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Schwein

Staatshilfen für krisengeschüttelte Schweinefarmer in Kanada

von , am
24.08.2009

Ottawa - Kanadas konservativ-liberale Regierung greift den von Absatzeinbußen gebeutelten Schweinehaltern des Landes mit Nothilfen unter die Arme.

© Andi Taranczuk/Fotolia

Landwirtschaftsminister Gerry Ritz gab Mitte August ein Maßnahmenpaket für die Branche bekannt, zu dem Marketinghilfen ebenso gehören wie langfristige Kreditbürgschaften und Prämien für Farmer, die auf einen anderen Beruf umsatteln oder Ställe längerfristig leerstehen lassen wollen.

So sind allein 75 Millionen can$ (49 Millionen Euro) an Ausstiegshilfen für Schweinehalter vorgesehen. Bedingung: Die interessierten Landwirte dürfen mindestens drei Jahre lang keine Schlachtschweine vermarkten. Ihre Prämie richtet sich dann nach den Mastplätzen in den stillgelegten Ställen.

Absatzförderung, Kreditgarantien und Ausstiegshilfen

Vertraglich festgelegt werden soll für diese Bauern auch die Vermarktung der Tiere, die momentan noch gehalten werden. Landwirten, die im Geschäft bleiben wollen, hilft die Regierung mit Kreditbürgschaften. Um diese Staatsgarantie zu erhalten, müssen die Schweinehalter einen Geschäftsplan vorlegen. Werden diese Planungen befürwortet, sollen die Landwirte zudem für zusätzliche kurzfristige Liquiditätshilfen in Frage kommen, mit denen Futtermittel- und Lohnkosten bestritten werden können.

Neues Marketingprogramm für den Export aufgelegt

Auf der Nachfrageseite will die Regierung mit einem Marketingprogramm im Umfang von 17 Millionen can$ (11,07 Millionen Euro) Akzente setzen. Das Geld soll für die Markterschließung und eine Erhöhung der Wertschöpfung auf Exportmärkten ausgegeben werden. Auch um Ausfuhreinbußen infolge von Marktzugangsbeschränkungen will man sich mit dem Marketingprogramm kümmern. Dabei haben die Kanadier besonders den neuen Grippeerreger vom Typ H1N1 im Auge. In Kanada war Anfang Mai der H1N1-Erreger in einem Schweinebestand der Provinz Alberta nachgewiesen worden . Eingeschleppt wurde die Krankheit vermutlich durch einen Arbeiter, der sich zuvor in Mexiko aufgehalten hatte.

Bauernverband begrüßt die Maßnahmen der Regierung

Für die traditionell exportorientierte kanadische Schweinebranche sind Krankheiten in den Beständen aufgrund drohender Marktbarrieren eine besondere Gefahr. Laut CFA-Angaben lag allein der Wert der kanadischen Lebendtierexporte von Januar bis Juni 2009 um 402 Millionen can$ (262 Millionen Euro) unter dem Niveau der entsprechenden Vorjahresperiode. Die Lebendtransporte sind vor allem für Schlachtungen kanadischer Schweine in den USA von Bedeutung, da die Branchen dies- und jenseits der inneramerikanischen Grenze eng verflochten sind. Der kanadische Bauernverband (CFA) begrüßte die angekündigten Maßnahmen der Regierung für den Schweinesektor. Das Land könne es sich nicht erlauben, diese wichtige Branche zu verlieren. In den vergangenen drei Jahren hätten die Bauern immer neue Verlustwellen hinnehmen müssen.

Probleme durch Währung, neue Grippe und Ursprungskennzeichnung

Hohe Betriebsmittelkosten, ein starker kanadischer Dollar, niedrige Schlachtschweinepreise, die mit der Wirtschaftskrise einhergehende Kreditklemme wie auch die vorgeschriebene Ursprungskennzeichnung in den USA hätten Kanadas Schweinehaltungsbetriebe "unterminiert". Hinzu sei noch eine negative Verbraucherstimmung im Zuge der neuen Grippe H1N1 gekommen, die zu einem Nachfragerückgang geführt und den Markt durcheinander gebracht habe, beklagte der CFA.

Bestand um 8,6 Prozent unter Vorjahresniveau

Die krisenhafte Lage in Kanadas Schweinesektor zeigt sich auch an den Bestandszahlen. Laut Angaben der Statistikbehörde in Ottawa wurden im ersten Quartal 2009 in Kanada insgesamt 11,89 Millionen Schweine gehalten; das waren 8,5 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dabei verringerte sich die Zahl der Zuchttiere allerdings unterdurchschnittlich um 6,2 Prozent auf 1,38 Millionen. Weitaus stärker fiel mit einem Rückgang von 12,1 Prozent auf 3,76 Millionen die Zahl der Ferkel mit einem Gewicht von weniger als 20 kg. (AgE)

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