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Nordrhein-Westfalen

Tierquälerei: Vier Schweinemastbetriebe im Verdacht

Vorwurf der Tierquälerei: 4 Schweinemastbetriebe im Visier
am Montag, 16.09.2019 - 13:04 (Jetzt kommentieren)

Vier Schweinemastbetriebe im Kreis Steinfurt stehen wegen des Verdachts auf schwere Tierschutzverstöße in der Kritik. Heimlich aufgenommene Videoaufnahmen sollen verwesende Kadaver und sterbende Schweine zeigen.

Vor zwei Jahren tauchten Aufnahmen von Schweinen mit zum Teil abgebissenen und entzündeten Schwänzen auf. Die Bilder seien auf dem Hof der damaligen NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) gemacht worden. Agrarheute berichtete. 

Jetzt stehen erneut vier Schweinemastbetriebe aus dem Kreis Steinfurt in der Kritik. Heimlich aufgenommene Videos sollen blutige Verletzungen, sterbende Schweine und verwesende Kadaver zeigen. Veröffentlicht hat die Bilder der Verein "tierretter.de e.V."

Tierrechtler kritisieren Kontrollen

Tieraktivisten sollen die Bilder im August 2019 aufgenommen haben. Kurz nach der Übergabe der Videoaufnahmen an den tierretter.de e.V., seien die Betriebe den Veterinärbehörden gemeldet worden. Doch „eine solche Tierquälerei ist mit Kontrollen anscheinend nicht beizukommen“, kritisiert der Verein.

„Immer dort, wo mit Tieren Geld verdient wird, konkurrieren Profit und Tierwohl miteinander - vermeintliches Tierwohl spielt nur dann eine Rolle, wenn damit auch Profit erwirtschaftet werden kann“, schreiben die Aktivisten in einer Pressemitteilung.

Über 400 Kontrollen jährlich in NRW

Die Höfe, um die es geht, kennt Kreisveterinär Dr. Christoph Brundiers. Die Tierschützer hatten ihm anonyme Hinweise geschickt. Alle vier Betriebe seien in den letzten Monaten kontrolliert worden, so Brundiers in der WDR-Sendung Westpol.

2018 gab es in NRW 2.987 Betriebe und 474 Kontrollen. 16 Prozent wurden im Jahr kontrolliert. Bei jeder zehnten Kontrolle stoße man auf Mängel, so der Veterinär. Die Betriebe bekämen dann Auflagen, in Einzelfällen müssten sie Bußgelder bezahlen, und das im dreistelligen Bereich.

Veterinäramt sieht große Mängel bei kranken Tieren

Dr. Christoph Brundiers sieht besonders im Umgang mit kranken Tieren große Mängel. „Es ist generell ein Problem, dass Tiere nicht zeitgerecht eingeschläfert werden, wenn eine Behandlung nicht mehr möglich ist“, sagte er zum WDR.

Ein weiteres Problem sei, dass Krankenställe nicht ausreichend ausgestattet sind oder Schweine zu spät von den Buchten in die Krankenställe gebracht werden, so der Veterinär. 

Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband: „Das sind Einzelfälle“

In der WDR-Sendung Westpol kam auch der Vorsitzende des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), Albert Rohlmann, zu Wort. Er betonte, dass die Bilder nur einen ganz kleinen Ausschnitt der Schweinebestände zeigten.

Zudem prangerte Albert Rohlmann das Vorgehen der Tierschützer an. „Das ist Hausfriedensbruch“, sagte der Vorsitzende. Er habe mit den betroffenen Betrieben gesprochen. „Die Landwirte sind fix und fertig.“

Auch der Präsident des WLV, Johannes Röring, reagierte auf die aktuellen Vorwürfe. Er fordert einen Gesellschaftsvertrag zur Zukunft der Nutztierhaltung. Gebraucht werde eine Vereinbarung, die mehr Tierwohl biete und den Bauern eine wirtschaftliche Perspektive eröffne, sagte er. 

Heinen-Esser: Tiergesundheitsdatenbank soll helfen

Auch für die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser sind die Videos aus den Ställen Einzelfälle. Diese will die Agrarministerin künftig durch gezieltere Kontrollen aufspüren.

„In Zukunft wird es in NRW eine Tiergesundheitsdatenbank geben, in der die Daten der Tiere zentral einfließen - auch aus den Schlachtbetrieben“, sagte sie zum WDR. So habe man schnell Hinweise, wenn es in einem Stall nicht gut funktioniert.

Mit Material von WDR, Presseportal.de
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