Login
Ulm

Schweinemäster unter Anklage

Schwein-im-Stall
Thumbnail
Jana Semenow , agrarheute
am
01.12.2017

Die Staatsanwaltschaft Ulm hat gegen einen Betreiber einer Schweinemastanlage Anklage erhoben und Strafbefehl gegen den zuständigen Amtstierarzt gestellt.

Gegen einen 54-jährigen Landwirt, seine Ehefrau und seine beiden Söhne erhob die Staatsanwaltschaft Ulm Anklage wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Über 160 Schweine mussten aufgrund ihrer Verletzungen getötet werden. Gemeinsam mit seiner Familie betrieb der Landwirt in einer Gemeinde im Alb-Donau-Kreis einen Schweinemastbetrieb mit zwei Ställen.

Katastrophale Zustände im Stall

Die Ställe des Schweinemastbetriebs seien in den Jahren 2013 bis 2016 durchgehend überbelegt gewesen, was zu einer sehr hohen Sterberate bei den Tieren geführt habe, erklärt die Staatsanwaltschaft Ulm. Diese Überbelegung und eine damit einhergehende fehlende Pflege der Tiere hätten zu katastrophalen hygienischen Zuständen in den Ställen und zum Teil schwersten Verletzungen bei den Tieren geführt. Hierbei seien abgebissene Schwänze und Ohren am häufigsten aufgeführt worden.

Nachdem das zuständige Veterinäramt am 10. und 11.10.2016 die beiden Ställe kontrolliert hatte, mussten aufgrund der vorliegenden Verletzungen über 160 Schweine euthanasiert werden. Darüber hinaus wurde dem Landwirt das Halten und Betreuen von landwirtschaftlichen Nutztieren untersagt.

Strafbefehl gegen Amtstierarzt

Auch gegen den zuständigen Amtstierarzt wurde ein Strafbefehl wegen versuchter Strafvereitelung erlassen. Der Beschuldigte wurde mit der Kontrolle des Betriebs beauftragt, nachdem über eine Tierschutzorganisation erste Hinweise auf die Missstände in der Schweinemastanlage bekannt wurden.

Der Amtstierarzt gibt an, dass ihm der Betreiber den zweiten Stall verheimlicht habe. Jedoch hätte ihm nach Aussage der Staatsanwaltschaft, die vorherrschenden Missstände in der Hygiene sowie verletzten Tiere auffallen müssen. Obwohl er damit erkannt habe, dass die Art und Weise der Tierhaltung in der Schweinemastanlage Strafgesetze verletze, habe er den ermittelnden Polizisten gegenüber mitgeteilt, dass die durch die Tierschutzorganisation erhobenen Vorwürfe „zu 98 Prozent nichtzutreffend seien.“ Erst im weiteren Verfahren konnten die Missstände in den Ställen aufgedeckt werden. Damit habe sich der Beschuldigte wegen versuchter Strafvereitelung strafbar gemacht.

Mit Material von Staatsanwaltschaft Ulm
Auch interessant