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Aus der Wirtschaft

Schweinemarkt: FAO erwartet Rückgang der asiatischen Importe

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von , am
15.05.2012

Die Einfuhr von Schweinefleisch durch die großen Schwellenländer könnte in diesem Jahr deutlich zurückgehen. Zu dieser Einschätzung kommt die FAO in ihrem aktuellen Marktreport (Food Outlook).

© Mühlhausen/landpixel
Damit deckt sich die FAO-Einschätzung vom Mai im Wesentlichen mit der April-Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums vom April dieses Jahres. Ähnlich wie die USDA-Experten gehen die Fachleute der FAO vor dem Hintergrund einer wachsenden Produktion in China, Südkorea, Japan sowie Russland von einem geringeren Einfuhrbedarf in diesen Ländern aus.

Export läuft besser als erwartet

Die Preise am EU-Binnenmarkt lagen bis Anfang Mai über denen des Vorjahres - obwohl die Produktion offenbar größer ausfällt als von der Kommission zunächst erwartet.
In Südkorea erholt sich die Produktion von den Folgen der MKS-bedingten Bestandsreduzierungen und wächst in diesem Jahr zwischen 17 (USDA) und 20 Prozent (%) (FAO). Entsprechend soll auch der Import um eine Größenordnung von 15 bis 20 % zurückgehen. Auch der chinesische Schweinebestand nimmt offenbar wieder deutlich zu und ermöglicht im Reich der Mitte ein Produktionswachstum von gut vier Prozent.
 
Vor diesem Hintergrund rechnen sowohl die FAO als auch das USDA in ihren Markteinschätzungen mit einem Rückgang der chinesischen Importe im laufenden Jahr um rund 15 %. Insbesondere dieser starke Rückgang der chinesischen Einfuhren würde die Europäer (Dänen und Deutsche) aber auch die USA treffen, denn China war in den letzten beiden Jahren der Wachstumsmarkt für Schweinefleischexporte.
 
Bislang haben sich diese Erwartungen jedoch nicht bestätigt, denn sowohl in der EU als auch in den USA erreichen die Schweinefleischausfuhren ins Reich der Mitte in den ersten Monaten des Jahres Rekordwerte. Die europäischen Ausfuhren nach China haben sich in den beiden ersten Monaten des Jahres fast verdoppelt und die USA exportierten bis März ebenfalls mehr als doppelt so viel Schweinefleisch nach China wie 2011.

Prognosen bislang nicht bestätigt

Einen moderaten Rückgang der Importe erwarten die FAO-Experten auch für Russland. Hier rechnet man mit geringeren Einfuhren von gut drei Prozent. Dabei müssen die Russen ab Mitte des Jahres ihre Importrestriktionen in Folge des WTO-Beitritts eigentlich abbauen. Gleichwohl gehen auch die USDA-Experten in ihrer Markteinschätzung von einer Reduzierung der russischen Einfuhren um rund fünf Prozent aus.
 
Offenbar ist das russische Produktionswachstum von mehr als fünf Prozent für den Rückgang der Einfuhren verantwortlich. Sowohl die Europäer als auch die USA haben in den ersten Monaten des Jahres ihre Ausfuhren nach Russland jedoch nicht nur gehalten sondern sogar ausgebaut. So lagen die Exporte der Europäer an ihren wichtigsten Drittlandmarkt in den ersten zwei Monaten 2012 rund zehn Prozent über dem Vorjahreswert und die USA exportierten von Januar bis März rund 55 Prozent mehr nach Russland.
 
Relativ stabile Importmengen erwartet die FAO für 2012 für die Ukraine und Weißrussland. Beide Länder sind in den letzten Jahren insbesondere für die EU zu wichtigen Absatzmärkten geworden. Bis Februar lagen die Ausfuhrmengen in die Ukraine rund 57 % und nach Weißrussland rund 47 % höher als vor einem Jahr. Auch hier lassen sich die Prognosen der FAO nicht durch die Exportdaten der EU-Kommission bestätigen.

Europäer brauchen den Export

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Für die Europäische Union rechnen die Experten der FAO für 2012 mit einem Produktionsrückgang von rund einem Prozent auf 22,98 Millionen Tonnen (Mio. t). Der Export soll nach der aktuellen FAO-Prognose um zwei bis drei Prozent auf 2,19 Mio. t schrumpfen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Fachleute des USDA und erwarten für 2012 einen Rückgang der europäischen Ausfuhren von drei bis vier Prozent auf 2,12 Mio. t. Damit bleiben die Europäer im langfristigen Vergleich jedoch nur knapp unter den Rekordrausfuhren des letzten Jahres und liegen weiter deutlich über den Exportmengen der Jahre davor.
 
Die Kommission selbst hatte im Februar auf Basis der bis dahin vorliegenden Marktdaten mit einem Zuwachs der Ausfuhren für 2012 um fast zehn Prozent auf 2,34 Mio. t gerechnet. Die bis Februar vorliegenden Exportdaten bestätigen diese Prognose jedenfalls. In den ersten beiden Monaten übertrafen die EU-Ausfuhren den Vorjahreswert um knapp 17 %. Auch die Preise am EU-Binnenmarkt lagen bis Anfang Mai über denen des Vorjahres -  obwohl die Produktion offenbar größer ausfällt als von der Kommission zunächst erwartet. In der letzten Markteinschätzung von April rechnete die Kommission für das Gesamtjahr 2012 jedenfalls nicht mehr mit einem Produktionsrückgang und speziell im dritten Quartal sogar mit Produktionszuwachs von zwei Prozent. Für den von der Kommission ebenfalls erwarteten Preisanstieg im dritten Quartal ist deshalb neben einem stabilen Binnenabsatz unbedingt auch ein Export auf dem bisherigen Niveau notwendig.
 

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