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Kommentar

Tierrechtler fälschen Anzeigen und manipulieren damit die Medien

Deutsches Tierschutzbüro bei einer Demo
am Freitag, 02.07.2021 - 11:30 (1 Kommentar)

Im Wahlkampf ist dem Deutschen Tierschutzbüro offenbar jedes Mittel recht. Auch Lüge und Manipulation. Ein Kommentar.

Es ist doch wirklich empörend: Ein Schweinehalter aus dem Landkreis Osnabrück soll nicht nur seine Tiere vernachlässigt haben (hier ermittelt tatsächlich seit einem halben Jahr die Staatsanwaltschaft), sondern er schaltete auch noch unverfroren eine online-Anzeige auf den Portalen "ImmobilienScout24" und "Immowelt". In selbiger suchte er "Mieter" für ein "WG-Abteil", also Schweine für seine Mastabteile.

Entdeckt und in einer Pressemitteilung öffentlich bekannt gemacht haben diese zynische Annonce die Tierrechtler vom Deutschen Tierschutzbüro e.V. unter Geschäftsführer Jan Peifer. Was für großartige ... Lügner.

Fake-Inserat kam vom Tierschutzbüro selbst

Denn natürlich stammt das Inserat, in dem es unter anderem hieß: "Eine Besichtigung ist nur mit direktem Einzug möglich, wer einmal kommt, der bleibt. […] Die Miete zahlen Sie mit Ihrem Leben", nicht vom betreffenden Landwirt, wie Tierschutzbüro-Gründer Peifer in einer Pressemitteilung frech behauptet. Zitat: "Offenbar ist die Verzweiflung des […] Schweinemästers so groß, dass er nun per Wohnungsannonce seine Stallungen vermieten will."

Geschaltet hat das Inserat niemand anderes als der Tierrechtsverein selbst, wie Peifer gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (noz) zugab.

Name und Adresse der Landwirtsfamilie veröffentlicht

Was aber bringt jemanden dazu, eine solche Aktion zu starten? Das Verfahren gegen den beschuldigten Landwirt läuft. Bevor die Staatanwaltschaft ihre Ermittlungsergebnisse veröffentlicht, sollte ein Verdächtigter nicht vorverurteilt werden. Und schon gar nicht darf seine Familie durch Veröffentlichung von Namen und Adressen kompromittiert werden, wie das Tierschutzbüro das in der Fake-Anzeige ohne Rücksicht auf Verluste getan hat.

Doch das hat Tierrechtler ja selten davon abgehalten, in vermeintlich gerechtem Zorn Menschen in Gefahr zu bringen.

Im vorliegenden Fall geht es aber noch um etwas anderes.

Im Wahlkampf ist jedes Mittel recht

Am 12. September finden in Niedersachsen Kommunalwahlen statt. Zwei Wochen später ist Bundestagswahl. Da kommt es nicht von ungefähr, dass das Deutsche Tierschutzbüro in dieser und einer weiteren Pressemitteilung insgesamt viermal "nebenbei" erwähnt, dass der Schweinehalter CDU-Mitglied und zweimal, dass er stellvertretender Bürgermeister seiner Gemeinde ist.

Das soll wohl sagen: "Schaut her, wie gewissenlos Mitglieder dieser Partei sind. Sie quälen nicht nur Tiere, sondern scheuen sich nicht einmal, derartig zynische Annoncen zu veröffentlichen!" Dabei ist das eine bislang nicht bewiesen, das andere komplett gelogen.

Große Medien haben brav berichtet

Mehrere Medien, darunter der NDR, sind auf den Fake hereingefallen und haben berichtet. Der norddeutschen ARD-Anstalt ist die Manipulation noch nicht einmal aufgefallen, als die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) sie mit der Nase darauf gestoßen hat, dass es sich nicht um einen neuen Fall, sondern um das fragwürdige Hochkochen einer seit Dezember anhängigen Geschichte ist. Aber wer glaubt schon der "Schweinelobby"?

Nur die noz hat sich nicht foppen lassen. "Das ist keine seriöse Presseinformation, sondern Agitation", schreibt Redakteur Mirko Nordmann in einem Kommentar. Und: "Mit dem Versuch, die Medien für dumm zu verkaufen, hat der Verein auf jeden Fall ein Teil seiner Glaubwürdigkeit verspielt."

Mediale Aufmerksamkeit steht an erster Stelle

Nun könnte man meinen, die Aktion sei einfach dumm gewesen. Doch wie alle anderen medienwirksamen Auftritte von Jan Peifer und seinen Kollegen dient sie vor allem einem: der eigenen Werbetrommelei. Tierschutz steht da bestenfalls an zweiter Stelle.

Oder warum sonst landen (angeblich stets von Dritten zugespielte) Aufnahmen von Tierschutzverstößen fast immer erst in den Medien, bevor sie, nicht selten erst nach Wochen und Monaten, zur Anzeige gebracht werden? 

Auch diesmal steht wieder der Verein im Mittelpunkt. Mit einer offensichtlichen Lüge und einem unübersehbaren Manipulationsversuch zwar, aber wenn's der Aufmerksamkeit dient ...

Nicht alle seltsamen Anzeigen sind Fake

Was würde wohl Jan Peifer sagen, wenn jemand im Namen seines Tierschutzbüros eine Stellenanzeige schalten würde? Mit fragwürdigen Leistungsanforderungen wie "Offenheit und Bewusstsein für die Arbeit in gesetzlichen Grauzonen" und "juristische Kenntnisse von Vorteil" …

Keine Angst, diese Anzeige muss niemand faken. Die gab es – wortwörtlich wie zitiert – tatsächlich vor gut dreieinhalb Jahren. Und sie war kein Trick, sondern ein echtes Stellenangebot des Deutschen Tierschutzbüros. Mit ähnlichen Kriterien sucht die Mafia wahrscheinlich auch nach einem neuen Buchhalter.

Und der Hinweis, der neue Mitarbeiter solle "aktive Recherchearbeit in Mast- und Zuchttieranlagen" leisten, lässt ahnen, was an der Behauptung dran ist, dass das Tierschutzbüro niemals selbst in Ställe einsteigt, sondern immer nur Material "zugespielt" bekommt.

Die Lüge bleibt unkorrigiert

Für die nächste Stellenausschreibung eines Tierschutzbüro-Pressereferenten empfehle ich auf jeden Fall schon mal, vor allem ein entspanntes Verhältnis zur Wahrheit und zum Medien- und Persönlichkeitsrecht einzufordern. Nicht, dass dem Kandidaten später sein eigenes Gewissen dazwischengrätscht, weil ihn neben den Tierrechten vielleicht auch sein Berufsethos und die Menschenwürde interessieren.

Übrigens: Die verlogene Pressemitteilung steht (Stand 2. Juli 2021) unter dem Titel "Tierquälerischer Schweinemäster schaltet Wohnungsanzeigen bei 'ImmoScout24' und 'immowelt'" noch immer unkorrigiert auf der Seite des Deutschen Tierschutzbüros. Vielleicht fällt ja noch eine Redaktion im Sommerloch darauf herein. Und wenn nicht: Als Wahlkampfinstrument hat sie allemal gedient.

Mit Material von Neue Osnabrücker Zeitung (noz), Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN)
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