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Aus der Wirtschaft

Streit um russisches Importverbot geht weiter

von , am
17.02.2014

Moskau - Russland betrachtet die bisher von der EU ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Schweinepest als unzureichend. Zudem droht Moskau mit einer Beschwerde bei der WTO gegen die EU.

Der Handelsstreit um den Importstopp für Agrarprodukte ist momentan nur ein Nebenschauplatz in den russisch europäischen Beziehungen. © Mühlhausen/landpixel
Die von den Vertretern der baltischen Länder und Polens dargestellten Maßnahmen seien nicht effizient genug, erklärte der oberste Veterinärinspekteur Jewgenij Nepoklonow. Er kritisierte unter anderem das Fehlen von Desinfektionsbarrieren und einer entsprechenden Behandlung der Fahrzeugreifen an den Grenzen. Außerdem seien die Wildschweinbestände in den EU-Ländern nach wie vor zu groß.
 
 
Nepoklonow lobte zwar das Vorgehen Litauens, wo die Wildschweinpopulation von zuvor 110.000 Stück auf mittlerweile 55.000 Tiere verringert worden sei. Es müssten jedoch entsprechende Maßnahmen auch in den Nachbarländern ergriffen werden. Darüber hinaus beklagte der Vizechef von Rosselkhoznadzor das Fehlen eines zentralen EU-Rückverfolgungssystems für die betreffenden Produkte.
 
Der Föderale Aufsichtsdienst für Tier- und Pflanzengesundheit Russlands (Rosselkhoznadzor) werde erst nach Erhalt aller bei der Brüssler Kommission angeforderten Informationen zu den Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Litauen und deren Bekämpfung über eine Wiederaufnahme des Schweinefleischhandels mit der Europäischen Union entscheiden.

Russland droht mit Beschwerde

Am Vortag hatte Rosselkhoznadzor-Pressesprecher Alexej Alexejenko mitgeteilt, dass Russland eine Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) erwäge, da Brüssel es eines inadäquaten Vorgehens in Sachen Schweinefleischhandel beschuldige. Der Vorwurf sei ungerecht und man setze darauf, dass in der EU die Vernunft siegen werde, sagte Alexejenko vor Journalisten in Moskau.
 
Derweil erklärte der Geschäftsführer des Nationalen Schweinehalterverbands, Jurij Kowaljow, dass derWegfall der Lieferungen aus der EU, die bislang rund 30 Prozent der russischen Importe ausgemacht hätten, durch den Bezug von Schweinefleisch aus Brasilien, den USA, Kanada oder Chile ausgeglichen werden könne. Außerdem sei aufgrund der höheren Inlandsproduktion von einem insgesamt geringeren Importbedarf auszugehen.

Russische Schweinepreise um 15 Prozent gestiegen

Der Direktorenratsvorsitzende des russischen Fleischverarbeitungskonzerns Ostankino, Michail Popow, stellte indes fest, dass die Großhandelspreise für Schweinefleisch in Russland in der ersten Woche nach dem Importstopp um wenigstens 15 Prozent gestiegen seien. Unterdessen erlaubte der Veterinärdienst Weißrusslands den Transit von thermisch behandelten Schweinefleischprodukten aus der EU wieder.
 
Dieser war zuvor auch schon von Rosselkhoznadzor unter strengen Auflagen gestattet worden. Weißrussland selbst hat sich der russischen Ausnahmeregelung nicht angeschlossen.
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