Login
Zucht

Studie über Hormone in der Sauenhaltung schlägt hohe Wellen

© Mühlhausen/landpixel
von , am
08.01.2014

Die Reaktionen auf die BUND-Studie, wonach in Sauenhaltenden Betrieben regelmäßig Hormone eingesetzt werden, ließen nicht lange auf sich warten. Was Tierärzte, Bauernverband, ISN dazu sagen, lesen Sie hier:

Die Studie über den legalen Hormoneinsatz in der Sauenhaltung ist nach Ansicht vieler Fachleute ein Sturm im Wasserglas. © landpixel
Gestern hatte die Umweltorganisation BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) eine Studie vorgestellt, in der bemängelt wird, dass Sauenhaltende Betriebe in Deutschland systematisch Hormone einsetzten, um die Wirtschaftlichkeit ihrer Unternehmen zu erhöhen. Der Autor, Professor Dr. Bernhard Hörning (Fachhochschule Eberswalde), der die Studie im Auftrag des BUND erstellte, kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Verabreichung der Sexualhormone an Sauen die Intensivierung der konventionellen Sauenhaltung fördere und Menschen und Umwelt gefährde.

'Nur Einzeltiere werden mit Hormonen behandelt'

Inge Böhne, die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Schweine der Bundestierärztekammer hält die Aussagen der Studie für "sehr reißerisch und nicht realistisch". Es sei zwar richtig, dass Hormone in der Sauenhaltung eingesetzt werden, jedoch beschränke sich der Einsatz des in der Studie erwähnten Brunstsynchronisationshormons Altrenogest auf Einzeltiere und finde "nicht flächendeckend" statt. Maximal 10 bis 15 Prozent aller 2,1 Millionen Sauen in Deutschland würden ein einziges Mal in ihrem Leben mit dem Hormon behandelt, um den Produktionszyklus des Betriebes zu synchronisieren. Nach dem ersten Abferkeln bekämen die Säue dieses Hormon nicht mehr.

Welche Betriebe synchronisieren die Brunst hauptsächlich?

Die Aussage von Eckehard Niemann vom niedersächsischen Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der zu dem Thema vermeldet, dass Brunstsynchronisationshormone in mittelständischen Betrieben weniger verbreitet seien als in Großbetrieben, kann die Tierärztin nicht nachvollziehen. Böhnes Meinung nach seien eher kleinere und mittlere Betriebe mit einem Sauenbestand von unter 300 Tieren geneigt die besagten Sexualhormone einzusetzen, weil sie im Drei- oder Vier-Wochen-Rhythmus ihre Tiere vermarkteten und stärker darauf angewiesen seien, dass alle gleichzeitig die Marktreife erlangten, denn Partien unter 200 Tieren seien kaum absetzbar. Größere Betriebe, die im Ein-Wochen-Rhythmus produzierten, hätten eine solche Synchronisation nicht nötig.

Gefahren und Schlussfolgerungen

Inge Böhne sieht keine Gefahren für Menschen und Umwelt durch die Verwendung des Synchronisationshormons. Es ist eines von 26 hormonartigen Präparaten, die in der deutschen Sauenhaltung zugelassen sind. "Wenn das Umweltbundesamt nun doch Gefahren sieht, muss es Studien durchführen und diese Gefahren nachweisen", meint die Vertreterin der Tierärztekammer.
 
Die Schlussfolgerung der BUND-Studie, wonach die Hormongabe die Intensivierung in der konventionellen Sauenhaltung fördere, teilt Böhne ebenfalls nicht. "Das Hormonpräparat führt nicht zur Intensivierung in der Sauenhaltung, es ist nur ein Bruchstück im gesamten Produktionsprozess."

Bauernverband wirft BUND 'Angstmacherei' vor

Der Deutsche Bauernverbandes (DBV) wirft dem BUND "Angstmacherei beim Verbraucher" vor und bezweifelt die fachliche Korrektheit der Sauen-Studie. "Alle verwendeten Hormone müssen als Tierarzneimittel nach Prüfungen durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit amtlich zugelassen sein. Für die Verbraucher besteht keinerlei Gefahr. Die Rückstände in der Umwelt, wie sie der BUND in seiner Studie darstellt, existieren daher nicht. Es konnte bisher kein Zusammenhang zwischen dem Hormoneinsatz in der Sauenhaltung und Rückständen in der Umwelt nachgewiesen werden, weil sich die Eiweißverbindungen innerhalb kürzester Zeit abbauen."

ISN hält Studie für 'Effekthascherei' vor der Grünen Woche

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) wirft dem BUND vor, dass er mit dieser Studie einen Bezug zwischen dem erlaubten Hormoneinsatz in der Sauenhaltung und dem in der EU verbotenen Einsatz von leistungsfördernden Hormonen in der Schweinemast herstellen möchte. Außerdem bezeichnet die ISN die Behauptung als "falsch", dass durch den Einsatz der Synchronisationshormone die Zahl der geborenen Ferkel gesteigert werden solle. "Neben der Behandlung von Sauen mit Fruchtbarkeitsstörungen geht es vielmehr darum, möglichst viele der geborenen Ferkel durchzubringen. Die Ferkelverluste durch ein konsequentes Management der Sauengruppen zu reduzieren, ist das Ziel", außerdem könne durch gemeinsames Abferkeln das Tierwohl durch Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen erhöht werden. Für die ISN ist die Studie "Panikmache und Effekthascherei im Vorfeld der Grünen Woche!"

Linke fordern Klärung der Risiken für Tiere und Umwelt

Die Linke-Politikerin und Tierärztin Dr. Kirsten Tackmann hingegen meint, dass die Behandlung von Tieren kein betriebswirtschaftlicher Selbstzweck auf Kosten der Tiergesundheit oder der Umwelt sein dürfe. "Das gilt auch für die Synchronisation des Fortpflanzungszyklus. Wenn Risiken nicht glaubhaft widerlegt werden können, müssen Wissenslücken unverzüglich geschlossen und eine Risikobewertung in die Zulassungsverfahren für hormonell wirksame Stoffe einbezogen werden." Eine bundesweite Erfassung ihrer Anwendungen sei dazu sinnvoll.      

Hofreport: Ammensauen im Einsatz

Auch interessant