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Desinfektion

Schweinestall desinfizieren: So geht's richtig

Dr. Lisa Louis/Schweinegesundheitsdienst Bayern/Nicoleta Culiuc/agrarheute
am
25.04.2016

Die Desinfektion zählt zu den wichtigsten Arbeiten im Schweinestall. Welche Desinfektionsmittel es gibt,und wie Sie diese richtig dosieren, erfahren Sie hier.

Durch eine richtige Desinfektion der Schweineställe können Landwirte Infektionsketten durchbrechen. Die Schweinehaltungshygieneverordnung schreibt für Betriebe mit über 20 Mast- oder Aufzuchtplätzen oder mehr als drei Zuchtsauenplätzen  unter anderem Desinfektionsmaßnahmen im Stall, für Fahrzeuge und Gerätschaften vor. Demnach sind nach jedem Ein- oder Ausstallen von Schweinen die benutzten Geräte und der befestigte Verladeplatz zu reinigen und zu desinfizieren.

Diese Gruppen von Desinfektionsmitteln gibt es

  • Aldehyden: Dazu gehören Formaldehyd und Glutaraldehyd. Die desinfizierende Wirkung ist gut und aufgrund der guten biologischen Abbaubarkeit sind sie auch zur Gülledesinfektion geeignet. Vorsicht: Aldehyde sind temperaturempfindlich und ein Einsatz bei unter 20 Grad Celsius ist nicht zu empfehlen.
  • Organische Säuren: Sie werden zur Stalldesinfektion verwendet (zum Beispiel Ameisensäure). Wenn die Konzentration angepasst wurde, können diese Präparate auch noch bei 10 Grad Celsius gut wirken. Sowohl Aldehyde als auch Säuren haben einen hohen Eiweißfehler. Das macht die gründliche Reinigung unerlässlich.
  • Phenole: Sie weisen einen geringen Eiweißfehler auf. Oft in Kombination mit Tensiden zur Verbesserung der Wasserlöslichkeit eingesetzt, ist beispielsweise Kresol ein Wirkstoff, der auch gegen parasitäre Dauerstadien wie Wurmeier oder Kokzidien genutzt werden kann. Dabei ist auf die Materialverträglichkeit zu achten, da einige Gummiarten im Kontakt mit Kresol schnell spröde werden. Zudem gilt der Wirkstoff als krebserregend.
  • Sauerstoffabspaltende Desinfektionsmitteln: Dazu gehört die Peressigsäure. Auch bei Temperaturen von unter 10 Grad Celsius ist die Wirkung sehr gut. Dem gegenüber steht eine hohe Beanspruchung des Materials und, bei unsachgemäßer Anwendung, Explosionsgefahr. Hohe Temperaturen von 30 Grad Celsius senken die Wirksamkeit von Sauerstoffabspaltern zu schnell.
  • Auch chlorabspaltende Verbindungen wirken nicht mehr so gut ab 30 Grad Celsius.
  • Quartäre Ammoniumverbindungen: Diese werden meist mit Aldehyden kombiniert verwendet.

Desinfektionsmittel dosieren: So geht's

Für die benötigte Menge an Desinfektionsmitteln gilt die Faustformel:

  • Mindestens 0,4 Liter Gebrauchslösung pro Quadratmeter Stallbodenfläche.
  • Unter Berücksichtigung der Stalleinrichtung ist diese Menge um mindestens 30 Prozent, bei besonders vielen Einbauten um bis zu 100 Prozent zu erhöhen.

Hier finden Sie die aktuelle Liste der geprüften und als wirksam befundenen Desinfektionsmittel für die Tierhaltung der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG).

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