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Tierschutz

Tierärzte lehnen Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration ab

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Katharina Krenn, agrarheute
am
08.06.2017

Die Bundestierärztekammer spricht sich deutlich gegen die Erlaubnis einer Lokalanästhesie durch Tierhalter bei der Ferkelkastration aus.

Der Bundeslandwirtschaftsminister hat sich vor kurzem für einen „vierten Weg“ bei der betäubungslosen Ferkelkastration ausgesprochen: Die Lokalanästhesie. Seine Position begründete er mit den Belangen der kleinen und mittleren Betriebe, die ohne kostengünstige Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration auf der Strecke bleiben würden. „Von dieser Haltung zeigt sich die Bundestierärztekammer (BTK) enttäuscht und befremdet“, schreibt die BTK.

Fehler beim Spritzen kann zum Tod führen

BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann warnt davor, die Anwendung der Lokalanästhesie durch Tierhalter zu erlauben: „Jede Anästhesie – das gilt auch für die lokale Betäubung – ist eine anspruchsvolle und risikobehaftete tierärztliche Tätigkeit! Das fehlerhafte Verabreichen eines Lokalanästhetikums kann verheerende Folgen bis hin zum Tod des Tieres haben. Aus diesem Grunde lehnen wir dies ausdrücklich ab.“

Lokalanästhesie mit Risiken behaftet

Aber auch die Lokalanästhesie an sich sieht die Bundestierärztekammer kritisch. Nach den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen gäbe es bei der Lokalanästhesie der Ferkel deutliche Nachteile. Tiedemann: „Die Belastung der Tiere durch Fixation und mehrfache Injektionen ist ähnlich wie bei betäubungslosen Kastration und der Schmerz wird je nach Applikationsart nur teilweise ausgeschaltet." Dies gelte besonders für den einzigen für das Schwein zugelassenen Wirkstoff Procain. so der Tierarzt.

"Dazu kommt, dass Injektionen in Richtung der Samenstränge oft nicht präzise platziert werden können und alternativ die Injektion in den Hoden für die Tiere sehr schmerzhaft ist. Außerdem können vermehrt Wundheilungsstörungen in Folge des Vorfalls der betäubten Samenstrangstümpfe festgestellt werden.“

Mit Material von BTK
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