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Experteninterview

TA Luft: Verschärfte Auflagen für Schweinehalter

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am Freitag, 09.07.2021 - 05:00 (1 Kommentar)

Die novellierte TA Luft wurde Ende Juni beschlossen. Was das für Schweinehalter bedeutet, erklärt unsere Expertin Heike Donhauser.

Heike-Donhauser-Autor

Das Bundeskabinett hat Ende Juni nach mehrjährigem Hickhack die Neufassung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) beschlossen. Für Schweinehalter sind damit deutlich verschärfte Auflagen verbunden, sagt unsere Expertin für Immissionsschutz Heike Donhauser vom IBE-Ingenieurbüro Dr. Eckhof GmbH Ahrensfelde. agrarheute hat mit ihr über die verschärften Auflagen der TA Luft für Schweinehalter gesprochen.

Was regelt die TA Luft und inwieweit sind inbesondere Schweinehalter hiervon betroffen?

Die etwa 500 Seiten umfassende Verwaltungsvorschrift regelt unter anderem die zulässigen Emissionen und Immissionen von Luftschadstoffen wie Ammoniak, Feinstaub oder Gerüchen aus Tierhaltungsanlagen. Mit der novellierten TA Luft hat die Bundesregierung die europäischen Schlussfolgerungen zu den „Besten Verfügbaren Techniken“ (BVT) umgesetzt und sogar noch verschärft.

Besonders betroffen sind immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftige Anlagen mit mindestens 560 Sauen-, 1.500 Mast- oder 4.500 Ferkelplätzen. Hier sind künftig eine Reihe von baulich-technischen und betrieblichen Maßnahmen zur Emissionsminderung umzusetzen, unabhängig von den konkreten Standort- und Umgebungsbedingungen einer Anlage. Allerdings können diese Regelungen auch als Maßstab für baurechtlich genehmigungsbedürftige Anlagen, also für Betriebe mit weniger Tierplätzen, herangezogen werden.

Was kommt konkret auf die Betriebe zu und wo liegen die wesentlichen Knackpunkte?

Als „Stand der Technik“ gelten nunmehr folgende betrieblichen Maßnahmen, die vor allem die Ammoniakemissionen reduzieren sollen:

  • Einsatz rohprotein- und phosphorangepasster Futtermischungen,
  • Einbau qualitätsgesicherter Abluftreinigungsanlagen für mit Zwangslüftung ausgestattete Ställe ab einer bestimmten Größenordnung (siehe oben genannte Anlagengrößen),
  • Abdecken von Güllebehältern mit 90-prozentiger Emissionsminderung (bisher 80 Prozent): Dies lässt sich zum Beispiel mit einer Zeltabdeckung erreichen. Bisher übliche Strohhächseldecken oder Granulate sind nicht mehr zulässig. Altbehälter sind sind so abzudecken, dass die Emissionen um mindestens 85 Prozent gemindert werden,
  • Abdecken oder Überdachen von Festmistlagerflächen.

Inwieweit entschärft die neue TA Luft den Zielkonflikt zwischen Tierwohl und Immissionen? Gibt es für Tierwohlställe Erleichterungen?

Meines Erachtens gibt es nur wenige Zugeständnisse für Tierwohlställe. Ist bei qualitätsgesicherten Haltungsverfahren, die nachweislich dem Tierwohl dienen, der Einsatz von Abluftfiltern technisch nicht möglich, sollen – soweit realisierbar – andere emissionsmindernde Verfahren und Techniken angewendet werden. Damit muss dann bei Ammoniak für Außenklimaställe ohne Auslauf eine Emissionsminderung von mindestens 33 Prozent im Vergleich zum Referenzwert erreicht werden.

Völlig unklar ist dabei aber, wie das erfolgen kann, wenn zum Beispiel Auslaufflächen hinzukommen, die wiederum zusätzliche Emissionen verursachen. Für die Stallinnenbereiche sind die bereits genannten Minderungstechniken zur Reduzierung von Ammoniakemissionen aufgezeigt.

Welche Kosten kommen mit der neuen TA Luft auf die Schweinehalter zu?

Die novellierte TA Luft verschärft die immissionsschutzrechtlichen Anforderungen für die Betriebe deutlich und ist mit hohen Investitions- und teilweise nicht unerheblichen Betriebskosten für den Einsatz von Abluftfiltern, für Abdeckungen von Güllebehältern und Festmistlagerstätten sowie für spezielle Fütterungseinrichtungen verbunden.

Das vollständige Interview zu den Änderungen der TA Luft lesen Sie in der Augustausgabe von agrarheute (print oder digital) Schwein ab Seite 15.

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