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Ausstieg verschoben?

Stimmen zur Fristverlängerung Ferkelkastration

Ferkel werden von Sau gesäugt
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Martina Hungerkamp, agrarheute
am
03.10.2018

Die Koalition will die betäubungslose Ferkelkastration länger erlauben. Viele Sauenhalter haben neue Hoffnung, Kritiker sprechen von einem "schmutzigen Deal".

Die Spitzen von Union und SPD wollen das Ende der betäubungslosen Kastration jetzt doch mit einer Initiative im Bundestag um zwei Jahre nach hinten verschieben.

Damit reagiert das Regierungsbündnis in Berlin auf die Sorgen aus der Landwirtschaft. Für Kritiker wäre eine solche Fristverlängerung ein schmutziger Deal und ein Verrat am Staatsziel Tierschutz.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) begrüßt, dass die Koalitionsfraktionen sich darauf geeinigt haben, die Übergangsfrist zu verlängern. Ferkelproduktion soll auch künftig in Deutschland möglich bleiben. Dabei ist der Tierschutz dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein sehr wichtiges Anliegen, für das sich das Bundesministerium auch künftig mit Nachdruck einsetzen wird.

Zukunft Ferkelerzeugung gesichert

Die Vertreter der Landwirtschaft und der Fleischbranche zeigen sich erleichtert. Für CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wäre zum Beispiel dank eines Kompromisses auch in Zukunft die Ferkelzucht in Deutschland möglich.

"Die geplante Fristverlängerung bedeutet für unsere Mitgliedsunternehmen und die gesamte Fleischwirtschaft in Deutschland, dass die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen EU-Ländern gewahrt bleibt, wenn auch nur vorerst", äußerte sich der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands, Franz-Josef Holzenkamp, mit Erleichterung zur möglichen Verlängerung. Er freue sich sehr, dass die Große Koalition die Notwendigkeit zum Handel erkannt habe.

Der DRV hoffe nun, dass die weiteren Schritte des Gesetzgebungsverfahrens möglichst reibungslos gelingen. Der Sektor müsse die dann gewonnene Zeit für die Entwicklung des vierten Wegs nutzen.

Ein guter Tag für Schweinehalter

Mit großer Erleichterung hat Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auf die angekündigte Fristverlängerung für die betäubungslose Ferkelkastration reagiert. „Das ist ein guter Tag für unsere Schweinehalter, aber auch für die Verbraucher“, sagte die Ministerin in München.

Ein Verbot ab Januar hätte zahlreiche Betriebe zur Aufgabe gezwungen. Die Folge wäre laut Michaela Kaniber eine drastische Zunahme von Ferkelimporten aus Ländern mit geringeren Tierschutz-Standards und Ferntransporte über Hunderte von Kilometern.

Der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl sieht in der Initiative einen wichtigen Schritt für den praktikablen Tierschutz. Sein Ziel sei es nun, schnellstmöglich die lokale Betäubung als praktikables und tierschutzgerechtes Verfahren auch in Deutschland zuzulassen.

Verlängerung begrüßt

Auch die Verbraucherschutzminister von Baden-Württemberg und Niedersachsen, Peter Hauk und Barbara Otte-Kinast (beide CDU), begrüßten eine längere Übergangsfrist. Damit werde Zeit gewonnen, an Alternativen zur betäubungslosen Kastration zu arbeiten, sagte Peter Hauk.

Barbara Otte-Kinast forderte die Branche dazu auf, die Zeit zu nutzen, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Detlef Kurreck, Bauerverbandspräsident von Mecklenburg-Vorpommern, sagte: "Für unsere Schweinehalter im Land bitte ich darum, dass Bundestag und Bundesrat diese Fraktionsinitiative unterstützen und damit eine Fristverlängerung ermöglichen. Das wäre die entscheidende Rettung für unsere deutschen Schweinehalter.“

Tierschützer: Verrat am Tierschutz

Für die Grünen und die Tierschützer wäre die Fristverlängerung ein herber Schlag. "Es ist ein schmutziger Deal. Der minimalste Tierschutz, den Ferkeln eine Betäubung zu gewähren, wird für den CSU-Wahlkampf in Bayern geopfert", kritisierte hingegen der Sprecher für Agrarpolitik der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff.

"Was der Koalitionsausschuss beschlossen hat, ist Verrat an den Ferkeln und Verrat am Staatsziel Tierschutz und wurde offenbar wie auf einem Basar in die Pokerrunden um Diesel und Zuwanderung eingepreist", sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder.

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