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Schweinespielzeug kreativer einsetzen

von , am
20.11.2012

München - Immer weiter verbessertes Beschäftigungsmaterial fördert das Wohlbefinden von Schweinen. Sein Einsatz kommt Tieren, Landwirten und kritischen Verbrauchern entgegen.

Dr. Björn Börgermann stellte die Wühlmatte für seine Dissertation über Beschäftigungsmaterialien selbst her. © Björn Börgermann
Wühlen liegt Schweinen im Blut. Es gehört zu ihrem natürlichen Verhalten, mit dem Rüssel über den Boden zu reiben. So erkunden sie ihre Umwelt und suchen nach Futter.
 
Tiergerechte Haltung bedeutet unter anderem, den Schweinen ihr Wühlen zu ermöglichen. Dann fühlen sie sich wohler, sind beschäftigt und müssen nicht auf die Schwänze und Ohren ihrer Artgenossen ausweichen.
 
Aus diesem Grund gilt für deutsche Schweinehalter laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, "dass jedes Schwein jederzeit Zugang zu gesundheitlich unbedenklichem und in ausreichender Menge vorhandenem Beschäftigungsmaterial" haben muss. Es soll vom Schwein zu untersuchen, zu bewegen und veränderbar sein. In den EU-Richtlinien werden dafür Materialien wie Stroh, Heu, Holz, Sägemehl, Pilzkompost oder Torf vorgeschlagen. Doch in der Praxis zeigen sich Probleme: Stroh könnte mit Mykotoxinen belastet sein, Hartholz birgt Verletzungsgefahren. So setzen sich auch Kunststoffe immer mehr als Spielmaterial durch. Unermüdlich geforscht wird dazu in Betrieben, Landwirtschaftszentren, Schulen und Universitäten.
 
Beschäftigungsmaterialien regelmäßig austauschen
 
Tiefer gehend hat sich auch Dr. Björn Börgermann mit Schweinespielzeug beschäftigt. Für seine Dissertation im Jahr 2007, "Sensorgestützte Analyse der Präferenz und Affinität von Mastschweinen gegenüber Beschäftigungsangeboten", untersuchte er die Attraktivität von Stroh, Sand und einer neuartigen Wühlmatte, die er selbst aus einer stabilen Gummimatte und Streifen aus kunststoffummantelten Gewebe hergestellt hatte. Neben dem natürlichen Material wurde auch die Wühlmatte sehr gut angenommen. "Die Schweine stoßen hier, ähnlich wie beim natürlichen Wühlen, mit dem oberen Rüsselscheibenrand auf Widerstände.", schreibt er in seiner Doktorarbeit. Gerade dieser Druck auf die Rüsselscheibe scheint für die Schweine von Bedeutung zu sein.
 
"Man müsste eigentlich zu einem Beschäftigungsmanagement kommen.", schlägt er vor. Spielzeuge verlieren mit der Zeit an Attraktivität. Die Neugier und der Aha-Effekt vom ersten Tag sind bei den Schweinen schnell verpufft. Abhilfe könnten Landwirte schaffen, indem sie alle zwei Wochen die Beschäftigungsmaterialien austauschten. Dafür würden etwa drei bis sechs verschiedene Spielzeuge benötigt, die innerhalb der 90 Tage Mast, jeweils gereinigt und desinfiziert, von Bucht zu Bucht wandern könnten. "Auf diese Weise bliebe der Neuigkeitswert für die Tiere erhalten, der mit zunehmendem Alter der Tiere zusätzlich an Bedeutung gewinnt."
pn

Wühlkegel bereichern den Schweinespielzeugmarkt

Die von Nicola Jathe und Dr. Uwe Richter entwickelten Wühlkegel sind durch ihre Federn sehr flexibel. © WEDA Dammann und Westerkamp GmbH

An der Uni Kassel wurde eine Kegel-Kombination entwickelt, die eine Wühlmöglichkeit für Schweine technisch nachstellt. Beim Wühlen leben die Tiere ihr Normalverhalten aus.


