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Staatliches Tierwohlkennzeichen

So viel kostet das staatliche Tierwohl-Label

Mastschweine im Auslauf eines Außenklimastalls
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Wiebke Herrmann, agrarheute
am
03.04.2019

Das staatliche Tierwohl-Label kommt. Lesen Sie hier, welche Mehrkosten pro Kilogramm Schweinefleisch für jede Stufe im Vergleich zum gesetzlichen Standard entstehen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellte im Februar die Kriterien für das staatliche Tierwohl-Label vor, das voraussichtlich ab 2020 auf freiwilliger Basis greifen soll. Viele Schweinehalter in Deutschland sind bereit, ihren Stall und das Management an das neue Tierwohlkennzeichen anzupassen. Allerdings bleibt die Frage offen, was es kosten wird, die unterschiedlichen Tierwohlstandards in den Ställen umsetzen.

Eine Antwort auf die Frage findet sich in einer im Februar 2019 erschienen Publikation der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Darin hat eine Expertengruppe um den Agrarökonom Stefan Leuer von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen anhand der wichtigsten Investitionsblöcke – Lohnkosten, Gebäudekosten, Direktkosten und sonstigen Kosten – kalkuliert, welche Kosten pro Kilogramm Schweinefleisch für jede der drei neuen Stufen, im Vergleich zum gesetzlichen Standard, entstehen. 

Stufe 1: 9 Prozent höhere Gesamtkosten je Kilogramm Schweinefleisch

Für die Stufe 1 des staatlichen Tierwohlkennzeichens liegen die Gesamtkosten je Kilogramm Schlachtgewicht mit 1,91 Euro rund 9 Prozent höher als der gesetzliche Standard. Diese Mehrkosten setzen sich aus den folgenden Kostenblöcken zusammen:

  • Höhere Gebäudekosten: Diese entstehen in der Stufe 1 vor allem aufgrund des zusätzlichen Platzbedarfs für die Tiere. Hinzu kommt die bauliche Strukturierung der Buchten in Ruhe-, Aktivitäts-, Fress- und Kotbereich, samt Installation entsprechender Technik für Fütterung und Wasser. Notwendig wird zudem neue Technik für das Verteilen und Dosieren von organischem Beschäftigungsmaterial.
  • Höhere Lohnkosten entstehen in der Stufe 1 vor allem durch die Bereitstellung von Raufutter und organischem Beschäftigungsmaterial. Außerdem kommen höhere Aufwendungen für die dokumentierte Eigenkontrolle und die jährlichen Fortbildungen - unter anderem zu Tierschutzthemen - hinzu. Zusätzlich entstehen auf Ferkelerzeugungsbetrieben Kosten für das Bereitstellen und Entsorgen von Nestbaumaterial und die verlängerte Säugezeit von mindestens 25 Tagen. Bis zum Jahr 2021 entsteht zusätzlich ein Kostenunterschied für die Ferkelkastration unter Betäubung. Ab 2021 ist diese jedoch auch im gesetzlichen Standard vorgeschrieben, sodass dieser Kostenunterschied zum gesetzlichen Standard dann entfällt.
  • Die höheren Direktkosten entstehen vor allem durch das Raufutter und das Anbieten von organischem Beschäftigungsmaterial. Hinzu kommen zusätzliche Kosten für Klima- und Tränkewasserchecks, sowie Heizkosten. Denn mit abnehmender Belegdichte produzieren die Schweine weniger Eigenwärme, was gerade bei kleineren Tieren eine höhere Heizleistung erfordert. In der Ferkelerzeugung schlagen außerdem die zusätzlichen Kosten für das Nestbaumaterial und die Ferkelkastration zu Buche. Allerdings fallen die erhöhten Kosten für die Ferkelkastration ab 2021 auch für Betriebe an, die im gesetzlichen Standard produzieren.

Stufe 2: 23 Prozent höhere Gesamtkosten je Kilogramm Schweinefleisch

In der Stufe 2 liegen die Gesamtkosten je Kilogramm Schlachtgewicht mit 2,16 Euro rund 23 Prozent über dem gesetzlichen Standard. Hier kommen neben den in Stufe 1 genannten Mehrkosten noch Kosten für folgende Punkte hinzu:

  • Höhere Gebäudekosten: Es entstehen Mehrkosten bei der Buchtenstrukturierung, denn in Stufe 2 sind zusätzlich eine geschlossene, weiche oder leicht eingestreute Liegefläche und ein Außenklimareiz vorgeschrieben. Außerdem fallen zusätzliche Kosten durch die Erweiterung des Abferkelbereichs an, der aufgrund der verlängerten Säugezeit vergrößert werden muss.
  • Höhere Lohnkosten in Stufe 2 entstehen durch den zusätzlichen Arbeitsaufwand für das Bereitstellen und Entfernen von Stroh für die Liegeflächen. Außerdem muss für die erhöhte Tierkontrolle aufgrund der vorgeschriebenen Haltung unkupierter Tiere (Kupierverbot ab Stufe 2) und in der Ferkelerzeugung für die verlängerte Säugephase (Minimum 28 Tage) mehr Zeit einkalkuliert werden.
  • Die höheren Direktkosten entstehen durch das zusätzliche Stroh zum Einstreuen der Liegeflächen. In der Ferkelerzeugung entstehen zusätzliche Kosten beziehungsweise Verluste durch die verlängerte Säugephase (Minimum 28 Tage).

Stufe 3: 36 Prozent höhere Gesamtkosten je Kilogramm Schweinefleisch

Wer zukünftig in Stufe 3 produzieren will, muss nach DLG-Kalkulation mit Gesamtkosten von 2,38 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht rechnen. Das ist ein Plus von 36 Prozent im Vergleich zum gesetzlichen Standard. Zu den genannten Kosten aus den Stufen 1 und 2 sind hier noch folgende Mehrkosten zu verzeichnen:

  • Höhere Gebäudekosten entstehen in Stufe 3 durch das zusätzliche Anbieten eines Auslaufs im Außenbereich.
  • Zusätzliche Lohnkosten entstehen in Stufe 3 für das Bereitstellen und Entfernen von Stroh in der Außenbucht. In der Ferkelerzeugung entsteht außerdem Mehraufwand durch die verlängerte Säugephase (Minimum 35 Tage).
  • Höhere Direktkosten entstehen durch das zusätzliche Stroh zum Einstreuen des Auslaufs. In der Ferkelerzeugung entstehen zusätzliche Kosten beziehungsweise Verluste durch die verlängerte Säugephase (Minimum 35 Tage).
Mit Material von DLG-Kompakt: Schweinehaltung in Deutschland/www.praxis-agrar.de

Das gesamte DLG-Fachblatt „DLG-Kompakt: Schweinehaltung in Deutschland“ können Sie hier herunterladen:

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