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Schweinemarkt: Rekordpreise und Rekordkosten

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von , am
20.08.2012

Berlin - Am Schweinemarkt sind die Preise auf ein Rekordhoch seit 2008 geklettert. Allerdings drohen nun die immer weiter steigenden Futterkosten die Erlöse aufzufressen.

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Am Schweinemarkt haben die Preise in der zweiten Augusthälfte den bisherigen Rekordpreis des Jahres 2008 übertroffen. Ein Grund sind die - speziell für Deutschland - sehr gut laufenden Exporte. Hinzu kommt eine auch witterungsbedingt deutlich verbesserte Nachfrage am deutschen und europäischen Binnenmarkt. Allerdings steigen auch die Futterkosten dramatisch an und fressen einen Großteil der höheren Erlöse wieder auf.

Deutsche Produktion schrumpft

Neben den anhaltend guten Absatzmöglichkeiten im Export und am Binnenmarkt, stützt offenbar auch ein rückläufiges Angebot die Preise. Dies trifft zumindest für Deutschland zu, wo die Zahl der geschlachteten Schweine im zweiten Quartal etwa 1,5 Prozent kleiner war als im Vorjahr.
 
Für das laufende dritte Quartal lassen die aktualisierten Daten der EU-Kommission für Deutschland sogar einen Produktionsrückgang von etwa zwei Prozent erwarten. In Verbindung mit den zum Teil noch deutlicher reduzierten Schlachtmengen in Dänemark, den Niederlanden, Polen und Frankreich dürften die Absatzchancen für deutsches Schweinefleisch damit relativ gut bleiben. Dies gilt sowohl für den Drittlandsexport als auch für den europäischen Binnenmarkt, wo die Schlachtzahlen in einigen osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Tschechien und die Slowakei zum Teil zweistellig zurückgehen.

Marktbereinigung durch Kostendruck?

Am europäischen Gesamtmarkt könnte die Angebotsmenge im dritten Quartal dennoch größer ausfallen als im vorigen Jahr. Davon geht zumindest die EU-Kommission bislang wegen des kräftigen Produktionswachstums in Spanien, Irland und Italien sowie wegen der höheren Schlachtzahlen in Bulgarien, Estland und Rumänien aus. Dabei könnten die Schlachtzahlen in Osteuropa im Jahresverlauf sogar stärker wachsen wie bislang angenommen, denn die hohen Futterkosten dürften das Ausscheiden vieler Mäster aus der Produktion beschleunigen. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Marktbereinigung auch an den wichtigsten Produktionsstandorten Westeuropas zu.
 
Der überproportionale Kostenanstieg kann von vielen Betrieben – trotz höherer Erzeugerpreise - wohl nicht mehr kompensiert werden. Zudem gehen die Preisprognosen für die nächsten Monate wieder von einem Rückgang der Schweinepreise und damit von einer Verschärfung der Situation aus.

Futterpreise steigen und steigen

Von Januar bis Juni hatte die EU-Kommission einen Anstieg der Futterkosten in der europäischen Schweinemast von zwölf Prozent und in Deutschland sogar von 16 Prozent errechnet. Der größte Preissprung bei den Futterkosten kam dann allerdings erst von Juli bis August. Hitze und Trockenheit in den den USA und auch in Russland treiben die Preise an den Futtergetreide- und Eiweißfuttermärkten nach oben.
 
Die Sojapreise am Weltmarkt kletterten in sechs Wochen um ein Drittel und die Preise für Weizen und Mais um 30 bzw. 40 Prozent. Damit haben sich die wichtigsten Futterkomponenten in wenigen Wochen um mehr als 30 Prozent verteuert, während die Schweinepreise in der EU um fünf bis acht Prozent gestiegen sind.
 
Am Weltmarkt hat sich Schweinefleisch nach den Daten des IWF von Juni bis Juli um rund drei Prozent verteuert, im Vergleich zum zweiten Quartal beträgt der Preisanstieg indessen zehn Prozent.

Deutscher Export boomt

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Allerdings zeigen sich die wichtigsten Exportmärkte nicht alle gleichermaßen aufnahmefähig. Auschlaggebend für die dynamische Entwicklung an den Exportmärkten ist das sehr kräftige Nachfragewachstum aus China, von dem auch die Europäer und die speziell die Deutschen profitieren.
 
In den ersten fünf Monaten es Jahres erreicht der Drittlandsexport der EU-Länder einen Wert von knapp 1,3 Millionen Tonnen und damit rund fünf Prozent mehr als im letzten Jahr. Allerdings liegen die Ausfuhrmengen in eine ganze Reihe wichtiger Abnehmerländer wie Russland, Honkong, Südkorea und Japan unter dem Vorjahreswerten. Dagegen wurden die Ausfuhren nach China in etwa verdoppelt und auch die Exporte in Ukraine und nach Weißrussland wurden kräftig ausgebaut.
 
Offenbar hat insbesondere Deutschland von diesen Wachstumsmärkten profitiert, denn die deutschen Drittlandausfuhren lagen von Januar bis Mai rund ein Viertel höher als im Vorjahr, während beispielsweise Dänemark und auch Frankreich weniger Schweinefleisch exportierten.
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