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Filtererlass

Thüringen plant Pflicht für Abluftfilter

© landpixel
Josef Koch, dlz agrarmagazin
am
03.12.2015

Das Thüringer Umweltministerium arbeitet derzeit an einem Filter-Erlass für schweinehaltende Betriebe. Die Regelung soll bei Neu- und Umbauten greifen.

Wenn die Briten aus der EU ausscheiden, könnten sie weniger Schweinefleisch aus der EU einführen. © landpixel

Das Thüringer Umweltministerium arbeitet derzeit an einem Filter-Erlass für schweinehaltenden Betriebe. Das hat Olaf Müller, landwirtschaftlicher Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, in einem Gastkommentar in der Thüringer Allgemeinen angekündigt. Die vorgesehene Regelung soll sich auf Neubauten und größere Umbauten von Anlagen mit mehr als 2.000 Mastschweinen und 750 Zuchtsauen beziehen, berichtet die ISN. Über nachträgliche Einbauten soll per Einzelfallprüfungen entschieden werden. Von dem geplanten Erlass sind in Thüringen etwa 95 schweinehaltende Betriebe betroffen.

André Telle, Vize-Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Thüringen (IGS), hat ebenfalls in einem Gastkommentar in der Thüringer Allgemeinen Zeitung die Kritik an der Branche relativiert. In Thüringen gebe es über 130 genehmigungsbedürftige Anlagen, die vor ihrer Inbetriebnahme umfangreiche Verfahren durchlaufen haben. Dabei wird geprüft, ob und wie man nachteilige Umweltwirkungen ausschließen oder stark reduzieren kann. Die Genehmigung ist oft mit erheblichen Auflagen verbunden, so Telle.

Mehrkosten von 5 Euro je Schwein

Die ISN kritisiert die thüringischen Pläne scharf. "Als wenn die aktuelle Preismisere den Schweinebetrieben nicht schon genug Kopfzerbrechen bereiten würde, plant die rot-grüne thüringer Regierung die nächste erhebliche Kostensteigerung. Denn eins ist amtlich: Abluftsysteme verursachen immense Investitions- und laufende Kosten. Mit ca. 5 Euro Mehrkosten je Mastschwein wäre die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung in den vom Erlass betroffenen Betrieben in Thüringen stark gefährdet."

Die ISN wird dies auch bei der Verbände-Anhörung deutlich machen und die Einführung eines Filtererlasses klar ablehnen.

 

Abluftreinigung mit Luftwäschern: So geht's

Zu den täglichen Arbeiten gehört die Sichtkontrolle der gesamten Anlage. © Sebastian Bönsch
Die Abluftsteuerung sollte der Landwirt stets im Blick behalten. Alle angezeigten Parameter müssen regelmäßig überprüft werden. Außerdem sollen alle Luftwäscher der Reinigungskörper sowie die Lamellenwände gecheckt werden. © Sebastian Bönsch
Insbesondere die Befeuchtungseinrichtungen sind zu überprüfen. Die Sprühbildkontrolle ist sehr wichtig. © Sebastian Bönsch
Bei den meisten Wäschern laufen die Berieselungen kontinuierlich. Um eine gleichmäßige Befeuchtung ermitteln zu können, muss man teilweise in die Druckkammer und auf den Luftwäscher steigen. © Sebastian Bönsch
Sollte eine Düse nicht mehr richtig spritzen, kann sie bei den meisten Wäschern mit einem Handgriff gewechselt werden. © Sebastian Bönsch
Alle Filterwände müssen gleichmäßig feucht sein. © Sebastian Bönsch
Die Sprühbildkontrolle bei Wäschern, die im Dachraum verbaut sind, ist etwas schwieriger ... © Sebastian Bönsch
... da der Landwirt dafür in den Dachraum steigen muss. © Sebastian Bönsch
Bei mehrstufigen Anlagen muss täglich jede Stufe kontrolliert werden. Werden Geruchsemissionen durch eine Wurzelholzschicht abgebaut, muss diese unbedingt in regelmäßigen Abständen überprüft und nachgefüllt werden. © Sebastian Bönsch
Wenn man in der Anlage steht, darf man nicht durch das Wurzelholz schauen können. Oftmals entstehen durch das Zusammensacken des Holzes kleine Löcher, durch die dann die Abluft ohne den gewünschten Geruchsabbau hindurchströmt. © Sebastian Bönsch
Auch die normalen Verbrauchsstoffe, die im Regelfall in jedem Filter eingesetzt werden, müssen kontrolliert und gegebenenfalls gewechselt oder nachgefüllt werden. Bei pulverförmiger Lauge sollte immer bedacht werden, wie weit die 25 kg schweren Säcke getragen werden müssen. © Sebastian Bönsch
Je nach Größe des Wäschers können schnell pro Jahr mehrere Tonnen Lauge anfallen. © Sebastian Bönsch
Bei der Kontrolle der 96-prozentigen Schwefelsäure ist unbedingt an die Schutzausrüstung zu denken. Anderenfalls kann es zu schweren Verletzungen kommen. © Sebastian Bönsch
Die verbauten Mess- und Steuerungssonden sind in monatlichen Abständen zu kalibrieren. Zwischendurch sollten die Sonden auch gesäubert und kontrolliert werden. Die Kalibrierung der pH-Wert-Sonde ist besonders wichtig. Sobald diese einen falschen pH-Wert misst, kann sehr viel Säure, Lauge oder auch Frischwasser verbraucht werden. © Sebastian Bönsch
Um die Sonde wieder auf den richtigen pH-Wert einstellen zu können, werden zur Kalibrierung zwei Puffererlösungen benötigt. © Sebastian Bönsch
Alle wasserführenden Leitungen sollten mindestens monatlich, besser noch alle 14 Tagen, gespült werden. Wird das Filterpaket bzw. die Filterwand nicht mehr ausreichend befeuchtet, kann es zu einem schnellen Absterben der Bakterien und zu einem Gesamtausfall der Anlage kommen. © Sebastian Bönsch
Die Filterpakete und Wände müssen je nach System viertel- bis halbjährlich, teilweise auch jährlich gereinigt werden. © Sebastian Bönsch
Bei den jährlichen Check-up-Messungen werden die geforderten Abscheideleistungen überprüft. Anhand der Messungen und des elektronischen Betriebstagebuchs lässt sich die dauerhafte Funktion überwachen. Durch ein Ampelsystem wird für Betreiber und Behörde deutlich, ob die Abluftreinigung ordnungsgemäß funktioniert. © Sebastian Bönsch
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