Login
Mast

Schweinemärkte springen an

© landpixel
von , am
01.02.2011

Der Dioxinskandal beherrscht weiterhin den Schweinemarkt. Eine Verknappung des Angebots durch eine Verkaufsrückhaltung der Mäster, die Eröffnung der privaten Lagerhaltung durch die EU sowie die Hoffnung, den Export nach Russland wieder aufnehmen zu können, lassen Nachfrage und Preise aber wieder anspringen.

© landpixel
Die aktuellen Schweinepreisnotierungen 1,33 Euro pro Kilo (Vorwoche: EUR 1,20 pro kg) in Deutschland (Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch, VEZG, und Vion Food) können den vorangegangenen Einbruch wieder kompensieren. Ähnlich stellt sich die Lage in Belgien und den Niederlanden dar.
 
Indes setzen die Moskauer Behörden ihr Verwirrspiel um die Wiederzulassung deutscher Fleischlieferungen nach Russland fort. Diese sieht der Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten, VLV, in Linz, als maßgeblichen Faktor für die Entwicklung der europäischen Schweinepreise im weiteren Verlauf des ersten Halbjahres 2011.
 
In Deutschland wurden nach dem Absturz der Preise um 23 Cent pro Kilo in der ersten Januarhälfte und der darauf folgenden teilweisen Abgabeverweigerung der deutschen Schweinemäster die Preise binnen einer Woche wieder um plus acht und plus 13 Cent nach oben korrigiert.
 
Das Plus in den übrigen Mitgliedstaaten wie etwa Dänemark oder Frankreich fiel mit drei Cent pro Kilo beziehungsweise 0,2 Cent eher bescheiden aus. Allerdings erlitten diese Länder auch keinen Preiseinbruch.
 
In Deutschland wird auch von einer Erholung des Ferkelmarktes als Folge der gestiegenen Auszahlungspreise für Schlachtschweine und wieder wachsender Bereitschaft der Mäster, Schweine einzustellen.

Private Lagerhaltung zeigt vorab Wirkung - Start am 1. Februar

Zur Überwindung der Turbulenzen am Schweinemarkt hat sicher auch die Eröffnung der Privaten Lagerhaltung von Schweinefleisch durch die EU-Kommission beigetragen - und zwar schon vorab, ehe sie startet.
 
Wie die für die Abwicklung in Österreich zuständige Agrarmarkt Austria, AMA, mitteilt, können Lagerhalter ihre Anträge ab 1. Februar stellen. Bei der Beihilfe gebe es im Vergleich zur letzten Aktion 2007 sogar eine Erhöhung der Lagersätze. Die Lagerdauer beträgt 90, 120 oder 150 Tage.

Russlandexport: Moskauer Behörden setzen Verwirrspiel fort

© isn
"Maßgeblicher für die Preisentwicklung des ersten Halbjahres wird jedoch sein, wie lange die Exportprobleme der Deutschen in Drittstaaten anhalten ", analysiert der VLV die Bedeutung des von Russland verhängten Importstopps für deutsches Schweinefleisch.
 
Von dieser Front kommen aber nach wie vor widersprüchliche Meldungen: Schon zu Beginn der Vorwoche machten sich deutsche Exporteure nach intensiven bilateralen Verhandlungen am Rande der Grünen Woche Hoffnungen, dass die russischen Grenzbalken für ihre Lieferungen wieder aufgehen. Dem war aber nicht so, nachdem die russische Seite das vermeintliche Fehlen notwendiger Papiere beanstandet hat.
 
Vorigen Freitag war es dann wieder so weit, berichtet Dow Jones News. Die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Ria Novosti hätten unter Berufung auf die Behörde für Tiergesundheit und Pflanzensanität Rosselkhoznadzor gemeldet, dass die Einfuhrbeschränkungen wieder aufgehoben worden wären. Dies ließ deutsche Fleischexporteure hoffen, dass Russland ab Montag seine Grenzen wieder für Schweine- und Geflügelfleisch made in Germany öffnet. Rosselkhoznadzor hätte demnach eine aktualisierte Liste mit Namen von Firmen veröffentlicht, die liefern dürfen.
 
Das Bundeslandwirtschaftsministerium hätte am Donnerstag abends die von Moskau angeblich vermissten Unterlagen nochmals geschickt. Laut einem deutschen Fleischexporteur wären damit nunmehr auf alle notwendigen Dokumentationen wie die Vorgaben für die Probenahme, die Liste der akkreditierten Labors sowie weitere Warenbegleitpapiere vorgelegen. Wenn nun die Grenzstellen umgehend informiert würden, könnten die Lieferungen praktisch sofort wieder aufgenommen werden.
 
Später meldete aber Ria Novosti, so Dow Jones News, dass Rosselkhoznadzor später am Freitag die eigenen Angaben wieder dementiert habe und der Importstopp weiterhin gültig sei. "Die Einschränkungen sind weiter gültig ", wurde der stellvertretende Behördenchef Nikolai Wlassow zitiert, und: "In einem von mir heute unterzeichneten Dokument geht es um eine Liste von Laboratorien in Deutschland und Russland, die Dioxin-Analysen machen können. Dioxin-freie Fleischprodukte dürfen weiterhin nach Russland eingeführt werden. Darauf war bei der Verhängung des Importverbots auch hingewiesen worden." Vertreter der deutschen Fleischwirtschaft hätten sich verwundert über das "Hü und Hott " aus Moskau gezeigt.

Tendenz für den deutschen Markt

Tendenz für den deutschen Markt: Die Abgabebereitschaft der Erzeuger ist zu Wochenbeginn nicht so hoch wie erwartet, so dass das Angebot an schlachtreifen Schweinen in Deutschland nicht übermäßig ausfällt. Die Schlachtunternehmen bestellen zügig. Aus aktueller Sicht ist daher von einem weiteren, spürbaren Preisanstieg auszugehen. (aiz/isn/pd)
 
Informationen zur privaten Lagerhaltung von Schweinefleisch finden Sie auf der Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.
Auch interessant