Nicola Jathe und Dr. Uwe Richter von der Uni Kassel, Fachgebiet Agrartechnik, haben in den letzten zwei Jahren ein Spielzeug entwickelt, mit dem sich die Schweine nicht so schnell langweilen.
 
In einem von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) geförderten Projekt konnten die beiden Wissenschaftlichen Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit einem Industrieunternehmen und einer Stallbaufirma den "Wühlkegel" erarbeiten, testen und vor allem verbessern.
 
Ursprünglich sollte der Kegel im Trog verbaut werden, doch er kam so gut an, dass Schweine die wühlen und Schweine die fressen wollten, schnell zu Konkurrenten wurden. Dieses Problem ließ sich lösen. Die Kombination aus mittlerweile drei Wühlkegeln soll ihren Platz nun an der Wand oder auf dem Spaltenboden finden. "Durch die Feder am Kegel ist seine Bewegung für die Schweine nicht vorhersehbar.", sagt Doktorandin Nicola Jathe. Das hält die Kegel spannend und attraktiv. Bis zum Sommer 2013 wird es noch dauern, dann liegen alle Ergebnisse des Forschungsprojektes ausgewertet vor. Die Wühlkegel sind bereits jetzt am Markt erhältlich. Vergangene Woche wurden sie auf der EuroTier vorgestellt.
pn

DLG zeichnet Schweinespielzeug-Ideen aus

Mirjam Lechner (Mitte) wurde beim DLG-Ideenwettbewerb für ihr "Ferkelkarussell" ausgezeichnet. © DLG

Auf der EuroTier verlieh die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft am letzten Freitag drei Teilnehmern des Ideenwettbewerbs "Beschäftigungsmaterial für Schweine" einen Preis.


Es gab keinen ersten, zweiten und dritten Preis: Alle drei Preisträger des Ideenwettbewerbs "Beschäftigungsmaterial für Schweine" erhielten am 16. November 2012 auf der EuroTier die gleiche Auszeichnung sowie einen Scheck aus den Händen von Dr. Christiane Müller, Vorsitzende des DLG-Fachausschusses für Tiergerechtheit.
 
Gesucht wurden im Vorfeld der Messe Ideen für Spielzeuge und Beschäftigungsmaterialien für Schweine im Warte- oder Abferkelstall, bei der Ferkelaufzucht oder während der Mast. Aus den zwölf Einreichungen wählte die Jury die drei besten aus.
 
Mirjam Lechner von der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft (UEG) Hohenlohe-Franken entwickelte für die besonders aktiven Ferkel ein "Ferkelkarussell", das die spielbereiten Tiere weg vom Liegebereich in die Aktivzone zieht. Dort können die Tiere unter anderem mit einem liegenden, an einer Kette befestigten Stück Holz spielen und derweil die ruhebedürftigen oder fressenden Tiere nicht stören. "Schweine sind Bodentiere.", erläutert sie ihre Idee. In der Luft schwingendes Holz würde die Tiere nur schlagen.
 
Wühl- und Spieltrieb der Schweine befriedigen
 
Die Schüler der Fachschule für Agrarwirtschaft Meschede, Kurs Schweineproduktion, stellten ihr "Happy PIG MLS" vor. Einen abgedeckten Leckstein, der für die Schweine nur mit etwas Geschick zu erreichen ist. Auch die Tiere vom Landwirtschaftszentrum Haus Düsse müssen erst aktiv werden. An die Strohschnipsel aus dem "DüsserWühlTurm" kommen sie nur, wenn sie es schaffen, das die Strohmasse umgebende Rohr zu verschieben. Aus einem einstellbaren Spalt unter dem Rohr können die Schweine dann das Stroh oder ein anderes Material am Boden herauswühlen und gegebenenfalls fressen.

pn

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