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Aus der Wirtschaft

Schweinemarkt: Wann entspannt sich die Lage?

von , am
29.09.2015

Es ist ein schwarzes Jahr für Schweineerzeuger. Obwohl der Export ganz gut läuft, bewegen sich die Preise auf einem Tiefstand. In der EU werden derzeit einfach zu viele Schweine produziert.

Insbesondere Ferkelerzeuger sind von der schwierigen Marktlage betroffen. © Werkfoto
Ende August war das Angebot an schlachtreifen Schweinen mit dem Ende der Urlaubszeit im Verhältnis zur Nachfrage plötzlich knapp und die Preise zogen spürbar an. Doch insgesamt ist laut Marktexperten Dr. Olaf Zinke bis Ende des Jahres nicht mit einer Entspannung am Schweinemarkt zu rechnen. "Wir haben dieses Jahr eine Rekordproduktion in der EU. Der Export läuft zwar gut, aber das Angebot ist einfach zu hoch", erklärt Zinke.

'Tiefpunkt nicht erreicht'

Vermutlich ist der Tiefpunkt noch nicht erreicht. "Erfahrungsgemäß fallen die Preise zum Ende des Jahres noch einmal", so Zinke. 2016 werden die Preise wahrscheinlich wieder etwas anziehen. So auch die Prognose des Interessensverband der Schweinehalter ISN. Als Reaktion auf die desaströse Preislage ist es wahrscheinlich, dass 2016 die Produktion gedrosselt wird. Die wirtschaftlich angespannte Situation insbesondere bei den Ferkelerzeugern deutet auf einen weiteren Rückgang der Sauenbestände und daraus resultierend rückläufigen Schlachtungen im Herbst 2016 hin.

Alle schauen nach China

Viele Marktteilnehmer erhoffen sich noch größere Vermarktungsmöglichkeiten in Richtung China. Das Reich der Mitte hat mittlerweile Russland vom ersten Platz der Hauptimporteure von EU-Schweinefleisch abgelöst.
 
Laut Marktexperte Zinke hat die EU und darunter insbesondere auch Deutschland in diesem Jahr noch mehr Schweinefleisch nach China und auch Südkorea exportiert. Das liegt einerseits an der knappen Marktsituation in China und andererseits am schwachen Euro. Zudem hat die USA in 2015 deutlich weniger exportiert. Dort wachsen derzeit allerdings die Bestände wieder.
 
Aus Sicht der ISN sollte sich das politische Engagement darauf konzentrieren, Exportmärkte zu erschließen, anstatt mit Maßnahmen wie der PLH die Märkte unnötig zu verzerren.
 

Steigende Bestände in vielen EU-Ländern

Gegenüber dem Vorjahr wurden die Bestände in 15 europäischen Ländern der AMI zufolgge insgesamt um 1,6 Prozent aufgestockt. Steigende Bestände wurden demnach in Spanien, Frankreich, Dänemark, Niederlande und Rumänien festgestellt. Vor allem Spanien sticht mit einem Anstieg um 6,2 Prozent auf 27 Mio. Schweinen ins Auge. Sollte sich der rasante Anstieg in dem Urlaubsland weiter fortsetzen, kann Spanien Deutschland als größten europäischen Schweinebestand sogar ablösen. Neben der Produktionssteigerung in der Schweinehaltung spielt auch die rückläufige Verbrauchernachfrage bei Schweinefleisch eine entscheidende Rolle. In Deutschland wurde zuletzt ein Rückgang um 5 Prozent im ersten Quartal 2015 im LEH festgestellt.
 
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