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Streitpunkt Schwanzkupieren: Meyer und ISN werden sich einig

von , am
09.06.2015

Hannover - Nach langjährigen Verhandlungen haben sich Agrarminister Meyer und der Interessensverband der Schweinehalter auf praktikable Maßnahmen zur Umsetzung des Verzichts von Schwanzkupieren geeinigt.

Spielzeug für das Schwein: Es gibt unterschiedliche Arten von Beschäftigungsmaterialien. © landpixel
Nach fast zwei Jahren Auseinandersetzung zwischen dem niedersächsischen Agrarminister Christian Meyer und der ISN um das Schwänzekupieren und die Ringelschwanzprämie wurde gestern ein gemeinsames Eckpunktepapier für eine praktikable Tierwohlförderung im Hinblick auf den Verzicht auf Schwanzkupieren unterzeichnet.
 
"Äußerte sich Minister Meyer noch vor einem Jahr in einer Pressemeldung, dass mit dem Kupieren der Schwänze Ende 2016 Schluss sei, so erkennt er nun an, dass ein Kupierverzicht nicht einfach nur mit dem Umlegen eines Schalters zu erreichen ist.", schreibt dazu der Interessensverband ISN.

Das Eckpunktepapier als pdf downloaden...

Das sind die Eckpunkte:

1. Beide Seiten erkannten an, dass es, trotz vieler Bemühungen, auf das Schwänzekupieren bei Schweinen zu verzichten, noch keine Patentlösung gebe. Das ML werde daher nur Maßnahmen umsetzen, die zu einer Verbesserung des Tierschutzes führen.
2. Bei der Erarbeitung der einzelbetrieblichen Lösungen ist ein begleitendes ganzheitliches Beratungskonzept der Betriebe von größter Wichtigkeit. Eventuelle Auswirkungen auf bestehende Marktstrukturen seien aufgrund der komplexen Zusammenhänge in der gesamten Wertschöpfungskette zu untersuchen.
3. Mit dem Tierschutzplan Niedersachsen wurde eine Dialog-Plattform für relevante Institutionen und Interessenverbände geschaffen, um konstruktiv Lösungen zu tierschutzrelevanten Themen zu finden. In weiteren Schritten sollte die Informationsübermittlung an die unmittelbar handelnden Akteure auf den landwirtschaftlichen Betrieben vor Ort erfolgen. In diesem Zusammenhang ist ein landesweites Netzwerk von Experten und Multiplikatoren (bestehend aus Tierärzten, Beratern, Schlacht- und Futtermittelunternehmen etc.) zu etablieren.
 
4. Das ML wird zudem zur Begleitung und Evaluation der Umsetzung der Ringelschwanzprämie - unter enger Einbindung der Gremien des Tierschutzplans ein Expertengremium einrichten, dem insbesondere Vertreter von ISN, AEF, Landvolk, Landwirtschaftskammer, ML, Deutscher Tierschutzbund und Wissenschaft angehören sollen.
 
5. Im Rahmen des Tierschutzplanes Niedersachsen wird derzeit ein erster Ratgeber (Empfehlungen) erarbeitet, der Maßnahmen zur Verringerung des Schwanzbeißrisikos enthält. Der Ratgeber soll u.a. für die strukturelle Planung und Entwicklung der Betriebsabläufe mit unkupierten Tieren sowie für ein effizientes Krisenmanagement im Ereignisfall Hilfestellung geben. Begleitende Fortbildungen und Seminare sowohl für Betriebsteilnehmer als auch Berater sollen zusätzlich durch das ML finanziert werden.
 
6. Um eine höhere Förderwirkung zu erreichen, sollen staatliche Förderprogramme nicht inhaltlich gegenläufig sondern ergänzend zu anderen Aktivitäten auf Bundesebene oder im privatwirtschaftlichen Bereich (z.B. "Initiative Tierwohl") konzipiert sein. Neue Erkenntnisse bilden die Grundlagen für die Konzeption neuer und die Weiterentwicklung bestehender Fördermaßnahme.

In Bildern: Schweine richtig mästen

Beim Einstallen sollten die neuen Ferkel nicht das Abteil mit ihrer Körperwärme aufheizen. Eine Gaskanone kann hier helfen. © Bräunig, Grave, Landpixel
Die Spritzen sollen Sie nach jedem Gebrauch gründlich reinigen. Für jedes Schwein verwenden Sie neue Einwegkanülen oder Einwegspritzen. © Bräunig, Grave, Landpixel
Prüfen Sie vor dem Einstallen auch den Wasserdurchfluss der Tränkenippel. Pro Minute sollen mindestens 3/4 Liter Wasser fließen. © Bräunig, Grave, Landpixel
Das Hören hat einen Einfluss auf das Alltagsleben von Schweinen. Beim Öffnen des Ventils der Flüssigfütterung begeben sich die Tiere zum Futtertrog. © Bräunig, Grave, Landpixel
Generell sollten die Mastbucht und die Umgebung der Schweine optimal ausgestaltet sein. Sind sie es nicht, verhalten sich die Tiere unnatürlich. © Bräunig, Grave, Landpixel
Schweine sehen vor allem in blau und grün. Die Tiere haben zein Sichtfeld von 310 Grad. Weil sie nicht nach hinten schauen können, empfiehlt sich eine seitliche Annäherung innerhalb ihres Sichtfelds. © Bräunig, Grave, Landpixel
Beim Tiertransport sollten die Tiere nüchternd sein. Sie können sich übergeben und daran ersticken. Daher ist eine Nüchterungszeit vor dem Transport von zwölf bis 24 Stunden sinnvoll. © Bräunig, Grave, Landpixel
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