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Mast

Tierleasing: Biofleisch aus Lohnmast

von , am
19.08.2013

Das Vermarktungskonzept Tierleasing findet immer mehr Anhänger. Auch Ökolandwirt Anton Dapont bietet Bio-Schweine und -Rinder zur Lohnmast an. Sein Stall ist immer ausverkauft.

 
Bei Schweineleasing handelt es sich nicht um Leasing im rechtlichen Sinne, sondern um eine Lohnmast. Für 30 Euro im Monat mästet der Ökobauer Anton Dapont Bioschweine für ihre Besitzer. Im Vorfeld haben die Konsumenten ein Ferkel aus seiner Turopoljeschweine-Zucht gekauft und einen Mastvertrag unterschrieben. Vertraglich festgelegt ist darin auch, dass das Schwein nach dem vereinbarten Mastzeitraum geschlachtet werden muss. So erhält der Besitzer nach 12 bis 15 Monaten sein schlachtreifes Schwein. Etwa 50 Kilogramm Bio-Fleisch wirft das Schwein ab. Bis hoch nach Hamburg verleast Dupont bereits seine schwarzgefleckten Schweine.
 

Traum vom eigenen Biohof

Biobauer Anton Dapont © Katharina Krenn/agrarheute
Der ehemalige Maschinenbauer Anton Dapont hat vor einigen Jahren seinen Traum vom eigenen Biobetrieb wahrgemacht und einen alten Rottaler Vierseithof im niederbayerischen Egglham gekauft. Dort züchtet der Landwirt seitdem alte Masttierrassen wie Turopolje-Schweine, Aubrac-Rinder und Sulmthaler Hühner. Neben dem Verkauf von Jungtieren, ist das Tierleasing eine wichtige Einkommensquelle für den Landwirt. "Tierleasing hat den Vorteil, dass das Schwein schon vor der Schlachtung vermarktet ist", erklärt Dapont.
 

Nachfrage übersteigt Angebot

Das Betriebskonzept von Dapont ging auf: seine fünf bis sechs Leasingplätze sind meist im Voraus belegt. Dapont hat doppelt bis dreifach so viele Anfragen als er bedienen kann. Deshalb sucht der Landwirt Kooperationspartner, die in das Tierleasing einsteigen wollen. Sein Ziel ist es, ein Leasing-Netzwerk von vielen kleinen Betrieben aufzubauen, die beispielsweise im Nebenverdienst Turopolje-Schweine für Verbraucher halten. So könne man von einer gemeinsamen Logistik bei Schlachtung und Vermarktung profitieren.
 
Der Landwirt könnte sich auch vorstellen eine Tierleasing-Marke zu etablieren. Gerade für Kleinbetrieb sei das Konzept gut geeignet, so die Meinung Daponts Bisher beziehen zwei Landwirte Ferkel aus seiner Turopolje-Zucht.
 

Konzept mit mehr Transparenz

Hinter dem Konzept Tierleasing steht vor allem auch die Idee mehr Transparenz für den Verbraucher zu schaffen. Der Besitzer kann jederzeit auf den Hof kommen und sich vom Zustand und der Haltung seines Schweins überzeugen. Auf Wunsch verschickt der Bauer jeden Monat ein Foto vom geleasten Masttier. Auch wenn der Verbraucher eine Bindung zu dem Tier aufbaut, früher oder später muss es zum Schlachter. Das ist vertraglich so festgelegt. Die Schlachtkosten muss der Konsument selbst bezahlen, aber er kann auch selbst bestimmen in welcher Verarbeitungsform er das Fleisch haben möchte. Zehn Euro pro Kilo Bioschweinefleisch bezahlt der Schweineleaser letztlich inklusive aller Kosten.
 

Vorteil alter Rassen

Turopolje-Schweine eigenen sich gut für die Freilandhaltung. © Hausberghof
Aus Überzeugung züchtet Dapont alte Haustierrassen. Im Gegensatz zu den Hochleistung-Zuchttieren, sind die alten Rassen deutlich robuster. Beispielsweise ist das Turopolje-Schwein gegen fast alle Krankheiten resistent und kann auch bei Minusgraden problemlos im Freiland gehalten werden. Außerdem sind die Tiere gute Futterverwerter und stellen keine hohen Ansprüche an die Futterqualität. Der Biobauer füttert den Weideschweinen fast ausschließlich mit Gras und Heu aus eigener Produktion. Im Winter bekommen die Tiere Biokartoffeln.
 
Das Turopolje-Schwein hat einen höheren Fettanteil als konventionelle Mastschweine. Daher eignet sich das Schwein auch für die Speckproduktion. Der Metzger des Hausberghofs bietet die Herstellung von luftgetrocknetem Speck. Wer kein ganzes Schwein kaufen will, kann zumindest Speck aus eigener Herstellung auf dem Hausberghof erstehen.

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