrise unter Druck. Viele, wie Dr. Holger Hennies, steigen aus.

Die Themen sind bekannt: Stallbaubremse, Emissionsrecht, Kostenexplosion bei Futter und Energie sowie die Forderung nach immer mehr Tierwohl in den Ställen. Gleichzeitig greifen die Verbraucher lieber nach dem günstigen Fleisch anstatt nach Bio- oder Tierwohlfleisch. Viele Schweinehalter wollen und können nicht mehr.

Wie die NOZ berichtet, treffe das besonders die Pioniere für besser Tierhaltung. In der Zeitung ist zu lesen, dass auch Dr. Holger Hennies, der Präsident des niedersächsischen Landvolks die Schweinehaltung aufgibt. Der Entschluss sei in den vergangenen Wochen gereift und ihm und seiner Familie nicht leichtgefallen. Auch er hätte in den kommenden Jahren mindestens 80.000 Euro in seine Ställe investieren müssen. Aber Hennies fehle die Perspektive, es würde sich einfach nicht mehr lohnen.

Schweinehalter resignieren, Höfesterben hält an.

Die Schweinehaltung sei für den Niedersachsen schließlich kein Hobby, sondern ein Betriebszweig, der sich derzeit nicht rentiere. Deshalb verlassen nach rund 20 Jahren Schweinehaltung die letzten von rund 500 Tieren den Betrieb. Eine betriebsindividuelle Entscheidung, wie Hennies der NOZ gegenüber betont.

Insgesamt sehe er in der Schweinehaltung derzeit aber nichts Positives, viele Schweinehalter seien nicht mehr wütend, sie würden resignieren. Die statistischen Zahlen unterstreichen den Trend: In Niedersachsen werden so wenig Schweine gehalten, wie seit 25 Jahren nicht mehr. Laut Hennies ein regelrechtes Höfesterben.

Hennies von Gesellschaft enttäuscht

Holger Hennies war Anfang der 2000er einer der ersten, der einen Außenklimastall gebaut hat. Er wollte frühzeitig dem gesellschaftlichen Trend entsprechen. Die Tiere wurden zu einem großen Teil direkt über einen Schlachter und online vermarktet.

Rückblickend stellt der Landwirt in der NOZ fest, dass er sich in der Gesellschaft getäuscht habe. Unter den insgesamt 20 Jahren habe es vielleicht sechs gute gegeben.

Spätestens seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine lief es richtig schlecht. Der Absatz sei zusammengebrochen, die Leute würden beim Tierwohl sparen. Dabei habe er noch nicht mal die gestiegenen Futter- und Energiekosten an die Kunden weitergegeben.

Politik zögert Entscheidungen für Schweinehalter heraus

Nach der letzten Bundestagswahl habe wieder etwas Aufbruchstimmung geherrscht, Landwirte hätten gehofft, dass es mit den Beschlüssen zum Umbau der Tierhaltung vorangehe und die Politik das regle, was der Markt nicht schaffe. Inzwischen sei klar, dass sich schon wieder alles hinziehe. Es sei vollkommen unklar, wann und ob die notwendigen Entscheidungen fallen.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir gerät zusehends in die Kritik. So würde sein Entwurf für eine fünfstufige Haltungskennzeichnung nur den Status Quo kennzeichnen - ein Umbau der Tierhaltung oder eine staatliche Finanzierung besserer Tierhaltung sei damit nicht verbunden.

Die Betreiber von Offenställen für Schweine sammeln deshalb derzeit Unterschriften unter einem offenen Brief an Özdemir. Sie haben Holger Hennies frühzeitig in bessere Ställe investiert. Jetzt fühlen sie sich laut NOZ ausgerechnet durch die Label-Pläne des grünen Ministers bedroht.

Mit Material von NOZ

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